Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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04.01.2008
 

Streit um Billigcomputer

Intel steigt bei "One Laptop per Child" aus

Intel zieht sich aus dem Programm "One Laptop per Child" (OLPC) zurück. Der Chiphersteller will parallel zum Hilfsprojekt, das Millionen Kinder in Dritte-Welt-Ländern mit Rechnern versorgen soll, auch einen eigenen Billig-Laptop vermarkten - zum Ärger des OLPC-Chefs Nicholas Negroponte.

Der Streit ist nicht neu, doch es scheint keine Lösung zu geben. Lange hatte sich Intel geziert, überhaupt am Programm "One Laptop per Child" (OLPC) mitzuarbeiten. Im Mai noch hatte der OLPC-Erfinder Nicholas Negroponte erklärt, Intel "sollte sich schämen", weil es mit seinem eigenen Billig-Laptop Classmate seinem Hilfsprojekt "enorm geschadet" habe. Im Juli trat Intel schließlich doch der OLPC-Initiative bei - alles schien sich zum Guten zu wenden - zumindest aus Sicht Negropontes.

Doch die Zusammenarbeit mit Intel währte nur kurz. Nun hat der Chip-Hersteller seinen Ausstieg aus dem OLPC-Projekt verkündet - wenige Tage vor der IT-Messe CES in Las Vegas, auf der möglicherweise der erste OLPC mit Intel-Prozessor vorgestellt worden wäre. Bislang arbeitet in dem Billig-Notebook ein Chip vom Konkurrenten AMD.

Intel begründete seinen Ausstieg bei OLPC mit Differenzen. Man befinde sich in einer "Sackgasse der Philosophien", sagte Intel-Sprecher Chuck Mulloy. Das Unternehmen hält weiterhin an seiner Eigenentwicklung Classmate fest. Der Billig-Laptop soll auch in Ländern angeboten werden, in denen die OLPC-Macher aktiv werden wollen.

"OLPC hat uns gebeten, die Unterstützung für Nicht-OLPC-Plattformen aufzugeben", sagte Mulloy. Dies habe ausdrücklich auch für Classmate gegolten, Intel sollte nach dem Willen des OLPC-Vorstands exklusiv für das Hilfsprojekt arbeiten. "Wir haben schließlich entschieden, dass wir diese Bitte nicht erfüllen können." Und so ist die gerade mal sechs Monate währende Zusammenarbeit zu Ende.

Nicholas Negroponte startete die gemeinnützige Initiative OLPC 2005. Hauptberuflich arbeitet er als Professor am MIT in US-amerikanischen Cambridge. Seine Organisation entwickelte den Prototyp, der gewappnet sein muss für die klimatischen Widrigkeiten verschiedenster Weltgegenden. So gibt es über der Tastatur einen durchgehenden Gummischutz gegen Regen und Staub. Im SPIEGEL-ONLINE-Test machte der Mini-Rechner einen sehr guten Eindruck, sieht man einmal von den extrem kleinen Tasten ab.

Finanziert wird das Ganze über die Regierungen der Länder, die Rechner erhalten, über Spenden – und über eine besondere Initiative: Nordamerikaner können auf www.laptop.org für rund 400 Dollar (etwa 300 Euro) einen OLPC für den Eigenbedarf bestellen und sponsern gleichzeitig einen Mobilrechner für ein Bildungsprojekt in einem Drittweltland. Damit ist der Doppel-OLPC etwa so teuer wie das Linux-Notebook EeePC von Asus.

hda/AP

ONE LAPTOP PER CHILD

Im Januar 2005 startete die Organisation "One Laptop per Child" (OLPC) ihre Initiative mit dem Ziel, Kindern der Dritten Welt bessere Zukunfts- und Bildungschancen zu bieten, indem sie spezielle Laptops im Schulunterricht einsetzen. Namhafte Partner wie der Chip- Hersteller AMD konnten gewonnen werden. Insgesamt sollen in den kommenden fünf Jahren bis zu 100 Millionen Mini- PCs produziert werden. Hergestellt werden die Geräte vom Auftragsproduzenten Quanta.

Der Verkaufspreis soll eines Tages auf 50 Dollar sinken. Derzeit liegt er allerdings bei knapp 200 Dollar pro Stück. Das Gelingen des Projekts hängt davon ab, ob genügend Sponsorengelder zusammen kommen und ob der Vertrieb, etwa in Thailand, Sambia und Nigeria, gelingt. OLPC- Gründer Nicholas Negroponte und seine Mitstreiter bemühen sich derweil darum, das Projekt öffentlichkeitswirksam zu vermarkten und sich mit dem vordringlichen Problem der Wartung zu beschäftigen: Denn trotz aller Stabilität der Geräte können Defekte nur von Fachleuten beseitigt werden.

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