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04.03.2008
 

Böser Steve, guter Steve

Brachial-Ballmer besiegt braven Jobs

Der Kampf Microsoft gegen Apple ist entschieden - und zwar zugunsten des Software-Giganten, findet Christian Stöcker. Denn Konzernchef Steve Ballmer, seine Programme und seine Testosteronschübe sind was für Männer. Apple dagegen ist wie betreutes Computing für ängstliche ältere Damen.

Auf der Eröffnungsveranstaltung der Cebit gestern Abend gab sich Steve Ballmer visionär, geradezu staatsmännisch. Er sprach vom Klimaschutz, von einer goldenen Zukunft für Menschen und Computer - ohne zu schreien oder mit Stühlen zu werfen. Eingeweihte waren verblüfft.

Steve Ballmer: Kahler Bombenkopf, schiere Ekstase
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Getty Images

Steve Ballmer: Kahler Bombenkopf, schiere Ekstase

Vielleicht lag es am legendär mäßigenden Einfluss der Kanzlerin. Abends aber, als Tom Buhrow ihn für die Tagesthemen auf die 900 Millionen Euro ansprach, die Microsoft seit kurzem der EU schuldet, wurde wieder deutlich, was Ballmer eigentlich ist.

Das Urviech der Branche. Der leibhaftige Rock'n Roll. Der Beelzebub des IT-Geschäftes.

Wie er Buhrow so unter kopfstoßbereiten Augenwülsten hervor mit bohrendem Blick anstarrte - man bekam Angst, er würde, Glatze voraus, aus dem Bildschirm hervorbrechen und den Anchorman mit der sanften Stimme auf einen Happs verschlucken.

Jetzt, nachdem sich Bill Gates in den Kreis philantropischer Lichtgestalten zurückgezogen hat, wird erst richtig deutlich: Ballmer ist die wahre Seele von Microsoft, das stählerne Herz eines Unternehmens, das schnörkellose Software für echte Kerle herstellt. Für Männer, die jeden Registry-Eintrag von Hand festzurren, die noch selbst unter die Motorhaube ihres Gigahertz-Boliden kriechen, um ölverschmiert und laut fluchend eine neue Grafikkarte ein- oder die durchgeschmorte Festplatte auszubauen.

Bei einem Mac geht das nicht. Den bringt man zum Mac-Doktor, wenn mal was kaputtgeht, zärtlich und ängstlich, so wie ältere Damen ihre weißen Pudel zum Tierarzt tragen. Microsoft-Rechner sind Redneck-Rechner, Computer mit Ecken und Kanten, lauten Lüftern und mannhaft zu bewältigenden Systemabstürzen.

Und Ballmer ist ihr Prophet.

Auf der Testosteron-Ebene ist der Wettkampf entschieden

Wie anämisch, wie blutleer dagegen der Konkurrent Apple, wie mager, leise und verzärtelt Ballmers Widerpart Steve Jobs! Hier der gute Steve, da der böse Steve, hier schwarzer Rolli, da durchgeschwitztes Hemd, hier Reclam-Bärtchen, da kahler Bombenkopf, hier Hamlet-Gestik, dort schiere Ekstase.

Im Ring gäbe man Jobs gegen Ballmer keine drei Minuten - außer er holte sich den alten Kumpel Steve Wozniak zu Hilfe. Ballmer & Gates vs. Jobs & Woz - ein Tag-Team-"Celebrity Deathmatch", das man gerne sähe. Aber Woz ist weg - und Gates jetzt auch schon fast. Auf der Testosteron-Ebene scheint der Kampf der kommerziellen Betriebssysteme damit so gut wie entschieden.

Für Apple-Produkte gilt übrigens Ähnliches wie für den Chef: Im Grunde sind Macs Rentnerrechner, betreutes Computing gewissermaßen. Keine Viren, kaum Systemcrashs, automatische Festplattenbereinigung - mit einem Apple zu arbeiten, ist wie Nordic Walking. Eine Idee langsamer als sonst und mit teuren Krücken, die dafür sorgen, dass man nicht umfällt.

Ein Arbeitstag an einem Windows-Rechner ist dagegen ein Tanz auf dem Vulkan, ein Ritt auf einem wilden, ungezähmten Bullen, mit der Wut des bösen Steve im Bauch.

Die AC/DC-Augen des Microsoft-Chefs

Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Linux. Freie Betriebssysteme dürfen bei diesem Spiel nicht mitmachen. Was kein Geld kostet und von irgendwelchen Langhaarigen in ihrer Freizeit erarbeitet wird, ist zum Stock-Car-Rennen der Giganten nicht zugelassen.

Microsoft hat mit Ballmer jetzt endlich den richtigen Mann an der Spitze, das ist spätestens seit gestern Abend deutlich. Einen, der sich das Internet eben kauft, wenn er es anders nicht kriegen kann, einen, der brüllt und Möbel schmeißt, wenn die anderen seine Leute abwerben.

Als Buhrow Ballmer völlig zu Recht fragte, ob Microsofts "Surface"-Computer eigentlich gar nichts Neues sei, sondern bloß ein Tisch mit Touchpad, da lachte Ballmer ein bisschen. Diabolisch natürlich. Dann starrte er mit seinen AC/DC-Augen in die Kamera, lächelte wie ein Haifisch mit Lust auf ein bisschen Buhrow und behauptete dann, ganz ernsthaft: "Das ist wirklich eine Revolution."

Rock'n Roll.

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insgesamt 67 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.10.2008 von Siebi71: der alltägliche Krieg

sehr interessanter Artikel. Er spiegelt genau meine Gefühle für PCs wieder und den dahinterstehenden allmächtigen Microsoft Konzern. Das waren für mich in gewisser Weise Heiligtümer. Jetzt bin ich schon lange mit dem Studium [...] mehr...

01.07.2008 von dgriebe: Steve B. + Micro****

Wer dieser geistiger Datenmüll verfasst hat dürfte eigentlich beim Spiegel nix mehr arbeit haben und wenn ja, dann wird spiegel nix mehr vom nachbarn zum lesen beim kacken geborgt mehr...

12.03.2008 von broken_authority: Rational, rationaler, am rationalsten?

Und deshalb ist es unter dem von Ihnen aufgestellten Grund (Zu wenig Geld) auch letztendlich das stärkste Argument, sich keinen Mac zu kaufen. Ist das Geld entscheidend verliert auch der Mac, besser oder schlechter mal [...] mehr...

11.03.2008 von thinktwice: Seltsame Diskussion

Nein, tue ich nicht. Ich versteh auch gar nicht wo Ihr Verständnisproblem bei meiner Aussage liegt. Wieso stimmt die Aussage nicht? Ich habe das selbe behauptet wie Sie: Linux hat das beste Preis-Leistungsverhältnis, da es [...] mehr...

10.03.2008 von broken_authority: Nö.

Ihr rationaler Grund Nummer eins: Man hat nicht genug Geld übrig. Ich könnte es auch noch zehnmal lesen und der von Ihnen aufgestellte "rationale Grund" mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche bleibt weiterhin im [...] mehr...

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