Von Frank Patalong
Als die Umweltschutzorganisation Greenpeace im März 2007 erstmals gegen Apple giftete, die Produkte des kultigen Tech-Unternehmens enthielten zu viele Schadstoffe, geschah etwas ganz Unglaubliches: Die Firma, unter Journalisten berüchtigt dafür, Kritik pauschal mit "kein Kommentar" zu beantworten, äußerte sich nicht nur dezidiert zu den Vorwürfen, sie gelobte gar Besserung. Seine "Steveness" Steve Jobs, der charismatische Firmen-Gründer selbst, versprach künftig grünere Äpfel.
Apple-Chef Steve Jobs mit iPhone: Negativ-PR für Apples Prestige-Handy
"Wir haben heute zum ersten Mal über unsere Pläne gesprochen, ein grüneres Apple zu werden", schrieb Steve Jobs im Mai in einem offenen Brief an Greenpeace, Aktionäre und Presse und übte den Kotau: "Wir entschuldigen uns, sie so lange im Dunkeln gelassen zu haben."
Für Licht hatte Greenpeace mit einer Studie gesorgt, die Apple in Sachen Umwelt auf den letzten Platz aller großen Computerhersteller stellte. Jobs gelobte schnellstmögliche Besserung: Neue LED-Displays würden weder Arsen noch Quecksilber enthalten, ab 2008 soll PVC aus Apple-Produkten verbannt werden und bis 2010 wolle Apple doppelt soviele Altgeräte recyceln wie heute. Das klang nicht schlecht und auch Greenpeace applaudierte.
Drohendes PR-Desaster
Was die Umweltschützer jedoch nicht davon abhielt, auch das iPhone unter die Lupe zu nehmen, als dieses Ende Juni als neuestes Apple-Gimmick auf den Markt kam. Jetzt liegt die nächste Greenpeace-Studie vor - und stellt auch dem Kulttelefon, das in Deutschland von der Telekom vertrieben werden soll, ein vernichtendes Zeugnis aus. "Giftige Bromverbindungen und gefährliches PVC" enthalte das neue Handy. Apple, so Greenpeace-Chemie-Expertin Zeina Alhajj, habe damit die Chance verpasst, "das iPhone als ersten Schritt zu nutzen, um Apple-Produkte grüner zu machen".
Natürlich, ist man versucht zu sagen, denn als Apple im Mai die "Green my Apple"-Kampagne ausrief, lagen die iPhones längst zur Auslieferung bereit, die Produktion lief auf Hochtouren. Insofern bekommt Apple hier noch einmal die bereits bemängelten Altsünden um die Ohren.
Das Unternehmen selbst will noch nicht einmal das kommentieren: Wie in den meisten Fällen werden entsprechende Anfragen an Apple freundlich, aber wortkarg zurück gewiesen. Erst als am späten Montagabend das amerikanische Center for Environmental Health Apple eine auf 60 Tage angesetzte Klageandrohung zustellen ließ, reagierte das Unternehmen und verwies darauf, dass Apple mit seinen Produkten innerhalb aller in den USA und Europa vorgegeben Grenzwerte liege.
Gefunden hatten die Grenpeace-Chemiker PVC, Bromide, die bei Verbrennung Dioxine freisetzen können, und Phthalate, die als Weichmacher in Plastik zum Einsatz kommen. Die sind auch in der EU zumindest in Kinderspielzeug verboten und stecken beim iPhone in den Kabeln der Kopfhörer - was wohl das geringste aller Probleme wäre. Groß könnte dagegen der PR-Schaden für Apple ausfallen, wenn es in 60 Tagen tatsächlich zu einer Klage käme.
Der Anlass zur Klage dürfte binnen 60 Tagen aber kaum aus der Welt zu schaffen sein. Insbesondere PVC und bromide Flammschutzmittel finden sich in zahlreichen Tech-Produkten. Apple verwies am Montag erneut darauf, solche Bestandteile "freiwillig bis Ende 2008" aus all seinen Produkten entfernen zu wollen. Mit einer Austauschaktion wäre das - anders etwa als bei den bemängelten Kopfhörerkabeln - innerhalb der gesetzten Frist kaum zu bewältigen. Was dann geschähe, scheint zumindest nach US-Rechtslage klar: Produkte wie das iPhone könnten mit Warnhinweisen vor Giftstoffen und potenziell krebserregenden Bestandteilen versehen werden.
Darauf scheint noch nicht einmal das Center for Environmental Health, eine Unterorganisation des staatlichen Center for Desease Control CDC, ein Interesse zu haben. Gemeinhin, sagte eine Sprecherin der "Macworld", "zielen wir darauf, uns mit den Herstellern auf eine Reduzierung der Nutzung solcher Chemikalien zu einigen. Das wäre auch im Fall Apple unser Ziel."
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