IT-Sicherheit
Die besseren Phisher
Phishing gehört zu den Web-Betrugsmanövern, die hohen materiellen Schaden verursachen können. Im Grunde aber sind die bisherigen Methoden wenig erfolgreich. Das könnte sich bald ändern - mit Tricks, die nicht auf den Nutzer zielen, sondern auf das DNS-System.
Wie viele Phishing-Mails muss ein Krimineller versenden, bis er mit einer Erfolg hat? Eine gesicherte Antwort darauf gibt es nicht, doch die Zahl dürfte im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen. Kein Problem, denn Spam-Mail ist billig: Jeden Tag landen in unseren Postfächern vorgeblich von Banken, Versicherungen, Kreditkartenunternehmen oder Händlern wie eBay verschickte Mahnungen, die dringend den Besuch einer täuschend echt aufgemachten Webseite verlangen, wo wir unsere PIN- und TAN-Nummern eingeben sollen.
DPA
"Phishing" ist ein Kunstwort aus "Password" und "fishing". Kriminelle angeln dabei in den Weiten des Webs nach Beute - und das sind wir
Nur sehr, sehr wenige Internet-Nutzer tappen in die Falle. Längst hat sich herumgesprochen, dass kein Unternehmen auf der Welt per Mail die Eingabe geheimer Zugangscodes verlangt. Filter- und Phishing-Warn-Systeme von Browserherstellern, die meist auf dem Abgleich von Zertifikaten beruhen und dafür sorgen, dass man entsprechende Warnungen serviert bekommt, senken die Erfolgsquote der Kriminellen weiter.
Ausgefuchster erscheinen da nur die Phishing-Tricks über Spyware und andere Schad-Software, die den Browser bei Eingabe bestimmter Adressen kapern und auf präparierte Fallenseiten umleiten. Doch selbst die haben es schwer, gegen die immer häufigeren Updates von Virenschutz-Software und Adware-Filtern anzukommen.
Doch Phishing hat nach wie vor das Potential, zu einer gewinnträchtigen Betrugsmethode zu werden, glauben IT-Experten von Google und dem Georgia Institut of Technology, die im Februar nächsten Jahres eine Studie zum Thema vorlegen wollen, wie "MacWorld" berichtet.
Die Weiterentwicklung zum "Phishing 2.0" setzt am DNS-System des Internet an: Rund 17 Millionen DNS-Server in aller Welt sind dafür zuständig, die uns so gewohnten Web-Adressen nach dem Muster www.spiegel.de in kryptische Zahlencodes zu übersetzen, die sich hinter diesen Adressen verbergen. Wer Zugriff auf einen DNS-Server hat, kann prinzipiell jeden Nutzer zu jeder Adresse schicken - egal, ob der dort hinwollte oder nicht.
Trend: Attacke auf das Web selbst statt direkt auf die Nutzer
Schon jetzt, behaupten die IT-Experten, dürften rund 68.000 DNS-Server in der einen oder anderen Weise gekapert sein. In Zukunft, so ihre Vorhersage, würden solche DNS-Kidnappings vornehmlich genutzt, um Banking- und Versandkunden zu Betrugsseiten zu schicken, statt zu den eigentlich angewählten Seiten.
Zu machen wäre das ohne große Probleme. Vorgaben in den Netzwerkoptionen eines jeden Rechners legen fest, über welchen DNS-Server er sich seine Wege durch das Netz sucht. Alles, was es jetzt noch braucht, ist eine Schadsoftware, die diese Einstellungen verändert.
Tatsächlich ist diese Technik alles andere als taufrisch: Sie ist das Grundprinzip diverser Ad-Software und Browser-Highjacker, die im Auftrag zahlender, aber windiger Kunden die Webbrowser ganz normaler Internet-Nutzer immer wieder auf obskure Pornoseiten oder mit Werbung vollgekleisterte Blödsinnsangebote lenken, wenn diese eigentlich Google und Co ansteuern sollten. Erst seit relativ kurzer Zeit aber, sagen die IT-Experten, kombinierten die Kriminellen verschiedene Methoden in kreativer Weise.
Die vielleicht gefährlichste Fußangel im Web sind Internetseiten, die unter Ausnutzung von Sicherheitslücken den Rechner eines Internetnutzers mit Schad-Software verseuchen, ohne dass dieser mehr tun müsste, als so eine Seite zu besuchen. Es soll Tausende davon geben. Aktuell wollen viele Seiten den Internetnutzern angeblich nützliche kleine Applets unterjubeln, um beispielsweise MP3s oder neue Video-Codecs nutzen zu können. Einmal auf dem Rechner, sind solche Quälgeister mitunter nur schwer wieder zu entfernen.
Schad- und Spähsoftware
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Wie das
Trojanische Pferd
in der griechischen Mythologie verbergen
Computer-Trojaner
ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten
Backdoor
, einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere
Schadprogramme
nachgeladen werden.
Computerviren
befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in
Tauschbörsen
einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen:
"Root"
ist bei
Unix-Systemen
der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein
Rootkit
ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte
Shell
auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um
Trojaner
,
Viren
und andere zusätzliche
Schadsoftware
über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren
Kompromittierungen
eines Rechners.
Computerwürmer
sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein
Schadprogramm
, das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats,
AIMs
,
P2P-Börsen
und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Unter einem
Drive-by
versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von
Scripten
nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter
Schadcode
Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnets
sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die
Zombiearmeen
werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen
Web-Seiten in die Knie zu zwingen
oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei
SPIEGEL ONLINE)
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um
"falsche Software"
. Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als
Adware-Programme
belästigen sie den Nutzer mit Werbung.
Die perfideste Form aber ist
Ransomware
: Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Ein
Zero-Day-Exploit
nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von
Schadprogrammen
ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
Sogenannte distribuierte
Denial-of-Service-Attacken
(DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
Sicherheit verspricht hier letztlich nur eine Erhöhung der Kompetenz der Nutzer. Gerade DNS-Phishing ist mit Software wie Virenscannern und ähnlichem nicht beizukommen. Um so wichtiger wird die Einhaltung elementarer Sicherheitsprinzipien bei der Bewegung im Netz.
Dazu gehört es, ausführbare Programmdateien ("exe") grundsätzlich niemals sofort ausführen oder installieren zu lassen, Codecs und ähnliches nur von den Webseiten der Entwickler zu beziehen, niemals auf Mails zu reagieren, die die Eingabe geheimer Passworte oder PINs verlangen, Sicherheits-Software stets aktuell zu halten und nicht zuletzt, grundsätzlich niemals mit einem Rechner im Web unterwegs zu sein, in den man mit Admin-Rechten eingeloggt ist: Schadprogramme, die auf einem so offenen System landen, können tiefer abtauchen, Veränderungen auf der Systemebene bewirken und sind schwerer zu bekämpfen.
Eine gut aktualisierte grundsätzliche wie verständliche Einführung in Sicherheitsthemen rund ums Internet hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mit der Webseite
BSI für Bürger aufgebaut. Sich in dieser Hinsicht schlau zu machen, schadet garantiert nicht.
pat
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