Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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05.05.2008
 

Moderne Kriegsführung

Roboterinsekten als Kampf-Kundschafter

Spinnen, Schlangen, Libellen: Das Schlachtfeld der Zukunft soll nicht mehr von riesigen Kampfmaschinen, sondern von Kriechtieren und winzigen Roboterinsekten bevölkert werden. Im Auftrag der US-Armee werden jetzt die ersten Drohnen nach Vorbildern der Natur entwickelt.

Insekten sind dem Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen: Sie sind oft schneller und robuster als wir trägen Säugetiere - nicht zuletzt aber sind sie kleiner. Diese Eigenschaften will sich auch das US-Militär zunutze machen: Es plant, winzige Roboterinsekten einzusetzen. Doch nicht als Kampfmaschinen sollen die elektronischen Kleintiere eingesetzt werden. Stattdessen, so der Plan, sollen sie Soldaten aus Fleisch und Blut frühzeitig über drohende Gefahren informieren, ihnen einen Überblick über das Kampfgeschehen liefern und versteckte Gegner aufspüren.

Immerhin 38 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 24,5 Millionen Euro, investiert die U.S. Army in ein entsprechendes Forschungsprojekt. Den Auftrag bekam ein Konsortium aus dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems und drei Universitäten zugesprochen. Unter dem Titel "Micro Autonomous Systems and Technology" (Mast) wollen die Forschungspartner die ersten autonom agierenden Kunst-Insekten entwickeln.

Wie deren Einsatz in der Praxis aussehen soll, zeigt das Konsortium in einem computeranimierten Videofilm. Darin zu sehen: Soldaten, die statt eines Tornisters ein kleines Einsatzfahrzeug voller Mini-Roboter auf dem Rücken tragen. Mit Hilfe des Mini-Panzers sollen die Elektro-Insekten risikolos in die Gefahrenzone gebracht werden.

Nur eine Viertelstunde Batterielaufzeit

Das ferngelenkte Raupenfahrzeug ist offenbar eine pragmatische Lösung, die der Erkenntnis entspringt, dass winzige Roboter nur winzige Batterien mit sich herumtragen können und eine entsprechend kurze Einsatzphase haben. In aktuellen Forschungsprojekten sind Batterielaufzeiten von 15 Minuten das Maß der Dinge. Für viel mehr als kurze Erkundungstouren dürften die geplanten Robbis also nicht taugen.

Im Kampfgebiet abgesetzt sollen sie eigenständig agieren, also ohne weiteres Zutun der Truppen die Gegend auskundschaften. Mit Hilfe integrierter Minikameras würden die elektronischen Helfer beispielsweise Bilder aus schwer zugänglichen Gebäuden, aus Erdhöhlen oder Bunkerschächten übertragen, ohne dabei vom Feind entdeckt zu werden.

In der Vision der Forscher werden den Soldaten die Kamerabilder direkt auf ein Display am Arm übertragen. So sollen sie entscheiden, ob wirklich keine Gefahr besteht - oder ob sie vielleicht doch lieber ferngelenkte Raketenunterstützung anfordern. Alternativ können die Drohnen auch mit Sensoren anstelle einer Kamera ausgerüstet werden. Die könnten beispielsweise dazu dienen chemische, biologische oder atomare Waffen aufzuspüren.

Hört sich alles nach Videospiel an, sieht im Firmenvideo auch so aus, ist aber keins.

Mindestens fünf Jahre Entwicklungsphase

Einen konkreten Zeitplan, wann die ersten elektronischen Insekten den Dienst antreten sollen, hat das Mast-Konsortium nicht veröffentlicht. Einige Jahre dürfte die Entwicklung allerdings dauern. Das deutet zumindest ein kurzer Nachsatz in einer Pressemitteilung von BAE Systems an, in dem es heißt, die Zusammenarbeit der vier Partner sei vorerst auf fünf Jahre angelegt - mit der Option, im Anschluss gleich noch weitere fünf Jahre gemeinsam zu forschen.

Und diese Zeit werden sie brauchen - mindestens. Schließlich forschen schon jetzt an diversen Instituten rund um den Globus etliche Wissenschaftler an künstlichen Insekten. Deren Fähigkeiten sind allerdings noch weit von dem entfernt, was sich das Mast-Konsortium vorstellt. Jean-Christophe Zufferey von der ETH Lausanne beispielsweise hat schon einen winzigen Flugroboter entwickelt, der selbständig durch die Luft wirbeln kann.

Doch dieser Trick funktioniert bisher nur in einem mit speziellen Orientierungsmarkierungen versehenen Raum. Bis der sich auch auf unbekanntes Terrain vorarbeiten kann, wird es noch eine Weile dauern. "In fünf Jahren haben wir hoffentlich einen Roboter, der in einem normalen Büro klarkommt", schätzt Zufferey - hoffentlich wird der dann ein friedlicher sein.

mak

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