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Cyberterrorismus Wecke keine schlafenden Hunde

2. Teil: Cyberterror - konkrete Bedrohung oder Alibi für die elektronische Rüstung?

Der im Jahr 2001 zu zwei Jahren Haft verurteilte vermeintliche Hacker entpuppte sich als frustrierter Ex-Angestellter einer Firma, die die Wasserbehörde mit der Software für die Fernsteuerung ihrer Anlagen versorgte. Die Möglichkeit der Infiltration einer kritischen Infrastruktur mit dem Ziel, diese von innen oder mit Insiderwissen zu schädigen, gab es wohl schon in der Antike - sehr "Cyber" ist das nicht. Es ist ja auch kein Zufall, dass man die perfidesten Schadprogramme im Internet ausgerechnet "Trojaner" taufte - die Illias lässt grüßen.

Schutzmechanismen tun also Not - auch Cummings sieht das so: Es brauche mehr internationale Koordination. Man könnte auch "noch mehr" sagen, denn bereits 2001 unterzeichneten 26 europäische Länder die Budapester Konvention gegen Datenkriminalität, die in dieser Hinsicht erste Schritte einleitete. Gerade in den letzten Monaten aber kommt immer mehr Bewegung in die Sache: Anfang April gab die Nato bekannt, in Brüssel die "Cyber Defence Management Authority" (CDMA) etablieren zu wollen.

Schutz und Abschreckung

"Wir müssen unseren Vorsprung vor den bösen Jungs wahren", erklärte in der zweiten Aprilwoche ein Nato-Sprecher gegenüber Silicon.com. "Die Bedrohung kann aus vielen Richtungen kommen: Internetkriminalität, Cyberterrorismus und durch die Aktivität von Staaten."

Damit macht das Verteidigungsbündnis öffentlich, was die Spatzen seit langem von den Dächern pfeifen: Wenn es Organisationen oder Institutionen gibt, die sich systematisch sowohl auf die Verteidigung gegen Internetattacken, als auch auf entsprechende Angriffe vorbereiten, dann sind dies Militär und Geheimdienste.

Kein Wunder: Schon kurz, nachdem das Internet öffentlich zugänglich wurde, gab es erste Hacks gegen Militär- und Regierungsrechner. Bisher waren es jedoch entweder Neugierige, Spione oder Chaoten auf der Suche nach Ufo-Akten, die sich in den Datenbanken des Pentagon umsahen. Prinzipiell wäre es durchaus vorstellbar, dass die eines Tages jemand einfach abzuknipsen versucht - oder Vorgänge in Gang setzt, die tatsächlich Opfer fordern.

Auch der US-Heimatschutzminister Michael Chertoff wählte bei seiner Ansprache auf der RSA-Security-Konferenz wohl kaum zufällig eine höchst martialische Sprache: Er verglich die Bemühungen der US-Regierungen in Sachen Cyber-Security mit dem "Manhattan Project" - der Entwicklung der ersten Atombombe.

Was mehr nach Rüstungspolitik klingt, als nach Terrorabwehr. Denn dass zahlreiche Staaten in Spionage, Propaganda und zunehmend auch im Militär auf Hacking-Methoden zurückgreifen, darf als sicher gelten. Die unglücklich gewählte Analogie zum Manhattan-Project ist dabei so korrekt wie verräterisch: Natürlich geht es dabei auch, wenn nicht sogar vornehmlich um die Entwicklung von Angriffsmethoden.

Denn das ist das Grundprinzip der Abschreckung: Wenn Du mich angreifst, schlage ich stärker noch zurück. Cyberterroristen wird man so aber kaum treffen.

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insgesamt 16 Beiträge
Astir01 18.04.2008
Welches Szenario? Sicher kann jemand, der sich mit der Materie auskennt und in die entsprechenden Netzwerke eindringt, eine Menge Schaden verursachen. Von kriminellen Machenschaften und Spionage hört und liest man ja [...]
Welches Szenario? Sicher kann jemand, der sich mit der Materie auskennt und in die entsprechenden Netzwerke eindringt, eine Menge Schaden verursachen. Von kriminellen Machenschaften und Spionage hört und liest man ja gelegentlich. Terroristen aber üben ihre Gewalt um ihrer symbolischen Wirkung Willen aus. Ein einziger Fall, in dem eine Enthauptung gefilmt wird, ein einziger, kleiner und vielleicht sogar misslungener Bombenanschlag wirkt über die unmittelbar Betroffenen hinaus, indem er die Menschen verunsichert oder einschüchtert. Wie könnten Terroristen im cyberspace eine vergleichbare Wirkung erzielen, wenn viele Menschen nicht einmal wissen, was der cyberspace überhaupt ist, geschweige denn davon betroffen wären, wenn dort ein Schaden angerichtet würde? Darüber hinaus ist schon das Bombenbasteln nicht so einfach, als dass es jedem dahergelaufenen Strauchdieb einfach so gelingt. Oft genug gibt es Spuren, die von den Behörden zum Täter zurückverfolgt werden können, bevor er zuschlagen kann; so wie heute in Bristol. Um die schon bestehenden Sicherungsmechanismen gegen die gewöhnlichen Verbrecher zu überwinden sind jedoch umfangreiche Kenntnisse erforderlich, welche die "Koran"schulen in Pakistan noch nicht auf dem Lehrplan haben dürften. Ein Internet- Terrorist kann sich auch nicht in dunklen Höhlen oder unzugänglichen Bergregionen verstecken. Er hinterläßt zwangsläufig Spuren, und wenn er sich nicht nur virtuell in die Luft sprengt, um sich der Verhaftung zu entziehen, dürfte es ungleich schwieriger sein, einen geeigneten Nachwuchshacker zu rekrutieren, da gleichzeitig millionenschwere Firmen mit einem Leben in dieser Welt winken, das die Mullahs dem Selbstmordattetäter nur im Jenseits in Aussicht stellen können.
DasIch 18.04.2008
Mit jedem Gesetz und Vorschlag Schäubles nimmt die Gefahren von Cyberterrorismus zu klar. Würden wir nicht in einem Überwachungsstaat leben wäre das tatsächlich lächerlich.
Mit jedem Gesetz und Vorschlag Schäubles nimmt die Gefahren von Cyberterrorismus zu klar. Würden wir nicht in einem Überwachungsstaat leben wäre das tatsächlich lächerlich.
aloa5 19.04.2008
Cyber ist nur dann gefährlich wo Geschäften keine realen Grundlagen mehr zugrunde liegen. Wo das der Fall ist gibt es einen Ausknopf.
Cyber ist nur dann gefährlich wo Geschäften keine realen Grundlagen mehr zugrunde liegen. Wo das der Fall ist gibt es einen Ausknopf.
wibaulu 21.04.2008
Oh je, wie schlimm, das mit dem "DDOS-Angriff" auf Estland ! Und man hat den Täter - bzw. einen davon - ja auch gefasst und vor Gericht gestellt : er erhielt 1.110 Euro Strafe - so billig kann Terrorismus sein ( Ironie [...]
Oh je, wie schlimm, das mit dem "DDOS-Angriff" auf Estland ! Und man hat den Täter - bzw. einen davon - ja auch gefasst und vor Gericht gestellt : er erhielt 1.110 Euro Strafe - so billig kann Terrorismus sein ( Ironie aus ) siehe : http://www.blog.beck.de/?p=377
Frank Bennesch 21.04.2008
gut gesicherten Netz nicht und lebenswichtige Infrastrukturen gehören nicht ans Netz, sie müssen autark laufen. Und wenn sie ans Netz "müssen", dann nur als Read-Status. Wir geben den Regierungen aber zu leicht eine [...]
Zitat von sysopEU, Nato und US-Regierung bauen Strukturen auf, um Cyber-Angriffe effektiver parieren oder sogar beantworten zu können. Doch ist das Szenario des Cyberterror realistisch?
gut gesicherten Netz nicht und lebenswichtige Infrastrukturen gehören nicht ans Netz, sie müssen autark laufen. Und wenn sie ans Netz "müssen", dann nur als Read-Status. Wir geben den Regierungen aber zu leicht eine Steilvorlage um uns mit Überwachungsgesetzen ein zu lullen, in dem wir Windows-Server einsetzen. Ja da können wir doch gleich die CIA/NSA zum Kaffeekränzchen ein laden, anstatt sie durch die Hintertür herein zulassen. Und solange, wie 10 Root-Server in Amerika stehen, kann man sicher sein, das die einzige Attacke es wäre, das die Root-Server kurzer Hand abgeschaltet werden. Wir wollen den Geheimdiensten doch kein Steilvorlage für eine Force-Flack-Operation geben oder wie das heißt. Nicht das der SpOn mal wieder auf sowas rein fällt und kräftig ins gleiche Horn posaunt wie FOX, ABC etc., so ala 9/11, wo dann eine Website ensteht wie huntingtheboing ;)
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