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14.03.2007
 

Cebit-Eröffnung

Merkel fordert billigere Internet- und Handytarife

"Sie kriegen mehr Kunden, wenn Sie es billiger machen!" Mit diesen Worten forderte Kanzlerin Merkel bei der Cebit-Eröffnung die IT-Branche zu Preissenkungen auf. Ansonsten geizte sie nicht mit Versprechen: Sie plant einen IT-Gipfel, ein Aktionspaket, Schritte gegen den Fachkräftemangel.

Hannover - "Hightech-Produkte und innovative Dienstleistungen sind das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft", lobte Angela Merkel zum Auftakt der Computermesse Cebit - und fügte sogleich mahnende Worte hinzu: "Dass dies auch in Zukunft so bleibt, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit." Die weltgrößte Computermesse zeigt von morgen an sieben Tage lang die neuesten Trends bei Rechnern, Computerprogrammen, Internet, Multimedia und Telekommunikation.

Bundeskanzlerin Merkel zur Cebit-Eröffnung: "Kurzum, wir brauchen eine Innovationsoffensive"
DDP

Bundeskanzlerin Merkel zur Cebit-Eröffnung: "Kurzum, wir brauchen eine Innovationsoffensive"

Um bei der Informations- und Kommunikationstechnik und anderen zentralen Technologien zur Spitze zu zählen, sei ein Klima nötig, in dem Ideen in Taten und in dem Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte, umgesetzt werden, sagte Merkel. "Kurzum, wir brauchen eine Innovationsoffensive." Mehr als die Hälfte der Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte Deutschlands seien von der digitalen Wirtschaft gesteuert.

Die Bundesregierung habe zugesichert, bis 2009 rund 15 Milliarden Euro zur Technologieförderung bereitzustellen. "Den größeren Teil jedoch muss die Wirtschaft beisteuern. Sie hat rund zwei Drittel der gesamten Forschungsleistungen in Deutschland zu erbringen. Für Ende dieses Jahres kündigte sie ein zweites Gipfeltreffen von Politik und Wirtschaft an. Bei dem ersten IT-Gipfel hatte die Regierung zusätzliche Fördermittel insbesondere für die Forschung zugesichert.

"Sie kriegen Kunden, wenn Sie es billiger machen"

In ihrer Eröffnungsrede zu der High-Tech-Messe rief Merkel die Mobilfunk- und Internet-Branche außerdem auf, ihre Preise weiter zu senken. "Sie kriegen mehr Kunden, wenn Sie es billiger machen", sagte die Regierungschefin in einer Nebenbemerkung vor mehr als 2000 IT-Managern und anderen geladenen Gästen. Die bisherigen Preissenkungen hätten dazu beigetragen, dass Deutschland "auf dem Weg in die moderne Informationsgesellschaft ein ganzes gutes Stück vorangekommen" sei.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan kündigte einen neuen Vorstoß an, um den Mangel an Fachkräften zu überwinden. Erste Maßnahmen dazu sollen im Frühsommer eingeleitet werden. Zurzeit gibt es in der Branche nach Angaben des Fachverbands Bitkom 20.000 offene Stellen, die mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden können.

Für das Cebit-Partnerland Russland sagte der stellvertretende Ministerpräsident Sergej Naryschkin, die Entwicklung der Informationstechnik könnte die bisherige Abhängigkeit Russlands von Öl und Erdgas verringern. Daher sei die Cebit "für unser Land sehr, sehr wichtig". 150 russische Firmen und Institute präsentieren sich auf der Messe im Kreis von mehr als 6000 Ausstellern aus 77 Ländern.

Bitkom warnt vor Bürokratie-Hürden

Der Branchenverband Bitkom appellierte an die Kanzlerin, sich auf europäischer Ebene für einheitliche Rahmenbedingungen und gegen zusätzliche Abgaben etwa für Computer und Mobiltelefone einzusetzen. "Wir brauchen keine weiteren administrativen Hürden und keine bürokratischen Einschränkungen", sagte Bitkom-Präsident Willy Berchtold bei der Eröffnung. Einzelne Länder in der Europäischen Union wollten zum Beispiel Gebühren für Computer oder für den Empfang von Radiosendern per Mobiltelefon einführen. "Nationale Kleinstaaterei führt im globalen Wettbewerb nicht zu Vorteilen", sagte Berchtold.

Zum Auftakt der Messe korrigierte der Verband seine Wachstumsprognose nach oben. Man rechne inzwischen mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent statt wie bisher mit 1,6 Prozent bei Computertechnik, Software, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik - insgesamt also mit 149,1 Milliarden Euro Branchen-Umsatz. Auch für 2008 sei eine Steigerung um erneut zwei Prozent zu erwarten, sagte Berchtold. Die stärksten Wachstumsimpulse gehen von der Software (5,7 Prozent) und von der Unterhaltungselektronik (3,5 Prozent) aus. Bei Computer-Hardware ist der Umsatz wegen sinkender Preise jedoch weiter rückläufig. Schon in diesem Jahr werden Einbußen von zwei Prozent erwartet.

Die Cebit fällt in diesem Jahr mit 6059 Ausstellern aus 77 Ländern erneut kleiner aus als im Vorjahr. Branchengrößen wie die Handy-Hersteller Nokia und Motorola bleiben in diesem Jahr fern. Die Veranstalter erwarten wie im Vorjahr aber gut 430.000 Besucher.

Im Mittelpunkt der Messe stehen unter anderem schnelle Internet-Dienste für unterwegs, das neue Microsoft- Betriebssystem Windows Vista und auch Unterhaltungselektronik wie flache Fernsehgeräte. Am Rande der Veranstaltung tagen morgen zudem die für Telekommunikation zuständigen Minister der 27 EU-Länder. Die EU-Kommission hofft, bei den Beratungen eine grundsätzliche Einigkeit über die Pläne für eine Absenkung der so genannten Roaming-Gebühren für Telefonate im europäischen Ausland erzielen zu können.

ase/AP/Reuters

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