Von Frank Patalong
Chip-Entwickler sind gern gesetzestreu. Immerhin hatte ihnen der Intel-Mitbegründer Gordon Earl Moore bereits 1965 ins Stammbuch geschrieben, ganz außerordentlich effektive Arbeit zu leisten. Nicht als Vorschrift, sondern als Beobachtung über die tatsächlich geleistete Entwicklungsarbeit hatte Moore in seinem "Mooreschen Gesetz" erklärt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise im Jahresrhythmus verdoppele und weiter verdoppeln werde.
1975 musste Moore sein Gesetz den Realitäten anpassen und sprach von einer Verdoppelung alle zwei Jahre. Daran aber hielten sich die Chip-Entwickler seitdem im großen und ganzen, zuletzt waren sie sogar wieder leicht schneller. Die Geschichte der integrierten Schaltkreistechnik schien über Jahrzehnte ein nicht enden wollender technischer Triumph zu sein.
Dann stießen die Chips zur Jahrtausendwende in Gigahertz-Regionen vor. Möglich wurden die neuen Geschwindigkeiten, weil die Entwickler inzwischen über 25 Millionen Transistoren auf die winzigen Bauteile ätzten. Transistoren sind elektrische Widerstände, ihre Arbeit geht unter anderem zwingend mit Wärmeentwicklung einher. Immer kleinere Bauformen mit immer filligraneren Elementen entwickelten dabei immer größeren Energiehunger - und setzten folglich auch immer mehr Wärme frei.
Eine heiße Sache
Bald dürfte die Zahl der Schaltkreise auf handelsüblichen PC-Chips 500 Millionen Transistoren pro Chip durchbrechen - sowohl AMD als auch Intel stehen knapp davor. Zugleich verheizen etwa AMDs Phenom-Quad-Core-Chips auf einer Fläche von 2,85 Quadratzentimetern bis zu 125 Watt - man stelle sich die Hitzeentwicklung einer entsprechende Glühbirne von Fingernagel-Größe vor. Bei Intel sieht es leicht besser, aber nicht grundsätzlich anders aus. Allein die CPU im Rechner ersetzt heute die Heizung im kleinen Büro.
Es ist also nicht zuletzt die Temperatur, die der weiteren Leistungssteigerung von Chips physikalische Grenzen setzt. Die schienen vor einigen Jahren bereits erreicht, als PC-Chips in die Region von 4 GHz Taktfrequenz vorgestoßen waren. Viel mehr schien man mit der bis dahin üblichen Bauform nicht herauskitzeln zu können. Die Visionäre der Branche wagten, zunehmend lauter über Quantencomputer, Lichtleiter und neuronale Technik nachzudenken, während die Praktiker zunehmend aufwendige Kühlsysteme verbauten.
Lebensverlängerung für das "alte" System
Dann besann sich die Branche darauf, das Prinzip "PS" durch eine Steigerung der Effektivität zu ersetzen: Sie schafften das dadurch, dass sie die Arbeitslast von einem "Motor" auf mehrere verteilten, eine CPU durch mehrere parallel arbeitende ersetzten. Der Siegeszug der Mehrkern-Prozessoren begann. An Stelle des "eine CPU muss immer schneller werden" trat das "mehrere CPUs zusammen stemmen mehr weg".
Doch siehe da: Die Analogie zum Autobau trägt. Mehr PS und mehr Zylinder bedeuten nicht, dass die Leistung proportional ansteigt. Wie würde Schumi sagen? Irgendwie bekommen die derzeitigen Systeme ihre Leistung nicht effektiv auf die Straße gebracht. Es hakt sozusagen im Getriebe. Das hat mehrere Ursachen - und an der Lösung der damit verbundenen Probleme arbeiten Forscher weltweit. Das Ziel: Aus der verfügbaren Technik effizienter mehr Leistung herauszuholen, die Grenzen des Machbaren weiter zu verschieben, ohne sich dabei zwingend auch weiter an Moores Gesetz halten zu müssen.
Software: die eingebaute Bremse
Denn die Zeit für den großen Gesetzbruch scheint gekommen. Fast noch eherner als das Mooresche Gesetz steht das so genannte Wirthsche Gesetz der Informatik, dessen Effekte jedem PC-Nutzer aus eigener Anschauung (oder leidvoller Erfahrung) nur allzu vertraut sind. 1995 beobachtete der Schweizer Informatiker Niklaus Wirth, einst als Entwickler der Programmiersprache Pascal in Fachkreisen zu Prominenz gekommen, so humorig wie treffend das Prinzip, dass Software schneller langsamer wird als Hardware schneller.
Im Klartext: Den Geschwindigkeitszuwachs, den Hardware-Entwickler herausarbeiten, fressen die Software-Programmierer mit ihren immer aufwendigeren Programmen locker wieder auf.
Alt-PC-Cracks kichern da nur weise: natürlich dauerte es 1992 nicht halb so lang wie heute, einen Rechner zu booten. Der Witz daran: Man erledigte unter Umständen - wenn es um so pragmatische Dinge wie Textverarbeitung geht - die gleiche Arbeit, nur schneller. Aus der Perspektive des Anwenders, der den PC als Schreibmaschine nutzt, gab es seit 1992 folglich keinen Fortschritt, sondern nur Rückschritte - auch, wenn alles deutlich schicker aussieht. Natürlich ist das eine Überspitzung, denn heutige PCs können auch erheblich mehr. Unter dem Strich aber gilt Wirths Gesetz - noch?
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Auweia, das tut einem angehenden Techniker (Elektrotechnik) richtig weh. Wenn mir noch einer erzählt, eine Spule kann verschiedene Schaltzustände einnehmen und Kondensatoren sind Miniakkus, hör ich auf und werd' Politiker. [...] mehr...
"...winzigen Bauteile ätzten. Transitoren sind elektrische Widerstände, ihre Arbeit geht unter anderem zwingend ..." Na, vielen Dank für diese Revolution der Elektrotechnik! mehr...
Hmm, womöglich ist gemeint, dass (auch) Transistoren einen inneren Widerstand haben und also Wärme abgeben. (Thermodynamisch gesehen sind Computer ja letztlich nichts anderes als Heizungen...) Aber vielleicht ist es auch ein [...] mehr...
---Zitat--- Transitoren sind elektrische Widerstände ---Zitatende--- Also es ist ja beinahe peinlich, da überhaupt etwas zu sagen zu müssen, aber .. mal ehrlich.. stehenlassen kann man den Teilsatz da oben auch nicht. Lieber [...] mehr...
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