Von Stefan Schultz
Auf einem Wertstoffhof in Dortmund steht ein dunkelgrüner Container. Er ist etwa drei Meter hoch, bauchig, in seinem Inneren riecht es leicht metallisch. Monitore lagern hier, Fernseher, Tastaturen - und vor allem Computer. Heile, die ihren Besitzern schlicht zu langsam waren, und kaputte, die der Hertz-Stillstand ereilte. Jeden Tag von neun bis fünf tragen Verbraucher in dem dunkelgrünen Technik-Friedhof ihre Geräte zu Grabe.
Auf Neudeutsch heißt der Elektroschrott, der hier gesammelt wird, WEEE: Waste Electrical and Electronic Equipment. Seit März 2006 dürfen Fernseher, Computer oder Mobiltelefone nicht mehr im Hausmüll landen. Die Elektroschrottverordnung verpflichtet Computerhersteller dazu, den WEEE der Endverbraucher kostenlos zurücknehmen und die Entsorgung zu finanzieren. Rund 1600 dunkelgrüne Container stehen zu diesem Zweck über die Republik verteilt auf kommunalen Sammelstellen.
Der Container in Dortmund ist fast voll, bei der Firma Omnico geht ein Auftrag ein. Binnen 48 Stunden kommt ein Laster zur Sammelstelle und holt den Container ab. Die Omnico ist der Recycling-Partner des Computerherstellers Dell. Mit ihrem Partner, der Elektro-Geräte Recycling GmbH (EGR), entsorgt sie jährlich 74.000 Tonnen WEEE.
Die Leichenfledderer
Im Ruhrgebiet liegt zwischen Essen und Dorsten die Stadt Herten. Am Stadtrand liegt das Hauptquartier der EGR. Mehrere dunkelgrüne Container stehen vor dem Gebäude, bis zu zehn pro Tag werden angeliefert. Durch eine weiße Sicherheitstür gelangt man ins Innere einer langen, staubigen Lagerhalle.
Drinnen waten zwei Männer mit grünen Latzhosen, Staubmaske und Schutzbrille durch den knöcheltiefen E-Schrott. Computer, Fernseher, angegilbte Monitore liegen zwischen Wasserpfützen verstreut. Mittendrin im Schrott finden sich ein blaues Spielzeugauto und die Tastatur eines C-64.
Weiter hinten in der Halle bohrt sich ein Akkuschraubenzieher jaulend in einen Computertower. Hände in Arbeitshandschuhen rupfen einem auf der Seite liegenden Rechner die Eingeweide heraus - Kabel, Schrauben, CD-Rom-Laufwerke lösen sich krachend aus dem Gehäuse. Zwei andere Hände zerbrechen einen Drucker, um die Patronen herauszubekommen. Einzelteile landen donnernd in dunkelblauen Körben.
"In dieser Halle findet die händische Demontage der Geräte statt", erläutert Marc Affüpper, der Geschäftsführer der EGR. "Einzelteile werden hier für den Schredder vorsortiert. Sortenreine Materialien wie Metalle oder Kunststoffe können an dieser Stelle bereits separiert und dem Rohstoffkreislauf wieder zugeführt werden."
Das Giftlager
Giftige Komponenten werden in der Demontage entfernt und gesondert entsorgt. Nickel- und cadmiumhaltige Batterien sammelt die EGR in blauen Tonnen und leitet sie an die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien weiter, Bildröhren befreien die Arbeiter von ihrer schwermetallhaltigen Leuchtschicht.
Von der Decke hängt an einem gekräuselten Kabel ein Vakuumheber herab. Ein Mann in Latzhose greift danach, zischend saugt sich der Kran an einem Fernseher fest und wuchtet ihn auf ein ratterndes Fließband.
"Viele Geräte, die hier einlaufen, sind noch funktionstüchtig", sagt Affüpper. "Aber Flatscreens lösen eben Röhrenfernseher ab, und alte Rechenkisten müssen Laptops und schnellen, leisen PC-Boliden weichen." Die Leute kaufen sich neue, bessere Geräte und werfen die alten weg. In der langen Halle in Herten wird die Evolution der Technik sichtbar.
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