Aus Las Vegas berichtet Matthias Kremp
Wenn Sandra Lawrence anfängt, von ihren Haushaltsrobotern zu schwärmen, merkt man sehr schnell: Eine Hausfrau ist die Chefin des Roboterherstellers iRobot nicht. Ihr Roomba, so heißt der kleine Staubsaugerautomat, mit dem iRobot den Massenmarkt erobern will, hat ihr nicht mehr Freizeit gebracht, er hat angeblich ihre Putzfrau ersetzt.
Die habe zwar ordentlich und gewissenhaft gearbeitet, aber Roomba sei eben besser, findet die Managerin. Wie, um sich das selbst zu bestätigen, hat Lawrence, kurz nachdem sie ihren Job antrat, den kleinen Putzteufel auf Reinigungstour geschickt - kurz nachdem ihre Haushaltshilfe gerade gesaugt hatte. Das Ergebnis: Der Staubfänger, der ein bisschen aussieht, wie ein runder Radiowecker, machte reiche Beute, fand Staub und Fusseln, wo eben noch die Putzfrau gewirbelt hatte. Klare Sache: So was ist ein Kündigungsgrund.
Roomba, das stellt die Managerin sofort klar, sei aber eigentlich dafür gedacht, seine Besitzer von lästigen Routinearbeiten zu entlasten. Ohne zu murren und zu knurren dreht er im ganzen Haus seine Runden, bis auch das letzte Staubkorn verschwunden ist. Und das kann schon mal ein Weilchen dauern, weil der Roboter nicht etwa planvoll die Wohnung absaugt, sondern kreuz und quer durch die Zimmer rauscht. Dabei merkt er sich nur, wo er schon gewesen ist.
Roomba kann auch unter den Betten saugen
Erst wenn er sicher ist, kein Eckchen ausgelassen zu haben, schaltet er sich ab. Und damit er bei seinem Wirken niemanden stört, lässt sich einstellen, wann er auf Staubraubzug geht: Beispielsweise, wenn man im Büro ist, oder nachts, wenn die Familie schläft. Unter Betten kann das Ding übrigens auch saugen.
Noch in diesem Jahr, so verspricht es die Managerin, werden die iRobot-Produkte auch in Deutschland zu kaufen sein. Ein Vertriebsunternehmen sei gefunden, die Verträge vorbereitet. Ein paar Monate wird es aber wohl noch dauern. Die Preise liegen in den USA bei 300 Dollar für das Staubsaugermodell und 250 Dollar für den elektronischen Wischmob. Für einen guten Staubsauger kann man ebenso viel ausgeben – und muss dabei noch selbst Hand anlegen. Oder Arbeitsstellen schaffen.
Spykee: Der Robo-Freund in drei Varianten
Ein ganz anderes Konzept verfolgt Hersteller Meccano mit seinem Spykee. Der soll nicht nützlich oder hilfreich sein, er soll ein elektronischer Freund sein. So drückt es zumindest Marketing-Manager Francois Demares aus. Und weil man seine Freunde nach seinem Geschmack auswählt, gibt es Spykee auch in drei unterschiedlichen Ausführungen.
In der Variante "Cell" ist er der Freund aller Spielkinder, lässt sich per Bluetooth-Handy fernsteuern. Als Spykee "Miss" wird "er" zur "Sie" und drückt seine Stimmung in Form von LED-Grimassen aus. Damit das nicht langweilig wird, lässt sich die Grundstimmung per Knopfdruck von "freundlich" auf "böse" umschalten. Das Highend-Modell ist allerdings Spykee Vox. Der hört zwar aufs Wort, gibt sich aber auch gerne mal kämpferisch und greift seinen Besitzer an – ganz harmlos, versteht sich.
Das aber alle Spykees eigentlich nur Spielzeuge sind, zeigt sich an einer Fähigkeit, die sie alle gemein haben: Man kann sie als fahrbaren iPod-Untersatz verwenden. Immerhin.
iRobiQ: Kochrezepte und Montessori-Pädagogik
Der südkoreanische iRobiQ hingegen erfüllt schon eher die Erwartungen vom Roboter als Universalhelfer. Das mag daran liegen, dass in ihm nicht irgendein spezielles Roboterbetriebssystem aktiv ist, sondern ihm ein schlichtes Windows XP synthetisches Leben einhaucht. Das macht den Plastikgenossen zur Unterhaltungs- und Lernmaschine für alle Lebenslagen.
Wer mag, kann mit ihm um die Wette Karaoke singen. In der Küche hilft er mit bebilderten Kochrezepten, die jeden einzelnen Arbeitsschritt bis zum fertigen Abendessen illustrieren – derzeit freilich mit einer starken Fixierung auf koreanische Kimchi-Spezialitäten. Für Kinder ist nicht nur ein Englisch-Lernprogramm integriert, sondern auch spezielle Lernsoftware, die sich an den Prinzipien der Montessori-Pädagogik orientiert.
Selbstverständlich ist ein solcher Alleskönner vernetzt, per W-Lan. Auf seinem Bildschirm sind deshalb auch Wettervorhersagen und Nachrichten abrufbar. Doch trotz seiner vielen Funktionen hat iRobiQ auch eine Fähigkeit, die tatsächlich einen bestehenden Bedarf deckt und die ihn wieder auf Augenhöhe mit vergleichsweise simplen Robotern wie dem Roomba bringt: Er kann staubsaugen. Ob sich vor diesem Hintergrund realistisch noch eine Mindestlohndebatte führen lässt?
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