Wer kennt das nicht: Nach dem Einschalten braucht der PC Minuten, bis er endlich einsatzbereit ist. Während dieser Zeit schaufelt der Rechner Daten von der Festplatte in den Arbeitsspeicher und bearbeitet diese Informationen mit seinem Prozessor. Doch mit dieser "Bill-Gates-Gedenkminute" könnte es eines Tages vorbei sein. Forscher der Universität Würzburg haben einen Datenspeicher entwickelt, der die Eigenschaften von beiden Systemen vereint. Zudem behält er die Daten auch nach dem Ausschalten in seinem "Gedächtnis".
"Solche Speicher würden das Hochfahren des Computers nach dem Einschalten unnötig machen", sagt Katrin Pappert. Die Physikerin entwickelte den schnellen Speicher gemeinsam mit Kollegen im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Physikalischen Institut der Uni Würzburg.
Mit ihrer Erfindung könnte man an jedem Morgen sofort dort am Rechner weiterarbeiten, wo man am Vortag aufgehört hat. Herkömmliche Materialien würden so etwas nicht ermöglichen. "Wir arbeiten mit sogenannten ferromagnetischen Halbleitern", erklärt die Physikerin. Die seien, so Pappert, in der Lage, Informationen durch ihre Magnetisierungsrichtung zu speichern - ganz so, wie es bei Festplatten geschieht. Festplatten basieren jedoch auf ferromagnetischen Metallen, die sich nicht in Computerchips integrieren lassen.
Die von Pappert verwendeten Gallium-Mangan-Arsenid-Halbleiter hingegen seien grundsätzlich in Mikrochips einbaubar. Das allerdings auch nur dann, wenn man sie in Form winzigkleiner Streifen von nur 100-Millionstel Millimetern Breite in die Chips einbringt. Erst dann, so Pappert, zeigt das Material die gewünschten Eigenschaften. Bei ihrem Prototyp ordnete die Physikerin jeweils zwei solcher Streifen in einem rechten Winkel zueinander an. So ließen sich vier unterschiedliche Magnetisierungen, also Informationen, speichern.
Dass auf Papperts Entwicklung basierende Speicherchips allerdings in absehbarer Zeit auf den Markt kommen, halten die Forscher selbst für unwahrscheinlich. Das Hauptproblem liege darin, dass die von Pappert genutzte Gallium-Mangan-Arsenid-Mischung erst bei Temperaturen von minus 270 Grad Celsius das gewünschte Verhalten an den Tag legen. Dennoch ist sie optimistisch, dass man einen Weg finden wird, das Funktionsprinzip auch bei normaler Raumtemperatur anzuwenden. Dies sei jedoch nicht die Aufgabe ihrer Arbeit gewesen. "Wir haben nur demonstriert, dass es funktioniert", sagt Pappert. Aus ihren Erkenntnissen eine anwendbare Technologie zu machen, sei jetzt anderen überlassen.
Doch bis die so weit sind, muss man wahrscheinlich nicht warten. Bereits jetzt statten Hersteller wie Dell einige Notebooks mit sogenannten Flash-Festplatten aus. Die bieten ähnliche Vorteile wie Papperts Super-Speicher, sind allerdings noch sehr teuer und bislang nur mit geringen Kapazitäten erhältlich. Aber Preis und Leistung können sich in der IT-Industrie bekanntlich sehr schnell ändern.
mak
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