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Computer-Recycling Das Tal der toten Technik

2. Teil: Die Schrotthügel

Sind die Technikkisten demontiert, kommt wieder ein Laster, lädt sich das Stückwerk schnaufend auf den Rücken und fährt damit weiter Richtung Bergkamen, zur Schutthalde der Metall + Recycling GmbH, einem 80.000-Quadratmeter-Areal, auf dem sich WEEE zu meterhohen Haufen türmt. 100.000 Tonnen Schrott verarbeitet die Metall + Recycling GmbH jährlich.

Am Rand des Geländes ragt ein hoher Schrotthügel aus Plastik- und Kunststoffkomponenten in den Bergkamener Himmel. Ein Bagger fährt an seinen Kamm hinauf und schaufelt neue PC-Gehäuse gegen den Hügel. Einzelteile rollen herunter wie loses Geröll, Tastaturen, PC-Gehäuse, Computermäuse knirschen unter den geriffelten Reifen des Baggers.

"IT- und Elektromüll besteht etwa zur Hälfte aus Plastik und Kunststoff", erläutert Jürgen Ostwald, Prokurist der Metall + Recycling GmbH, ein kerniger Mann mit kurzen Koteletten und wachen Augen. Damit ist die Kunststoff- und Plastikaufbereitung der Schlüssel für ein umweltfreundlicheres IT-Recycling.

"Im Recyclingprozess sind Kunststoffteile allerdings besonders schwer zu trennende Materialien", sagt Ostwald. "Manche Gehäuse sind 20, 30 Jahre alt und enthalten giftiges Cadmium oder krebsauslösende chemische Chlorverbindungen." Der Kunststoff müsse derzeit noch von Hand sortiert werden, die SIMS|Group Ltd, die Mutter der Metall + Recycling GmbH, teste aber gerade ein Verfahren zur vollautomatischen Trennung.

Die Todesklaue

Eine Metallklaue, so groß wie ein Mensch, senkt sich surrend auf den Schrottberg, grabscht hinein und hievt eine Ladung Plastikteile hinüber auf ein Fließband. Ratternd rollen die WEEE-Partikel über das Band, in das Metallmaul eines riesigen Schredders hinein. In das gleichmäßige Rumpeln irgendwelcher Maschinen mischt sich ein spitzes, fräsendes Geräusch.

Ein Mann mit weißem Helm und neongelber Weste steht am Band und passt auf, dass sich die Teile nicht stauen. "Manche Männer, die hier arbeiten, waren vorher Kumpel", sagt Ostwald. Doch die Bergwerke sind inzwischen geschlossen.

Der "Schrottbergbau" wird indes so schnell nicht wieder unprofitabel werden: Die SIMS|Group Ltd. steigerte ihren Umsatz auf dem deutschen Markt zwischen 2004 und 2006 von 40 auf 100 Millionen Euro.

Auslöschung und Wiedergeburt

Geld wird hauptsächlich mit dem verdient, was hinten aus dem Schredder herauskommt: mit Rohstoffen, deren Preise in den letzten Jahren tüchtig gestiegen sind. Um aus E-Schrott wieder Rohstoff zu machen, durchläuft der WEEE auf seiner Reise durch den Schredder verschiedene Trennverfahren: Ein Magnetfeld separiert Metallsplitter von Steinen und Gummi, eine Sink-Schwimm-Vorrichtung trennt schweres Kupfer von leichtem Aluminium, über Farberkennung und komprimierte Luft werden weitere Stoffe fein voneinander getrennt.

Unter einem Gewirr von Rohren und Fließbändern schneien grüne Metallflocken, rote Kupferkörner und grauer Eisenstaub auf verschiedene Haufen. Ostwald greift in den roten Hügel hinein, lässt eine Hand voll Kupferspäne durch seine Finger rinnen und nickt zufrieden. Computer, Monitor, Maus und Tastatur sind wieder zu Rohstoff geworden.

Ein letzter Laster kommt, lädt die roten, grünen und grauen Pulver zischend auf und fährt sie weiter in verschiedene Hütten. Aluminium und Eisen sind rein genug, um direkt eingeschmolzen zu werden. Hersteller können aus dem Rohstoff neue Geräte produzieren, die sich die Leute dann wieder ins Wohnzimmer stellen - der Produktkreislauf beginnt von neuem.

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