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27.08.2007
 

Raumklang kompakt

Surround-Sound aus einer Box

Von Gregor Wildermann

Das mit Boxen gepflasterte Wohnzimmer hat ausgedient: Zahlreiche Anbieter setzen auf Soundsysteme, die mit nur einem Lautsprecher Rundumklang erzeugen können. Weitere Ifa-Neuheiten: Raumklang im Pyramidengehäuse und Miniboxen zum An-die-Wand-Clippen.

Im Logo der Internationalen Funk-Ausstellung (Ifa) schießen dem stilisierten Kopf Pfeile in Augen und Ohren. Dabei war in den letzten Jahren auf der Berliner Messe in punkto Innovation vor allem der sehende Mensch gefragt. Nach der Markteinführung der Full-HD-Fernseher ist aber optisch kaum noch ein Quantensprung zu machen.

Da wundert es nicht, dass unser Knorpelanhängsel namens Ohr wieder mehr in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Wenn Daniel Craig als James Bond von links nach rechts auf einem Kranausleger tänzelt oder Bruce Willis als John McLane von einer rasend schnellen Rakete gejagt wird, soll dies nun auch ohne Surroundboxen-Wald zu Hause hörbar sein.

Denn dieses Jahr gibt es auf der Ifa diverse Neuvorstellungen, bei denen die Hersteller versuchen, mit möglichst wenig Hardware für das "Home Theatre" ein Klangerlebnis zu erschaffen, das bisher nur von aufwendigen und teilweise extrem hässlichen 5.1- oder 7.1-Surround-Systemen bewältigt werden konnte. Das Zauberwort für den leicht gefälschten Raumklang in Großkinodimension heißt Klangprojektion.

Mittels dieser passt der Lautsprecher die Klangausrichtung an die räumlichen Gegebenheiten an, sendet Klänge in verschiedene Richtungen aus, diese werden von umliegenden Wänden reflektiert und erreichen den Zuhörer so von überall her aus der Tiefe des Raums. Wie beim Billard werden Klänge über die Bande gespielt - auf der Ifa gleich von mehreren Anbietern.

Loewe versus Yamaha

Das deutsche Unternehmen Loewe präsentiert mit dem "Individual Sound Projector" ein System, das mit verschiedenen gewinkelten Kleinstboxen auf einer kompakten Leiste arbeitet. Die Grundidee ist clever und genial zugleich, denn abgesehen vom gesparten Platz nutzt das System konsequent die Faulheit potentieller Käufer aus: Durch eine automatisierte Raumeinmessung stellt sich der Lautsprecher auf den individuellen Sitzpunkt des Homo Sapiens ein.

Das System soll für Räume mit bis zu 60 Quadratmetern vergleichbaren Raumklang bieten und kalkuliert dabei auch herumstehende Möbel und sonstige Hindernisse ein. Zusätzlich können zwei vorprogrammierte Klangfelder, sieben Cinema-Programme sowie zwei Modi für Klangstimmungen abgespeichert werden. Beim System der Kronacher Firma wird allerdings auch der Geldbeutel des Käufers fast so geschröpft, als kaufe er eine größere Surroundanlage: Mit 1400 Euro ist die platzsparende Leiste sicherlich keine Spontananschaffung.

Eine grundsätzlich neue Erfindung ist der "Sound Projector" übrigens nicht. Bahnbrechende Technologien auf diesem Gebiet waren das "Acoustic Wave Music"-System von Bose sowie Bang & Olufsens Kompakt-Audiosystem "Beosound 1"; beide lieferten allerdings nur Stereosound. Vor drei Jahren stellte Yamaha dann auf der Ifa ein erstes, gut 80 Zentimeter breites Surroundsystem vor und verkauft seitdem die YSP-Modellreihe zu Preisen ab 800 Euro.

Zwischen Loewe und der japanischen Firma Yamaha gibt es einen Kooperationsvertrag, bei dem das Grundkonzept des Gerätes von Loewe entliehen wurde. "Neben der gestalterischen Anpassung haben wir allerdings das System auf unsere Fernbedienungen und die Möglichkeit der drehbaren Fernseher angepasst", sagte Roland Raithel, Pressesprecher von Loewe. "Die individuelle Einmessung war als Weiterentwicklung sehr wichtig, da nur so ein funktionierendes Surrounderlebnis gewährleistet wird."

Auf der aktuellen Funkausstellung wird Yamaha den neuesten Sound Projector unter dem Namen YSP-4000 vorstellen. In diesen sind 42 eingebaut, wodurch das Gerät Klänge auch über die Decke zum Hörer spiegeln kann. Dazu verfügt das Gerät beim bisherigen Listenpreis von rund 1800 US-Dollar noch über zwei HDMI-Schnittstellen und HD-Upscaling für bessere Bildqualität.

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