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23.07.2007
 

Umweltschonende Rechenzentren

"Wer jetzt nicht grün wird, kommt unters Rad"

Die Debatte um den Klimawandel erhöht den Druck auf Hardware-Hersteller: Der Kunde fordert stromsparende Server und Speichermedien. Cisco-Geschäftsführer Michael Ganser im SPIEGEL-ONLINE-Interview über Missstände und Zukunftskonzepte in der grünen Informationstechnologie.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland gibt es rund 50.000 Rechenzentren. Diese verbrauchen 8,67 Terawattstunden Strom, stoßen 5,6 Millionen Tonnen CO2 aus. Bis 2010 werden es 8,5 Millionen Tonnen sein. Ist IT der neue Klimakiller?

Ganser: Einerseits ja, schon alleine dadurch, dass immer mehr Hardware im Umlauf ist. Laut einer Studie geht Ende 2008 der milliardste Computer über die Ladentheke. Serverbasierte Netzwerke werden in immer mehr Bereichen zu zentralen Informations-Drehkreuzen.

SPIEGEL ONLINE: Und andererseits?

Ganser: Andererseits wird gerade die IT-Branche langfristig mehr Lösungsansätze für ökologische Herausforderungen bereitstellen können als irgendeine andere Branche.

SPIEGEL ONLINE: Umweltschonende Informationstechnik ist ja schwer in Mode. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe.

Ganser: Der Druck auf die Hardware-Hersteller, energieeffiziente Technologie zu produzieren, wächst. Schon heute ist der zweitgrößte Kostenblock in Rechenzentren der Energieverbrauch. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden sich Energiekosten mehr als verdoppeln. Die Stromkosten aller deutschen Rechenzentren belaufen sich auf rund 610 Millionen Euro pro Jahr; bis 2010 steigen die Kosten voraussichtlich auf 910 Millionen.

SPIEGEL ONLINE: Energieeffiziente Lösungen sind auch bitter nötig. Derzeit sind Server im Schnitt nur zu 15 Prozent ausgelastet. Der Rest der verfügbaren Ressourcen verpufft im Leerlauf.

Ganser: Es gibt zwei Lösungsansätze, um die Auslastung der Rechenzentren zu erhöhen: Die Zusammenlegung mehrerer Rechenzentren an einem zentralen Standort und die Nutzung sogenannter virtueller Server.

SPIEGEL ONLINE: Die funktionieren wie genau?

Ganser: Auf einem physischen Laufwerk werden mehrere virtuelle Server angelegt. Diese ermöglichen es, ein und dieselbe Hardware für mehrere Zwecke gleichzeitig zu nutzen. Bislang galt in den meisten Fällen das Prinzip: ein Server, eine Aufgabe - was hochgradig ineffizient ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Auslastung wollen Sie durch Bündelung und Virtualisierung erreichen?

Ganser: Die Server-Effizienz soll von 15 auf 70 Prozent gesteigert werden, die Auslastung von Speichermedien von 30 auf 70 Prozent.

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SPIEGEL ONLINE: Warum nicht gleich volles Rohr, 100 Prozent?

Ganser: 70 Prozent ist ein Mittelwert. In Einzelfällen kann die Auslastung deutlich höher liegen. Permanentes Arbeiten am Anschlag würde die Lebensspanne der Hardware allerdings deutlich verkürzen - die Hardware ereilte zu schnell der Tod durch "Hertz-Stillstand". Es ist wie beim menschlichen Puls: Der liegt bei gesundem Training ja auch nur bei 60 bis 80 Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Die Serverparks großer Unternehmen hatten jahrelang einen ungesund niedrigen Puls: 15 Prozent. Die Unternehmen zahlten ohne zu murren die Stromrechnung.

Ganser: Vielen Unternehmen ging es in den vergangenen Jahren zunächst darum, sich eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen. Hier entstanden zahlreiche Insellösungen. Durch die Umweltdiskussion rückt nun das Thema Kosteneffizienz in den Vordergrund. Die meisten haben gerade erst angefangen, ihre Infrastrukturen zu optimieren. Sicher ist: Die verschwenderischen Zeiten sind vorbei. In Zukunft geht es in der IT um Transparenz in der Energieeffizienz.

SPIEGEL ONLINE: Die Energieeffizienz hätten Hardware-Hersteller doch schon vor Jahren verbessern müssen. Hand aufs Herz: Wie lange lag das Konzept der virtuellen Server in der geschlossenen Schublade?

Ganser: Wir haben die Hardware-Architektur, um Netzwerke effizienter zu machen, erst entwickeln müssen; daraus entstand dann das Konzept der virtuellen Server. Und auch das ist nicht aller Weisheit letzter Schluss. Auch heute sind IT-Infrastrukturen noch in vielen Punkten komplizierter als sie sein müssten. Unsere Aufgabe wird es sein, die Technik weiter zu straffen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem: Hätte man die Probleme nicht schon eher angehen können - und hat es nur nicht getan, weil der Öffentlichkeitsdruck fehlte?

Ganser: Definitiv nein. Die notwendigen Bandbreiten für virtuelle Server gibt es erst seit kurzem. In der Vergangenheit war es technisch nur möglich, gezielt einzelne Komponenten zu optimieren. Solche punktuellen Lösungen hat auch Cisco schon immer entwickelt.

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