Der südkoreanische Samsung-Konzern zündet den Festplattenturbo. Bis zu 200 Megabyte pro Sekunde soll eine neue Massenspeichergeneration in den Arbeitsspeicher schaufeln, 256 Gigabyte Kapazität bieten. Damit wären die neuen Geräte nach Unternehmensangaben fast zweieinhalbmal so schnell wie herkömmliche Festplatten und böten doppelt so viel Platz wie vergleichbare Geräte - denn Samsungs neue Platte ist ein Flash-Speicher. Vor allem aber wären sie unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen und würden so sparsam mit Strom umgehen wie sonst kaum eine Festplatte. Bescheidene 0,9 Watt sollen dem Medium im Betrieb genügen.
Um auf diese erstaunlichen technischen Daten zu kommen, übt das Unternehmen zunächst Verzicht, lässt die sonst in Festplatten üblichen rotierenden Magnetspeicherplatten weg. An deren Stelle treten sogenannte Flash-Speicherbausteine, wie man sie von kleinen MP3-Playern und Digicam-Speicherkarten kennt. Solid State Disks, kurz SSDs, lautet der Fachterminus für die plattenlosen Festplatten. Neu ist die Technik nicht, war bisher aber Spezialanwendungen vorbehalten und bot relativ wenig Speicherkapazität.
Samsung rühmt sich nun, die bisher genutzte Technologie deutlich weiterentwickelt zu haben. Dadurch sei es möglich, nunmehr doppelt so viele Daten wie bisher auf den Chips der SSD-Medien unterzubringen. Samsung-Manager Jim Elliott sparte angesichts der Vorstellung des neuen Produkts nicht mit Superlativen. Mit der Einführung des neuen Festplattentyps stünden Notebooks vor der zweiten Stufe ihrer technischen Evolution. "Dieser Umbruch ist mit dem Wechsel vom Sony-Walkman hin zu MP3-Playern vergleichbar", sagte Elliott.
Auch Intel setzt auf SSD
Bisher unterschieden sich SSD-Festplatten vor allem in zwei Punkten von herkömmlichen Datenträgern: Sie waren robust und sie waren enorm teuer. Samsungs aktuelles Top-Modell mit 64 Gigabyte Kapazität beispielsweise wird im Handel für rund 900 Euro angeboten. Eine herkömmliche Notebook-Festplatte dieser Kapazität ist ab 40 Euro zu haben. Zudem attestierten ihnen Tests bislang kaum überzeugende Geschwindigkeitswerte. Immerhin jedoch können sie einen vergleichsweise moderaten Stromverbrauch vorweisen.
Mit dem Anliegen, die Verbreitung von SSDs voranzutreiben, steht Samsung nicht allein da. Vor wenigen Tagen erst berichtetet das asiatische Branchenmagazin Digitimes, Intel würde planen, SSDs zu einem festen Bestandteil der nächsten Generation seiner Notebook-Technologie Centrino machen. Vermutlich Anfang Juni wird der Chip-Konzern offiziell die unter dem Codenamen Montevina entwickelte Notebook-Plattform Centrino 2 vorstellen.
Vorerst noch mit Premium-Aufpreis
Zumindest in den Oberklasseversionen dieser Laptop-Technologie sollen 80-Gigabyte-SSD-Festplatten zur Grundausstattung gehören. Intel selbst will die Geräte in zwei verschiedenen Ausführungen, als 2,5- beziehungsweise 1,8-Zoll-Varianten, herstellen. Bis Ende des Jahres, so der Bericht, werde Intel die Kapazität auf 160 Gigabyte, 2009 dann auf mindestens 250 Gigabyte hochschrauben.
In diesen Regionen angekommen, könnte die neue Technologie dann auch für die Unterhaltungselektronikindustrie interessant werden. Vorstellbar sind beispielsweise stromsparende Festplattenrekorder, die, ausgestattet mit einer SSD, als Modul direkt in Flachbild-TVs eingebaut werden. Auch die Autoindustrie hat bereits einen Blick auf die robusten Speichermedien geworfen. Sie könnten in den Navigations- und Entertainment-Systemen künftiger Pkws Filme, Musik und Navigationsdaten aufnehmen und dabei weniger anfällig auf das Rütteln und Schütteln schlecht gepflegter Straßen reagieren.
Vor allem aber dürfte längst auch Apple begehrlich auf die schlanken Speicherriesen schielen. Samsung hat angekündigt, seine 256 Gigabyte große SSD-Festplatte bis zum Jahresende auch in einer 1,8-Zoll Ausführung liefern zu können. Mit diesem Formfaktor wäre sie bestens geeignet, um einer neuen Generation von iPods als sparsamer und zugleich üppiger Datenträger zu dienen - wenn der Preis stimmt.
Was wird es kosten?
Doch noch sind die Kosten die große Unbekannte in dieser Rechnung. Sowohl Intel als auch Samsung hüllen sich bezüglich ihrer Preisplanung in dezentes Schweigen. Vorläufig jedenfalls, so viel dürfte klar sein, werden SSD-Festplatten weiterhin Premiumprodukte mit Premiumaufpreis bleiben. Der allerdings wird künftig wohl nicht mehr ganz so heftig ausfallen wie bisher.
Hilfreich dürfte hier auf jeden Fall der Beginn der Massenfertigung sein. Wie immer, wenn eine neue Technologie in den Markt eingeführt wird, gehen mit steigenden Stückzahlen sinkende Preise einher. Darauf setzt auch Samsung und argumentiert mit Zahlen des Marktforschungsinstituts iSuppli. Dessen Prognose zufolge wird der Absatz von SSD-Speichermedien bis 2012 im Durchschnitt um 124 Prozent pro Jahr zunehmen. Bis zu einem Drittel der neuen Notebooks könnten dann bereits mit SSDs anstelle herkömmlicher Festplatten ausgeliefert werden. Allerdings wird es wohl auch dann noch das preislich gesehen obere Drittel sein.
mak
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH