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Freie Hardware Die Zukunftsbastler

2. Teil: Technik für den schwächeren Teil der Welt

Eigentlich sei er an diesem sozialen Kram nicht so interessiert, meint Student Simon Wunderlich aus Chemnitz. Er leitet gemeinsam mit Wesley Tsai aus Taiwan Workshops und läuft den ganzen Tag mit einer Plastiktüte voller kleiner, weißer Router durch die Gegend. Aber wenn Joy Tang das Wort ergreift, hört er trotzdem aufmerksam zu. Denn die Gründerin der One Village Foundation weiß genau zu erklären, warum sie hier ist: "Wir haben das Potential zu einer Community, die global und lokal wirklich etwas bewegen kann."

Und mit Bewegung meint sie die Möglichkeiten, die freie Software und auch freie Hardware den Menschen eröffnen. Die Prinzipien von Open Source und damit freier Software sind relativ simpel. Quelltexte von Software sind nicht verborgen, sondern stehen zur Bearbeitung frei und lassen sich somit den eigenen Bedürfnissen anpassen, wenn man über die nötigen Programmierfähigkeiten verfügt. Das freie Betriebssystem Linux ist ein Beispiel dafür.

Versucht man, die Kriterien von freier Software wie Reproduzierbarkeit und Offenheit auch auf Hardware zu übertragen, wird es schon etwas schwieriger. Hier kommen große Firmen und Investitionen ins Spiel, aber auch die Chance, einen Paradigmenwechsel zu vollziehen, der vielen Menschen Zugang zu Wissen und einen Zapfhahn zum Informationsfluss dieser Welt geben könnte.

Hardware aber kostet viel Geld. Stellt eine Firma zum Beispiel einen Router her, lizenziert sie die Baupläne, damit niemand damit herumspielt, die Baupläne kopiert und für eigene Zwecke nutzt. Dabei kann das eine gute Sache sein, wenn sie Zwecken dient, die von der Industrie nicht bedient werden. Das aber ist schwierig, wenn Hardware nicht "frei" ist.

Netze für strukturschwache Gebiete

Man stelle sich einen Entwickler vor, der sich einen handelsüblichen Router kauft, diesen hackt und ein eigenes Programm auf dem Gerät zum Laufen bringt. Es genügt eine winzige Änderung in der Hardware von Seiten des Herstellers – und das Programm funktioniert nicht mehr. Nun kostet es den freien Entwickler Zeit und Mühe herauszufinden, was genau geändert wurde, denn viele Firmen dokumentieren Änderungen nicht ausreichend aus Angst davor, dass ihre Investitionen den Bach runtergehen, wenn sich Hacker ihrer Technik bedienen.

Doch mit Hilfe solcher gehackter Router können freie Netze in Gegenden aufgebaut werden, die nicht über Breitbandinternet oder andere Kommunikationsstrukturen verfügen. Wären ihre Baupläne "frei", fiele die Entwicklung von Systemen leichter, an denen es keine großen kommerziellen Interessen gibt. Hacken kann etwas Gutes sein.

Die Stiftung von Joy Tang hat sich freie Soft- und Hardware zunutze gemacht, um in Afrika und Asien Gegenden mit einer Kommunikationsstruktur auszustatten. Die wird dort von kleinen Erzeugern genutzt, um - nun munitioniert mit Kenntnissen über den Markt - fairere Preise zu erzielen. "Kommunikation ist schließlich ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen", sagt auch Konferenz-Mitinitiator Jürgen Neumann. Und Technik kann Menschen aus ihren Abhängigkeiten befreien, sie kann sie emanzipieren.

Man darf sich also nicht abschrecken lassen von den gruselig klingenden Vortragstiteln und dem technischen Gewusel, von schlechtsitzenden Hemden oder durch die Luft fliegenden Fachbegriffen. Was hier so abstrakt diskutiert wird, ist von höchster Relevanz.

Eine Woche reden, schrauben, programmieren. Asus hält die Ohren auf, hat erkannt, wie konkret der Nutzen vieler Entwicklungen bereits ist. Selbst vor Ort entsteht noch Hardware: Auch den Franzosen von Open Pattern, die nächtelang an der Fertigstellung ihres offenen Netzwerkrouters "Modular Routing Board" gearbeitet haben, sieht man den Schlafmangel an. "Es geht nichts über face to face. Die guten Ideen, die Projekte mit Herzblut entstehen eben nicht über Mailkontakt", erklärt Xavier Carcelle am Ende. "So etwas passiert nur, wenn man Stunden miteinander verbringt, wenn man Zeit hat, sich hineinzusteigern, und arbeitet, bis es wieder hell wird. Bei Bier und Wein werden dann die Ideen geboren, die vielleicht mal die Welt verändern."

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