ThemaLinuxRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Computerchips Intel macht Linux mobil

2. Teil: Echte und falsche Kerne

Ein heftiges Hin und her kennzeichnet derzeit die Frage, wie viele Prozessorkerne man für einen guten Computer heute und in Zukunft brauchen wird. Intel ist hier längst in Vorlage gegangen, bietet Reihenweise Doppelkern- und Vierkern-CPUs an.

Die seien aber geschummelt, so Konkurrent AMD vor kurzem. Schließlich bestünden Intel Vierkern-Modelle eigentlich aus jeweils zwei Doppelkern-CPUs, die sich jeweils einen gemeinsamen Pufferspeicher teilen müssen. AMDs "Barcelona"-Prozessor hingegen, der erst vor knapp zwei Wochen vorgestellt wurde, verfügt über vier "echte" Kerne, die eigenständig agieren können und jeweils einen eigenen Zwischenspeicher besitzen.

Quadcore-Notebooks

Ungeachtet dessen legte Intel nun nach und kündigte nicht nur an, schon 2008 Notebookprozessoren mit vier Kernen verkaufen zu wollen. Stattdessen werde man auch Desktop-CPus mit acht Kernen anbieten. Mit denen soll überdies die noch aus Pentium-Zeiten bekannte Hyperthreading-Technologie wiederbelebt werden.

Die gaukelt dem Betriebssystem für jeden Prozessorkern zwei virtuelle Prozessoren vor. Mit diesem Trick sollen mehrere Aufgaben parallel abgearbeitet, die Prozessorauslastung optimiert und die Geschwindigkeit erhöht werden.

AMD legte daraufhin ebenfalls nach und kündigte für Anfang 2008 den ersten Triplecore-Prozessor mit drei Kernen an.

Eins, zwei, drei oder vier?

Dabei ist die Frage, ob mehr Kerne auch wirklich mehr Leistung bringen zumindest im Heimbereich nicht immer mit einem "Ja" zu beantworten. Denn die große Mehrheit aktuell verkaufter Programme ist nur für Prozessoren mit einem Kern geschrieben, nutzt also bei Vierkern-Prozessoren auch nur einen der angebotenen Kerne, während sich die drei übrigen gemütlich zum Skat zusammensetzen können.

Erst sogenannte Multithreaded Software, die ihre Rechenprozesse aufteilen und parallel von mehreren Kernen abarbeiten lassen kann, wird wirklich schneller. Noch aber ist solche Software selten. Einige professionelle 3D-, Bildbearbeitungs- und Musikprogramme nutzen die Fähigkeiten aus. Die ersten Mehrkern-fähigen Spiele gehören noch zu den Exoten im Angebot.

Immerhin: Die gefühlte Geschwindigkeit beim Umgang mit dem Betriebssystem und mehreren Programmen gleichzeitig, ist auf Mehrkernsystemen höher als auf solchen mit nur einem Prozessorkern.

Streit um Energieeffizienz

Mindestens ebenso wichtig wie die Frage, wie viele CPU-Kerne denn nun glücklichen machen, nehmen die beiden Kontrahenten derzeit den Streitpunkt, wie die Energieeffizienz von Prozessoren zu messen und zu bewerten sei. Im Rahmen der CO2-Diskussion sowie aufgrund der steigenden Energiekosten, die Rechenzentren aufs Portemonnaie schlagen, treten gerade bei Servern die Energiekosten zunehmend in den Vordergrund.

Bislang wurde hierfür stets die sogenannte Thermal Design Power (TDP), die maximale Verlustleistung in Watt angegeben. Ein Wert, der beispielsweise wichtig ist, um die Kühlkörper passend zu dimensionieren.

Die TDP-Angabe sei aber unrealistisch, weil eine CPU im Normalbetrieb nur sehr selten an diese Belastungsgrenze stößt, so AMD. Eben darum hat man sich hierfür eine neue Messgröße ausgedacht, die Average CPU Power, kurz ACP. Diese durchschnittliche Leistungsaufnahme des Prozessors will AMD "bei einer Belastung mit typischen und relevanten, kommerziell sinnvollen Aufgaben bei hoher Beanspruchung" messen.

TDP oder lieber ACP?

Das hat für AMD erstmal den Vorteil, dass die ACP-Zahlenwerte deutlich niedriger liegen als die sonst üblichen TDP-Angaben, welche die maximale Stromaufnahme des Chips angeben. Und die Angabe, dass ein Prozessor eine ACP von 55 Watt hat, hört sich doch gleich viel netter an als ein TDP von 95 Watt, die dasselbe Modell möglicherweise aufweist. Ganz mag sich der Hersteller aber dann doch nicht von der Vergleichbarkeit verabschieden und listet in seinen Datenblättern daher weiterhin zusätzlich die TDP auf. Dass Intel diesem Vorbild folgt, ist vorerst kaum anzunehmen.

So sorgt das Gerangel der beiden Platzhirsche im PC-Markt weiter dafür, dass es für die Kunden immer schwieriger wird, sich beim PC-Kauf an Datenblättern zu orientieren. Die Angabe einer Taktfrequenz verliert zunehmend an Bedeutung. Wichtiger scheint die Zahl der Prozessorkerne zu werden. Das aber auch nur dann, wenn die verwendete Software mit den vielen Kernen auch umzugehen weiß.

Unnötiges Gerangel

Warum Intel und AMD sich dieses alljährliche Hauen und Stechen liefern, bleibt allerdings ebenso unklar. Denn während Intel weiterhin vollkommen unangefochten die Nummer 1 der Chipproduzenten bleibt, ist AMD jüngsten Angaben des Marktforschungsunternehmens IDC zufolge nicht einmal mehr unter den Top Ten der Halbleiter-Hersteller vertreten. Dort tummeln sich vielmehr Firmen wie Samsung, Texas Instruments und Toshiba.

Deren Milliardenumsätze hängen freilich nicht an Prozessorkernen. Vielmehr machen diese Firmen ihr Geschäft mit all jener Halbleitertechnik, die so oft unbeachtet, weil unsichtbar bleibt. Sie stellen Speicherchips, Controller und vor allem sogenannte Embedded-Prozessoren her, die uns vom Autoradio bis zum TV-Gerät im täglichen Leben begleiten - nur eben nicht so prominent wie die Vorzeigeprodukte von Intel und AMD.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Tech
alles zum Thema Linux

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP