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Umweltschonende Rechenzentren "Wer jetzt nicht grün wird, kommt unters Rad"

2. Teil: Home-Server und hochauflösende Videokonferenzen - wie die neuen Informationstechnologien unser Konzept von Mobilität verändern.

SPIEGEL ONLINE: Im Silicon Valley sind die Investitionen in "saubere Technologien" nach Angaben der Research-Gruppe Joint Venture/Silicon Valley Network im vergangenen Jahr von 34 Millionen Dollar auf fast 300 Millionen Dollar gestiegen.

Leibniz-Rechenzentrum an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Der Energiehunger der Serverparks nimmt rasant zu
DPA

Leibniz-Rechenzentrum an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Der Energiehunger der Serverparks nimmt rasant zu

Ganser: Durch die Klimawandel-Debatte wird grüne IT für viele Unternehmen zu einem wichtigen Kosten- und Image-Faktor. Und für die IT-Branche zu einem riesigen Markt. Viele Unternehmen versuchen, den Zeitgeist für sich zu nutzen, Produkte, zu platzieren Schlüsselpositionen zu besetzen. Die Devise lautet gewissermaßen: Wer jetzt nicht grün wird, kommt unters Rad.

SPIEGEL ONLINE: Auf der diesjährigen Ifa präsentieren gleich mehrere Anbieter Server für den Privatgebrauch. Auch im Verbrauchermarkt, heißt es, werde die Nachfrage nach Servern mittelfristig steigen.

Ganser: Absolut. In ein paar Jahren werden Verbraucher dank Home-Server-Technologie überall auf die eigenen Daten und Programme zugreifen können - egal, ob Sie am Desktop sitzen, am Laptop oder am Mobiltelefon. Hinter diesem neuen Absatzmarkt wird ebenfalls eine umweltschonende Infrastruktur stehen.

SPIEGEL ONLINE: Mit "TelePresence", einem System für hochauflösende Videokonferenzen, will Cisco Geschäftsreisen überflüssig machen. Doch Videokonferenzen sind ein alter Hut, Videokonferenzräume in vielen Unternehmen chronisch unterbelegt. Glauben Sie wirklich, das mit schärferen Bildern ändern zu können?

Ganser: Hochauflösende Videoübertragungen ermöglichen eine verlustfreie Kommunikation. Wenn ich Interviews oder kritische Kunden- oder Personalgespräche führe, habe ich das Gefühl, mein gegenüber zu 100 Prozent zu erfassen. Das wird die Einstellung vieler zu dieser Technik verändern.

SPIEGEL ONLINE: In welchen Bereichen wollen sie TelePresence einsetzen?

Ganser: Die Möglichkeiten sind unbegrenzt: Wenn der Filialleiter einer Bank einen Kunden berät, kann er mittels TelePresence einen Finanzexperten lebensgroß hinzuschalten. Der klärt dann mit dem Kunden Detailfragen. Einige unserer Kunden denken inzwischen sogar darüber nach, in der Kantine TelePresence-Monitore zu installieren, um nach der Videokonferenz noch zusammen mit London und Berlin Kaffee trinken zu können.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt aber Gesprächssituationen, die sind ohne Stallgeruch nur schwer vorstellbar. Wer will schon Vorstellungsgespräche via Videokonferenz abwickeln und jemanden auf dieser Grundlage einstellen?

Ganser: Das tun wir bereits! Aus ganz pragmatischen Gründen: Wenn wir einen Mitarbeiter für eine europäische Funktion suchen, können wir entweder quer durch Europa reisen, alle Executives am selben Tag nach London einfliegen lassen - oder wir können die Verhandlungen per Videokonferenz führen. Wir haben uns für letzteres entschieden. Und es funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen eigentlich Air Berlin oder die Bahn dazu, dass sie Leute dazu bewegen wollen, weniger zu reisen?

Ganser: Da ergeben sich in der Tat interessante neue Konkurrenzsituationen. Das Reiseaufkommen steigt aber ohnehin rapide. Kommunikationsmittel, mit denen man sich unnötige Reisen spart, sind da doch ein guter Ausgleich.

Das Interview führte Stefan Schultz

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