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27.11.2007
 

Raubkopiefahnder

Hatz auf Kleinfirmen?

Die BSA ist der private Fahndungsapparat der IT-Branche gegen raubkopierte Software. Doch die Industriefahnder stehen zunehmend in der Kritik: Angeblich machen sie mit Vorliebe Jagd auf kleine Mittelständler, gefährden mitunter das Überleben der Firmen - und treiben sie zu Open Source.

Washington - Michael Gaertner hatte Angst um seine Firma. Eine Organisation mit dem Namen Business Software Alliance (BSA) hatten ihm einen Brief geschrieben und seinem Architekturbüro in Galveston in Texas, das zehn Menschen beschäftigt, vorgeworfen, illegale Computerprogramme zu verwenden. Er sollte freiwillig 67.000 Dollar - was ungefähr seinem Jahresgewinn entsprach - an Schadenersatz zahlen. Bei einem Verfahren vor Gericht werde es deutlich teurer, hieß es.

Aktuelle BSA-Kampagne: Mittelständische Unternehmen im Visier?
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BSA

Aktuelle BSA-Kampagne: Mittelständische Unternehmen im Visier?

Eine Untersuchung der Nachrichtenagentur AP in den USA kam zu dem Ergebnis, dass die BSA tatsächlich vor allem kleinere Firmen verklagt, wenn es um den Einsatz von Raubkopien geht. Von den 13 Millionen Dollar, die die BSA im vergangenen Jahr in Nordamerika aus Verfahren um Raubkopien einnahm, stammten fast 90 Prozent von kleineren Firmen.

Die BSA begründet dies damit, dass Raubkopien besonders oft in Kleinunternehmen verwendet würden. Kritiker wenden dagegen ein, dass die Lizenzbestimmungen von Software oft so komplex seien, dass nur größere Unternehmen in der Lage seien, diese auch genau zu befolgen. Kleinunternehmen verfügten nicht über die organisatorischen und rechtlichen Mittel, um die Lizenzbestimmung und ihre Einhaltung zu überwachen.

In Gaertners Fall war es so, dass einige Mitarbeiter bestimmte Dateien nicht öffnen konnten und auf eigene Faust nach Lösungen gesucht hatten. Zudem gingen ihm in seinem Büro einige Belege für rechtmäßig erworbene Programme verloren. "Es fehlte uns einfach das Wissen und es war auch schlechte Buchhaltung auf unserer Seite", räumt er ein. Gaertner einigte sich schließlich mit der BSA auf 40.000 Dollar.

Die BSA wurde 1988 gegründet. Sie geht weltweit gegen Raubkopien vor und vertritt dabei die Interessen von Unternehmen wie Microsoft, Adobe Systems, Autodesk, Apple, McAfee, Hewlett-Packard, IBM oder Symantec, deren Programme besonders häufig illegal genutzt werden. Jedes Jahr gibt die BSA drei Millionen Dollar für Lobbyarbeit zum Beispiel im US-Kongress aus, um Einfluss auf die Patentreform oder Gesetze zur Internet-Sicherheit zu nehmen.

Die BSA: Eine mächtige Lobbyorganisation

Die BSA kämpft international gegen Raubkopien, wobei sie dabei auch mit den Regierungen der jeweiligen Länder zusammenarbeitet. In China, wo der größte Teil der eingesetzten Software illegal ist, sank die Rate inzwischen nach BSA-Angaben von 92 Prozent 2003 auf 82 Prozent, was schon als Erfolg gilt. Weltweit liegt die Raubkopienrate den Angaben zufolge bei 35 Prozent, nach 43 Prozent 1996. Den Schaden beziffert die BSA für 2006 auf 40 Milliarden Dollar bei einem Branchenumsatz von 246 Milliarden Dollar.

Am niedrigsten ist die Raubkopienrate nach BSA-Angaben in den USA mit 21 Prozent. Dieser Wert ist aber trotz der teilweise drastischen Klagen seit einigen Jahren nahezu konstant. Dass der Abschreckungseffekt offenbar ausbleibt, führen Kritiker der BSA auch darauf zurück, dass vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist, dass sie Raubkopien verwenden.

Kontraproduktiv: Die BSA ist schlechte PR

Das Vorgehen der BSA mag grundsätzlich gerechtfertigt sein, viele der Betroffenen schwören sich danach aber, nie wieder etwas von den Firmen zu kaufen, wegen deren Software sie belangt wurden. In einem Fall erreichte die BSA, dass der Musikinstrumentenhersteller Ernie Ball 90.000 Dollar bezahlen musste. Kurze Zeit später flatterte den Firmen in der Umgebung eine Werbung von Microsoft ins Haus, in der für günstige Lizenzen geworben und dabei auch daran erinnert wurde, dass es ihnen sonst so ergehen könnte wie Ernie Ball.

Wütend kündigte Firmenchef Sterling Ball daraufhin an, nie wieder Microsoft-Software zu kaufen, "auch wenn wir 10.000 Abakusse kaufen müssen". Und er stellte sein Unternehmen um auf Open-Source-Software, die frei genutzt werden kann. Auch wenn es früher für Firmen oft schwierig oder unmöglich war, auf Alternativen in der freien Software zu setzen, so hat sich dies mit dem technischen Fortschritt geändert.

Auch für Michael Gaertner steht fest, er will mit den Unternehmen, deren Interessen die BSA vertritt, nichts mehr zu tun haben und deren Software nicht mehr verwenden. "Es ist ja nicht so, dass sie wirklich gute Software haben. Sie ist einfach nur weit verbreitet und wird häufig benutzt", sagt Gaertner. "Es dauert vielleicht eine Weile, aber wir wollen uns irgendwann einmal ganz von den Herstellern lösen, die mit der BSA zu tun haben."

Brian Bergstein, AP

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