Der Begriff Trotz beschreibt wohl am besten, was die Vertreter der HD-DVD-Allianz derzeit in Las Vegas zur Schau tragen. "Man hat uns schon einmal für tot erklärt", sagte etwa Jodi Sally, bei Toshiba USA für die Vermarktung von digitalen Audio- und Videogeräten zuständig. Toshiba ist eines der führenden Mitglieder des Konsortiums, das mit der HD DVD gegen die unter anderem von Sony unterstützte Blu-ray-Disc antritt. Nach der überraschenden Entscheidung des Hollywoodstudios Warner, sich ganz auf Blu-ray zu verlegen, sieht es nicht gut aus für das HD-DVD-Lager. Nun sind in Hollywood nur noch Paramount und Universal als Unterstützer der HD DVD übrig.
Toshiba jedenfalls will aber weiterkämpfen. Sally sagte bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas: "Es fällt mir schwer, die Kommentare zu lesen, dass HD tot sein soll", und ihr Chef Akio Ozaka fügte hinzu, man sei sehr enttäuscht über Warners Entscheidung, "trotz des bedeutsamen Schwungs, den HD DVD entwickelt hat".
Warner hatte bislang beide Formate parallel unterstützt, nun hat man HD DVD fallen lassen. Die blauen Scheiben verkaufen sich einfach besser, und mit Sonys Playstation 3 (PS3) ist ein Blu-ray-Player ganz nebenbei in viele Haushalte eingezogen. Sally sagte, HD-DVD-Player hätten am 22. Dezember 49,3 Prozent des Marktes für hochauflösende Scheiben für sich beanspruchen können. Dabei unterschlug sie allerdings die PS3 - rechnet man die mit ein, verschieben sich die Prozentsätze deutlich.
Microsoft, das zum HD-DVD-Konsortium gehört, hat für seine Xbox 360 zwar ein externes HD-DVD-Laufwerk im Angebot, setzt aber für die Lieferung hochauflösender Filme bereits auf ein anderes Modell: Über das Spielenetzwerk Xbox Live lassen sich seit Dezember einige Filme direkt auf die Konsole herunterladen und von ihr abspielen - auch in hoher Auflösung.
Die Verteilung solcher Videoinhalte wird dadurch erleichtert, dass sich mit neuen Komprimierungsverfahren hochqualitative Bewegtbilder samt Ton in relativ kleine Dateien verpacken lassen, die in vertretbaren Zeiträumen heruntergeladen werden können. Am Ende könnten sich daher beide HD-Datenträger als kurzlebig erweisen - zumindest, was den Transport von Hollywoodkino angeht. Die Blu-ray-Disc hat in jedem Fall eine Zukunft als Spieledatenträger.
Bei Toshiba zumindest will man sich noch nicht geschlagen geben. "Wir glauben weiterhin fest, dass HD DVD das Format ist, das den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden am besten gerecht wird", so Ozaka. Andere Mitglieder der HD DVD Promotion Group sahen das möglicherweise anders - die Pressekonferenz bei der CES, bei der man über die Zukunft des Formats sprechen wollte, wurde jedenfalls abgesagt.
cis/AP
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