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07.12.2007
 

Zahlen-Zank

Das bessere Gigabyte

Von Matthias Kremp

Ist ein Gigabyte wirklich ein Gigabyte? Oder unterschlagen die Hersteller bei ihren Angaben stets einige Prozente? In den USA hat ein Rechtsstreit keine Klarheit gebracht. Dabei hätte der Stress vermieden werden können. Längst gibt es eine exakte Maßeinheit für Speichermengen.

Der kleine Unterschied wurde erst zum Problem, als er durch große Zahlen unübersehbar wurde. Jeder, der schon einmal eine neue Festplatte formatiert hat, kennt das: Statt der 500 GB, die auf dem Karton stehen, meldet das Betriebssystem bloß 466. Nicht anders sieht es bei Speicherkarten aus: Statt einem Gigabyte meldet die Digcam nach dem Einlegen der 1-GB-Karte bloß rund 975 MB. US-Verbraucher fühlten sich getäuscht, klagten und siegten - ein bisschen.

Mini-Festplatte: Je höher die Speichermengen, desto größer wird der Unterschied zwischen Herstellerangabe und vom PC berichteter Kapazität
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DPA

Mini-Festplatte: Je höher die Speichermengen, desto größer wird der Unterschied zwischen Herstellerangabe und vom PC berichteter Kapazität

Ihr Vorwurf: Die Hersteller übertreiben bei ihren Kapazitätsangaben, nennen vier bis fünf Prozent mehr als tatsächlich vorhanden. Das fiel früher kaum auf, als man Daten noch auf Disketten mit wenigen hundert Kilobyte speicherte. Je größer jedoch die Einheit, desto deutlicher tritt das Problem zutage. Während die Abweichungen zwischen angegebener und vom Computer gemeldeter Kapazität zu Zeiten der Kilobytes noch im unteren einstelligen Prozentbereich lagen, addieren sich die Fehler bei modernen Festplatten locker auf bis zu zehn Prozent.

Besser zählen mit Gibi und Kibi?

Der Grund: Platten-Produzenten und Computer rechnen in unterschiedlichen Zahlensystemen. Die Hersteller halten sich, völlig korrekt übrigens, an das Internationale Einheitensystem SI (Système international d’unités). Das sieht eine dezimale Zählweise vor. Ein Kilobyte sind demnach 1000 Byte, eine Megabyte 1000 Kilobyte und so weiter. Computer rechnen dagegen im Binärsystem, sehen jede Zahl als eine Potenz von Zwei an. Daraus ergibt sich, dass ein Kilobyte für den Computer 2 hoch 10 Byte, also 1024 Byte sind. Wikipedia rechnet vor, dass sich dieser Unterschied zwischen dezimaler und binärer Zählweise beim Gigabyte auf stattliche 73.741.824 Byte addiert - pro Gigabyte.

Dabei könnte man diese Konfusion problemlos vermeiden, wenn man nur die richtigen Einheiten verwenden würde. Die gibt es längst. Das Problem: Ihre Bezeichnungen klingen so albern, dass sie von niemandem für voll genommen werden. So lautet das Binäräquivalent zum Megabyte schlicht Mebibyte, das zum Gigabyte Gibibyte und das zum Kilobyte Kibibyte. In diesen Einheiten angegebene Speicherkapazitäten entsprechen tatsächlich dem, was Computer und Kameras als Zahlenwert anzeigen. Ein Mebibyte sind also 2 hoch 20 beziehungsweise exakt 1.048.576 Byte.

Den streitsamen US-Konsumenten wird diese Erkenntnis freilich kaum etwas nützen. Ihre Anwälte haben sich mit den beklagten Unternehmen auf einen außergerichtlichen Kompromiss geeinigt. Der sieht vor, dass einige Betroffene eine fünfprozentige Rückvergütung für bereits gekaufte Speicherkarten bekommen und außerdem allen Klägern ein zehnprozentiger Rabatt auf Einkäufe in den Online-Shops der Unternehmen gewährt wird.

Gewonnen haben nur die Anwälte

Mit dieser Einigung waren freilich nicht alle an der Sammelklage beteiligten Kläger einverstanden. Einige monierten, die Entschädigung sei zu lau ausgefallen, betrage nur wenige Dollar. Da hatte man sich offenbar mehr erhofft. Nur einer der Kläger bemängelte überdies, die Anwälte hätten an dem Verfahren zu viel Geld verdient. Eine Ansicht, die durchaus zu verstehen ist. Anders als die Kläger ließen sich deren Rechtsbeistände nicht mit Peanuts abspeisen, kassierten insgesamt 2,38 Millionen Dollar (1,63 Millionen Euro).

Und wirklich geholfen hat der ganze Aufwand niemandem. Denn Speicherkarten- und Festplattenhersteller werden auch künftig ihre Medien mit Gigabyte-Angaben versehen und damit unbedarfte Verbraucher, die sich der Differenzen zwischen Giga und Gibi nicht bewusst sind, in Verwirrung stürzen. Uns kann das jetzt nicht mehr passieren - wir kennen den kleinen Unterschied.

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08.12.2007 von Kapnix:

Hatte das jemand gemacht? Nö ist es nicht, hat schon andere Gründe nur den Signalwechsel und nicht ein vielfaches davon anzugeben, aber geschenkt. Es ist bei Kilo Bit/Byte vs. Kilo Meter, wie bei den lesen von SPon [...] mehr...

08.12.2007 von Poisen82: Zahlenwulst

Es gibt noch andere leute die es schaffen in Pfund, Fuß, Yard(Spann?) zu rechnen. ;) Die 6 Mbit haben schon Ihre berechtigung und ein Mbit mit einem Megabyte oder Megabibyte zu vergleichen ist als wenn man Äpfel mit Birnen [...] mehr...

08.12.2007 von Pablo alto: Vor Gericht und auf hoher See ...

Was kann man schon von Leuten erwarten, denen das Dezimalsystem wesenfremd ist? Wer mit Gallonen, Meilen, 450-Gramm-Pfund, Stone, 1/2-Inch-Schläuchen, Quadratfuß und Acres aufwächst, tut sich hier schwer. Und die Engländer bis vor [...] mehr...

07.12.2007 von franz auer: Namen von Zahlen

Die Frage ist doch nicht, ob es nicht möglich ist, die Vielfachen der Einheit mit Zweier- statt mit Zehnerpotenzen zu bilden. Sondern dass 1024 denselben Namen bekommt wie 1000. Und natürlich gab es Probleme. Ich glaube nicht, [...] mehr...

07.12.2007 von franz auer: Kilofranken

Zumindest in der Schweiz sind "Kilofranken" gebräuchlich. mehr...

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