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Telefon-Software Skype Das Schreckgespenst der Telekoms

2. Teil: Keine Verbindung möglich

Die Folgen bekommt jeder Skype-Nutzer zu spüren, sobald er Freunde außerhalb der Skype-Welt kontaktieren will. Mit anderen Instant Messengern, etwa IRC, AIM oder iChat, versteht sich Skype nicht. Verbindungen in die Außenwelt klappen höchstens auf Umwegen mit spezieller Software, wobei Skype trotzdem parallel laufen muss.

Wegen des Skype-eigenen IP-Telefonie-Protokolls sind Telefonate zwischen zwei Surfern, die mit Headset am PC sitzen, nur kostenlos, falls beide Skype nutzen. Sobald einer mit einem anderen Protokoll telefoniert, kann ein Gespräch nur über den Umweg des Festnetzes aufgebaut werden – und kostet Geld.

Bei Skype verkauft man das proprietäre Protokoll natürlich nicht als Kontakthindernis, sondern als nützliches Feature. Man wolle den Nutzern größtmögliche Sicherheit etwa vor Spoofing bieten, sagt Firmengründer Zennström. Dies sei mit einem geschlossenen Protokoll einfacher. Außerdem sei so der Schutz von Firmengeheimnissen möglich. Dazu dürften unter anderem die von Skype entwickelten Audiocodecs zur Sprachkompression gehören, auf die man in Tallinn besonders stolz ist.

Keine Rücksicht auf andere nötig

Ein echter Vorteil für Skype ist, dass die eigenen Entwickler keine Rücksicht auf Standardisierungsgremien nehmen müssen. Wenn die Programmierer eine neue Funktion ersinnen, dann tun sie das einfach und müssen nicht auf Kompatibilität zu anderen Protokollen achten.

Das alles mag stimmen und auch zum Erfolg von Skype beigetragen haben, wie natürlich auch die simple Bedienung. Doch der entscheidende Punkt, warum Skype ein geschlossenes Protokoll vorzieht, dürften die Nutzer sein. "Wer weggeht, verliert seine Kontakte", sagt Zennström überraschend direkt und betont: "Der Netzwerkeffekt ist sehr stark." Der Skype-Gründer hält dies für einen Punkt, der dafür spricht, dass das Unternehmen auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Kommunikationsgeschäft spielt.

Man könnte es auch anders formulieren: Skype hat seine Nutzer mit Gratistelefonaten angefüttert und hält sie nun als Geiseln des proprietären Protokolls fest. Wer weg will, sollte sich dies vorher genau überlegen.

Gefangen in der DRM-Falle

In einer ähnlichen Situation befinden sich iPod-Besitzer, die sich massenhaft Musik in Apples Music Store gekauft haben. Weil Apple einen eigenen Kopierschutz für die Musiktitel benutzt und diesen nicht an andere MP3-Hersteller lizenziert, lässt sich die Kaufmusik nur mit einem iPod anhören. Das fördert natürlich den Absatz der Apple-Player: einmal iPod, immer iPod. Nur wer die Kaufmusik auf CD brennt und anschließend wieder als MP3 rippt, kann das lästige DRM unter leichten Qualitätseinbußen loswerden.

Immerhin hat man bei Apple erkannt, dass der Kopierschutz ein großes Ärgernis ist, der nur alle ehrlichen Kunden bestraft. Erste Titel aus dem Emi-Katalog werden bereits DRM-frei gegen einen Aufpreis verkauft. Vielleicht ja bald auch der gesamte Katalog?

Eine solche Entwicklung ist bei Skype derzeit (noch) nicht abzusehen. Immerhin haben die Programmierer aber schon hautnah miterlebt, wie schnell eine extrem populäre Software abstürzen kann. Tallinn und Ahti gehören zu den Entwicklern von Kazaa, jener Tauschbörsensoftware, die Zennström und sein dänischer Geschäftspartner Janus Friis schließlich wegen des immer größeren Drucks der Musik- und Filmindustrie verkaufen mussten.

"Wir haben viel von Kazaa gelernt", sagt Ahti. "Es war definitiv eine nützliche Erfahrung." Mal schauen, was für Erfahrungen er und sein Kollege Tallinn noch mit Skype machen werden.

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