Von Frank Patalong
Die US-Presse, Mac-Fachmagazine und die Blogosphäre waren sich weitgehend einig. Als am Dienstag eine Firma namens ZapMedia aus Atlanta, Georgia, ein Patent zugesprochen bekam und einen Tag darauf eine Klage gegen Apple einreichte - da hieß es zumeist: wieder einer, der durch einen juristischen Trick am Erfolg des iTunes/iPod-Konzeptes mitverdienen will.
Eine logische Reaktion. Über das US-Patentwesen ist eine Menge geschrieben worden. Immer wieder liefert es Steilvorlagen für Häme, über die die halbe Welt lacht.
Denn in den USA ist bis hin zu grundsätzlichen Ideen, Bewegungen oder Funktionsprinzipien so ziemlich alles patentierbar. Immer wieder sehen sich große Firmen darum mit Klagen obskurer Unternehmen konfrontiert, die als sogenannte Patent-Trolle nichts anderes versuchen, als die Entwicklungen anderer Leute zu Geld zu machen. Sie sind die Parasiten der kreativen Industrien - und es gibt immer mehr davon.
Ganz so platt ist die Geschichte in diesem Fall aber nicht.
Denn das am Dienstag zugesprochene Patent ist nur die Erweiterung von einem, das ZapMedia bereits 1999 entwickelte, 2000 einreichte und 2006 zugesprochen bekam. Es beschrieb einen multimedialen Service aus Webserver und Shop, der verschiedene Geräte über das Internet mit digitalen Waren wie Songs und Filmen versorgen sollte. 1999 war das eine hochgradig innovative Idee - und Apple weit und breit nicht in Sicht.
Das Patent meinte definitiv nicht das iTunes-iPod-Konzept, mit dem Apple erst weit später kam. Die Software iTunes wurde im Januar 2001 veröffentlicht, der iPod im Oktober 2001 vorgestellt, der iTunes Store folgte im April 2003.
Es gab ein Produkt zum Patent
ZapMedia hingegen hatte zu diesem Zeitpunkt seine großen Erfolge bereits hinter sich. Im Januar 2000 stellte die Firma ihre ZapStation vor, einen der ersten multimedialen Homeserver, mit dem Audio und Video im Haus verteilt werden konnten, der verschiedenste Formate beherrschte, Time-Shift-Fernsehen per Festplatten-Rekorder möglich machte, DRM-Verwaltung anbot - und konzeptionell mit einem Internet-Service namens ZapZone verbunden war, der Internet-Radio, Video-Downloads, Internet via TV und Shop verband. Klingt wie eine Blaupause für das, was Apple mit dem iTunes-Store und Apple TV noch immer nicht vollständig umgesetzt hat.
Auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms schlug dieses Konzept ein wie eine Bombe, sammelte kräftig Venture-Kapital. Der US-Verlag Gannett ging im Mai 2000 eine zunächst auf 270 Millionen Dollar bezifferte Marketing-Partnerschaft mit ZapMedia ein, der Großprovider Earthlink plante, die Infrastruktur für den Shop respektive Internet-Service zuzuliefern. Microsoft freute sich über eine "strategische Partnerschaft" und darüber, dass seine Player-Software und sein DRM integriert wurden. Redmond hoffte - vergeblich -, so direkt einen Fuß in den Digitalvertrieb von Musik und Video via Web zu bekommen. Doch die Zeit lief aus: Bis zum Platzen der Dotcom-Blase schaffte es ZapMedia noch, rund 28 Millionen Dollar von Gannett und anderen Kapitalgebern einzusammeln. Dann kam der Börsencrash.
Die ZapStation schaffte es nur noch kurzfristig auf den Markt. ZapMedia kam nicht mehr dazu, das vollständige Konzept umzusetzen. Immerhin wurde die Technik der ZapStation nicht nur direkt vermarktet, sondern auch an andere Hersteller lizenziert: So vertrieb Harman Kardon zeitweilig Apparate, die auf der ZapMedia-Technik beruhten. Dann platzte die Dotcom-Blase - und ZapMedia ging unter. Nachdem ZapMedia bereits mehr als die Hälfte seines Personals auf die Straße setzen musste, kam bereits im Juli 2001 der Ausverkauf: Alles bis auf den Firmennamen wurde abgestoßen.
Das richtige Konzept, die falsche Zeit
Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Geschichte von ZapMedia die eines innovativen Unternehmens, dessen Produkte schlicht Jahre zu früh kamen: ZapMedia hatte versucht, ein Highend-Alleskönner-Produkt für viel Geld auf den Markt zu schieben (Kaufpreis: rund 1500 Dollar), als Konkurrenten sich noch mit abgespeckten, aber kostengünstigeren Konzepten begnügten (Tivo etc.). Nicht zuletzt hatte ZapMedia auch die Geschwindigkeit des Ausbaus breitbandiger Infrastrukturen überschätzt: Wer hätte sich 2001/2002 denn schon aus dem geplanten Video- und Musikportal bedienen sollen?
So scheiterten, kurz bevor ZapMedia die Segel strich, auch Verhandlungen mit Sony: Die Japaner konnten sich für das Konzept begeistern, glaubten aber nicht daran, dass es vor 2005 überhaupt einen Markt dafür gäbe. Im Mai 2002, sechs Monate nach Geschäftsaufgabe, verschwand auch die Firmenpräsentation von ZapMedia aus dem Netz. Die Internet-Domain ist heute in den Händen eines New Yorker Verlages - was ZapMedia heute wohl eine Menge Hass-E-Mails von Apple-Fans erspart.
Die Wende: Klagen als Resteverwertung
ZapMedia bestand nach 2002 nur noch als Unternehmen ohne Produkt weiter. Im Jahr 2006 aber wurde der Firma endlich das im Oktober 2000 eingereichte Patent auf das Konzept einer Verbindung von Online-Multimedia-Store, Apparaten und DRM-Management zugesprochen. Jetzt sahen die Eigner der Firma ihre Chance, dass sich aus der bitteren Pleite von ZapMedia vielleicht doch noch Geld schlagen lassen könnte: Hatte Apple mit dem iTunes-iPod-Konzept nicht erfolgreich umgesetzt, was ZapMedia Jahre davor versucht und zum Patent angemeldet hatte?
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Das mögen sie getan haben, aber es gibt so viele Patente da draußen, da ist das nicht möglich, jede Patentschrift dagegen zu prüfen ob sie eventuell unter Umständen vielleicht etwas mit dem zu tun hat, was man selbst vorhat. [...] mehr...
Das machen sie immer. Heißt noch lange nicht, dass sich Apple deshalb fair verhält. Der Vergleich hinkt zwar gewaltig, aber ich kann mich noch recht gut an den Plagiatsprozess zwischen Apple und Creative erinnern. Was haben [...] mehr...
Da könnte was dran sein. Es gibt jede Menge Neider, Die Apple den Erfolg mit Itunes nicht gönnen. Hinterher ist man immer schlauer.Ich bin mir sicher, dass Apple die Rechtslage geprüft hat, bevor das Produkt in den Markt kam. [...] mehr...
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