Wäre die Cebit eine US-Veranstaltung, hätte ich schon längst mehrere Anstecknadeln am Revers. Eine in Bronze, eine in Silber und natürlich das Premium-Modell in Gold. Denn ich bin Cebit-Urgestein und also solches möchte man doch entsprechend gewürdigt werden. In den USA ist das so. Wer regelmäßig die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas besucht, wird mit Anstecknadeln im Edelmetall-Look belohnt.
Aber auch ohne derartige Pseudo-Auszeichnungen bin ich seit mehr als 20 Jahren treuer Cebit-Besucher. Und war das sogar schon, als die Cebit noch eine Veranstaltung innerhalb der Hannover Messe Industrie war. Damals lockte die Messe noch mit dem Charme einer Branche, die sich im Aufbruch befindet. Dicke Trauben bildeten sich um Aussteller, die das neueste Zubehör für Heimcomputer wie den C64 oder später den Atari ST und den Amiga feilboten. An den Ständen der Hersteller von Lichtpausanlagen und Kopierstraßen tummelten sich emsige Geschäftsleute auf der Jagd nach günstigen Vertragsabschlüssen. Klar, es war ja auch eine Business-Messe. Das man nebenbei auf dem Freigelände riesige Kräne, Schaufelbagger und ähnliches Gerät bestaunen konnte, trug nur zum Unterhaltungswert der Veranstaltung bei.
Mangelnde Relevanz?
Trotzdem konnte mein soziales Umfeld schon damals nicht verstehen, was mich wohl jedes Jahr wieder nach Hannover treibt. Und auch in diesem Jahr musste ich diese Frage wieder hören. Schließlich, sagen die Zweifler zu Recht, sind von der ehemaligen Leitmesse keine sensationellen Neuankündigungen mehr zu erwarten. Die Computerbranche hat sich schon auf der CES ausgetobt, die Handy-Hersteller haben ihre Produkte für 2007 auf dem 3GSM Congress in Barcelona angekündigt und die Unterhaltungselektronik-Branche wartet lieber auf die IFA in Berlin. Die liegt ja auch viel näher am vorweihnachtlichen Einkaufsboom.
Trotzdem bin ich auch 2007 wieder in Hannover. Darum drücken kann ich mich berufsbedingt ohnehin nicht mehr. Für einen Ist-Journalisten ist der alljährliche Cebit-Besuch ebenso Pflichtprogramm wie der sonntägliche Kirchgang für gute Christen.
Aber auch ohne den beruflichen Zwang würde es mich doch immer wieder zur Cebit ziehen. So wie damals in den achtziger Jahren, als ich, noch ein Teenager, mit großen Augen die neusten Erweiterungskarten für den C64 in Augenschein nahm oder Jahre später über die (damals) fantastische Grafik des Amiga staunte. Denn es sind nicht immer die großen Sensationen, die einen Cebit-Rundgang unterhaltsam machen.
Großes bei den Kleinen
Schließlich bekommt man in Hannover in jedem Jahr wieder Dinge zu sehen, die man vorher nicht kannte, oder sich womöglich nicht einmal vorstellen konnte. Die verstecken sich freilich immer öfter bei den kleinen Firmen. Als spannend erweist sich beispielsweise immer ein Spaziergang durch die endlosen Reihen asiatischer Kleinstaussteller. Nicht wenige davon präsentieren ihre Produkte auf minimalistischen Messeständen, die aus nicht mehr als ein paar Stühlen, einem Tisch und ein paar Exponaten bestehen. Charmant.
Mindestens ebenso unterhaltsam ist auch ein Streifzug durch das Gelände des jeweiligen Partnerlandes. Diesmal ist es Russland, was einige interessante Einblicke in das technologische Treiben der ehemaligen Supermacht verspricht. Und ebensowenig verzichtbar wäre ein zumindest kurzer Besuch in den Hallen der Forschungsinstitute und Universitäten. Dort waren schon des Öfteren einige der heimlichen Sensationen der Cebit versteckt.
Wetterkapriolen
Ein Phänomen für sich ist auch das Wetter der Cebit. Unter Veteranen ist beispielsweise die Schneekatastrophe von 1987 unvergessen. Damals versank das Messegelände unter einer gut einen Meter dicken Schneedecke. Im vergangenen Jahr hingegen blockierte eine Schneesturm um Hamburg herum die Wege Richtung Süden. Pünktlich um sieben Uhr gestartet, erreichte ich erst viereinhalb Stunden später das Messegelände. Und das ausgerechnet, als ich zum ersten Mal mit dem eigenen Wagen nach Hannover reiste.
Denn soviel muss klar sein, auch wenn es die Messesonderzüge der Bahn nicht mehr gibt: Selbst in einem überfüllten ICE macht die Fahrt zur Cebit mehr Spaß als mit dem Auto, das nahezu unvermeidlich irgendwo auf dem Messeschnellweg im Stau steckenbleibt. Vor allem die vielen Rückfahrten bleiben unvergessen, bei denen sich die stets selben Cebit-Dauergäste im Bistrowagen des letzten ICE in Richtung Hamburg einfinden, um gemeinsam den hektischen Messetag mit einem weniger hektischen Bier zu beschließen und sich darüber auszulassen, welche denn wohl die langweiligste Neuheit der Messe ist.
Das möchte ich auf keinen Fall verpassen. Und deshalb ist für mich schon jetzt sicher: Ganz gleich, was die Messe bringt - im nächsten Jahr werden wir uns wiedersehen, die Cebit und ich.
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Größe allein sagt nur wenig über die Qualität aus. Es muss ein hoher Stand an Qualität erreicht und bewahrt werden. Und auch wenn die Hostessen nett ausschauen mögen, so schmälern sie doch die Professionalität und der Fokus geht [...] mehr...
Die Kistenschieber sind mir egal. Hauptsache, sie schieben schön fleißig. Mit einem Farblaser kann man doch heutzutage nicht mehr viel falsch machen. Wenn ich mir die Preise so ansehe, frage ich mich, ob dazu für den Kunden [...] mehr...
Die Cebit für das Fachpublikum war, ist und bleibt wichtig. Gleichzeitig wird sie für das allgemeine Publikum immer uninteressanter, da die "neueste" Technik immer erschwinglicher, gleichzeitig kurzlebiger und [...] mehr...
Schon wieder ein Brüller! :D Wer behauptet denn, VoIP gibt es erst seit 2007!!!??? DSL: Schön, dass du doch noch eine Innovation innerhalb der letzten 25 Jahre gefunden hast... mehr...
Die CeBIT ist zwar die größte IT-Messe weltweit, wird aber in den wichtigen Ländern der IT-Branche nicht ernstgenommen. Größe und Bedeutung gehen nicht automatisch einher. mehr...
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