Von Frank Patalong
Der im Jahr 2001 zu zwei Jahren Haft verurteilte vermeintliche Hacker entpuppte sich als frustrierter Ex-Angestellter einer Firma, die die Wasserbehörde mit der Software für die Fernsteuerung ihrer Anlagen versorgte. Die Möglichkeit der Infiltration einer kritischen Infrastruktur mit dem Ziel, diese von innen oder mit Insiderwissen zu schädigen, gab es wohl schon in der Antike - sehr "Cyber" ist das nicht. Es ist ja auch kein Zufall, dass man die perfidesten Schadprogramme im Internet ausgerechnet "Trojaner" taufte - die Illias lässt grüßen.
Schutzmechanismen tun also Not - auch Cummings sieht das so: Es brauche mehr internationale Koordination. Man könnte auch "noch mehr" sagen, denn bereits 2001 unterzeichneten 26 europäische Länder die Budapester Konvention gegen Datenkriminalität, die in dieser Hinsicht erste Schritte einleitete. Gerade in den letzten Monaten aber kommt immer mehr Bewegung in die Sache: Anfang April gab die Nato bekannt, in Brüssel die "Cyber Defence Management Authority" (CDMA) etablieren zu wollen.
Schutz und Abschreckung
"Wir müssen unseren Vorsprung vor den bösen Jungs wahren", erklärte in der zweiten Aprilwoche ein Nato-Sprecher gegenüber Silicon.com. "Die Bedrohung kann aus vielen Richtungen kommen: Internetkriminalität, Cyberterrorismus und durch die Aktivität von Staaten."
Damit macht das Verteidigungsbündnis öffentlich, was die Spatzen seit langem von den Dächern pfeifen: Wenn es Organisationen oder Institutionen gibt, die sich systematisch sowohl auf die Verteidigung gegen Internetattacken, als auch auf entsprechende Angriffe vorbereiten, dann sind dies Militär und Geheimdienste.
Kein Wunder: Schon kurz, nachdem das Internet öffentlich zugänglich wurde, gab es erste Hacks gegen Militär- und Regierungsrechner. Bisher waren es jedoch entweder Neugierige, Spione oder Chaoten auf der Suche nach Ufo-Akten, die sich in den Datenbanken des Pentagon umsahen. Prinzipiell wäre es durchaus vorstellbar, dass die eines Tages jemand einfach abzuknipsen versucht - oder Vorgänge in Gang setzt, die tatsächlich Opfer fordern.
Auch der US-Heimatschutzminister Michael Chertoff wählte bei seiner Ansprache auf der RSA-Security-Konferenz wohl kaum zufällig eine höchst martialische Sprache: Er verglich die Bemühungen der US-Regierungen in Sachen Cyber-Security mit dem "Manhattan Project" - der Entwicklung der ersten Atombombe.
Was mehr nach Rüstungspolitik klingt, als nach Terrorabwehr. Denn dass zahlreiche Staaten in Spionage, Propaganda und zunehmend auch im Militär auf Hacking-Methoden zurückgreifen, darf als sicher gelten. Die unglücklich gewählte Analogie zum Manhattan-Project ist dabei so korrekt wie verräterisch: Natürlich geht es dabei auch, wenn nicht sogar vornehmlich um die Entwicklung von Angriffsmethoden.
Denn das ist das Grundprinzip der Abschreckung: Wenn Du mich angreifst, schlage ich stärker noch zurück. Cyberterroristen wird man so aber kaum treffen.
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