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Navigationssoftware Weg frei für Rollstuhlfahrer

2. Teil: Im zweiten Teil: Hindernis Finanzierung. Für viele Behinderte ist die eigentlich preiswerte Technik durchaus teuer. Und wie finanziert man ein Projekt, dessen Nutznießer "für die Wirtschaft nicht interessant", weil körperlich behindert sind? Weiter...

Nur das mit dem Geld könnte schwierig bleiben. Zwar kostet ein GPS-Upgrade laut Thomé nur €50, aber Wolfgang Döge von der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen befürchtet trotzdem, dass das und die zuzüglichen Kosten wie zum Beispiel Internetgebühren zuviel sein könnten: "Viele behinderte Menschen leben von der Sozialhilfe, da sie nicht regulär arbeiten können", sagt er, "daher können sie sich die Technologie vielleicht nicht leisten."

Anette Von Laffert jedenfalls ist sie es wert: Die gewonnene Mobilität würde ihr zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen und ihre Abhängigkeit von anderen und staatlicher Unterstützung reduzieren, sagt sie. "Ich wäre viel eigenständiger, könnte zum Beispiel meine Einkäufe selbst erledigen, anstatt andere darum zu bitten", sagt sie, "und ich würde mir zutrauen, auch mal neue Gegenden kennen zu lernen."

Nachdem Trailblazers in einer Pilotphase auf dem Gelände der Hochschule und Hamburger Innenstadt getestet wurde, wird jetzt an den letzten Einzelheiten gefeilt. Zur Zeit arbeiten die Tüftler an einer Spracherkennungsfunktion, die jenen helfen soll, die Handcomputer nicht bedienen können. Ab Mai soll Trailblazers dann kostenlos über www.trailblazers.de verfügbar sein.

Vielleicht wird es sogar eine englisch Version der Seite geben - eine attraktive Aussicht nicht nur für nichtdeutsche Rollstuhlfahrer, sondern auch für Bundesbürger, die auch mal ins Ausland wollen. "Es wäre mein Traum, mehr zu reisen", sagt von Laffert.

Wegführend nicht nur in der Kartographie

Fest steht jedenfalls, dass Trailblazers schon in der Entwicklungsphase ein Erfolgsprodukt ist. Das Team erreichte letztes Jahr beim Microsoft Imagine Cup - einem jährlich stattfindenden Wettbewerb für neue Erfindungen, die auf Microsoft-Produkten basieren - auf nationaler Ebene den ersten und auf internationalem Level den siebten Platz. Ihre Leistungen wurden von Microsoft mit einem 35.000-Dollar-Darlehen belohnt und Bill Gates höchstpersönlich gratulierte den Nachwuchsforschern zu ihrem "fantastischen" Beitrag.

In der Zukunft könnten die vier mit Trailblazers noch mehr Geld verdienen, denn Navigationssoftware ist ein Verkaufsschlager. Die Stadt Kiel will die Software für eine neue Transportwebseite ausprobieren, auf der nicht nur öffentliche Verkehrsrouten, sondern auch Straßenkonditionen angezeigt werden sollen, berichtet Martin Dexler von der offiziellen Webseite der Stadt.

Die British Telecom hat auch schon großes Interesse bekundet: "Wir sind sehr an einer Zusammenarbeit mit Trailblazers interessiert", sagt Steve Konya, der den Bereich IT-Projekte leitet und der letztes Jahr in der Jury des Imagine-Cup-Finales saß. "Die Idee ist großartig und das Potential für Weiterenticklung sehr groß."

Enthusiastisch erzählt Konya von einer neuen Form von Social Networking, die auf Karten basiert und bei der sich Nutzer Leute mit ähnlichen Interessen in ihrer Umgebung suchen. "Trailblazers könnte eine neue Art von Online Community erschaffen", sagt er. "Die vier könnten, ohne es zu wissen, auf etwas ganz Neues gestoßen sein."

Das geschäftliche Interesse ist wichtig für den Erfolg des Projektes. "Das Produkt ist zwar gut, aber ohne finanzielle Investitionen wird es nicht funktionieren," sagt Döge. Es habe in der Vergangenheit schon ähnliche Ideen gegeben, die allesamt am Geldmangel scheiterten, wie zum Beispiel eine Navigationshilfe für Blinde. "Das Problem ist, dass behinderte Menschen für die Wirtschaft nicht besonders interessant sind", fügt er hinzu.

Die Trailblazer-Entwickler sind trotzdem optimistisch, schließlich beschränkt sich der Gebrauch der Software ja nicht nur auf Rollstuhlfahrer. Jeder kann sich das Programm herunterladen und anfangen, Routen zu entwerfen oder sie durch spezielle Interessengruppen verbreiten. Jogger könnten sich zum Beispiel über die besten Laufstrecken austauschen, während Eltern mit Kleinkindern sich mithilfe von Trailblazers die Kinderwagen-freundlichsten Wege durch die Innenstadt suchen könnten.

Und manche Leute wollen vielleicht Strecken mit besonders vielen Hindernissen finden. "Skateboard-Fahrer, die holpriges Gelände zum Fahren oder Tricksen suchen, könnten sich Karten mit besonders vielen Treppen oder Stufen programmieren", so Thomé.

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