Mittwoch, 10. Februar 2010

Netzwelt



Notebooks

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.06.2008
 

Netbooks gegen Billig-Laptops

Mobile Rechner für 200 bis 400 Euro

Von Frank Patalong

Abgespeckte Mini-PCs sollen völlig neue Käuferschichten erschließen: Die preiswerten Netbooks sind neue Hoffnungsträger der Branche. Man kann fragen, warum eigentlich: Für das gleiche Geld bekommt man heute vollwertige Laptops. Wir haben die Angebote verglichen.

Es geschieht vergleichsweise selten, dass die Elektronikbranche eine wirklich neue Geräteklasse auf den Markt wirft. So etwas befruchtet den Markt, wenn es auf eine Nachfrage trifft - wie vor Jahren die MP3-Player. Jetzt, hofft die Branche, könnte das einmal mehr gelungen sein - mit den "Netbooks", wie ultramobile PCs nach dem Muster des EeePC von Asus inzwischen genannt werden.

Ihr Konzept ist der freiwillige Verzicht. Sie sind sehr klein, bieten relativ wenig Rechenkraft und Speicherplatz und eine oft recht reduzierte grafische Auflösung. Dafür sind sie sehr leicht, darum wirklich tragbar, gut vernetzt und bei Preisen ab 200 Euro vor allem billig. Denn bisher waren mobile Computer wie Laptops und Notebooks teuer genug, um nicht nur praktisch, sondern auch prestigeträchtig zu sein. Desktop-PCs kosten nur einen Bruchteil von dem, was man für einen technisch vergleichbaren mobilen Rechner hinlegen muss.

Deshalb herrscht in der IT-Branche derzeit Aufbruchstimmung. "Mit diesem Gerät", jubilierte Acer-Chef Gianfranco Lanci anlässlich der Elektronikmesse Computex in Taipeh, "kann man die Marktgröße für Notebooks einfach verdoppeln." Und meinte damit natürlich nicht die zahlreichen Netbooks der Konkurrenz, sondern Acers Umsetzung des Konzeptes, den "Aspire One".

Immer mehr Firmen springen auf den durch den Enwicklungshilfe-Kinderrechner OLPC und Asus' EeePC ausgelösten Trend auf. Nach zahlreichen Kleinfirmen, die schnell entsprechende Modelle vorstellten, folgen nun auch die ersten Großen. Bereits im zweiten Halbjahr 2008 wollen anscheinend alle an Bord sein - inklusive der Branchenschwergewichte. Microsoft gab auf der Computex bekannt, dass es sein abgespecktes Windows XP für Netbooks an bisher rund 20 Firmen lizenziert habe. Darunter Acer, ASUSTek, BenQ, Dell, Gigabyte Technology, Hewlett-Packard, Lenovo und Medion. Klingt, als rolle da eine Welle putzig-kleiner potentieller Weihnachtsgeschenke auf uns zu.

Die Schätzungen darüber, wie das den Markt aufrollen wird, gehen weit auseinander. Lanci hofft, dass bis 2009 weltweit 40 bis 45 Millionen Stück verkauft werden, Intel setzt auf 50 Millionen mit seinen Chips bestückte Geräte bis 2011. Allerdings wird Intel das Segment der Netbooks wohl nicht so stark beherrschen wie bei den herkömmlichen PC: Auch AMD und VIA bestücken Netbooks mit ihren Chips.

Auch die Marktforscher fühlen höchst unterschiedliche Rückenwindstärken für das Netbook. Während JP Morgan mit zehn bis 15 Millionen Verkäufen in diesem Jahr rechnet, geht IDC nur von 3,5 Millionen aus.

Erstrechner für Arme - oder Drittrechner für unterwegs?

Es wird eben darauf ankommen, wer wirklich Netbooks kauft - und warum.

Denn die Theorie, dass die abgespeckten Rechner mit ihren vergleichsweise kleinen Preisen vielen Menschen erst den Kauf ermöglichten, steht auf wackeligen Füßen. Zwar gibt es Mini-Netbooks wie den in Deutschland als One A110 vertriebenen EeePC-Klon (199 Euro) mit nur zwei GB Speicherplatz. Doch der Trend geht wieder hin zu einer Art Verzicht auf den Verzicht - mit einer Minimalausstattung, die dann doch wieder 20 bis 80 GB Speicherplatz, Windows, ein GB Arbeitsspeicher und einen etwas größeren Bildschirm von neun bis zehn Zoll umfasst. Solche Geräte aber sind erst ab etwa 350 Euro zu haben - und das ist eine echte Schallgrenze.

Denn 350 Euro ist zurzeit auch der Einstiegspreis für ganz normale Laptops. Auch das dürfte in direktem Zusammenhang mit den Netbooks stehen. Seit vergangenem Sommer befinden sich die Preise im Sturzflug. Die Zeiten von über Jahre wertstabilen Laptops sind eindeutig vorbei.

Denn inzwischen sind auch große Hersteller auf den Trend zum Billig-Laptop aufgesprungen. Wurde das Preissegment bis zum vergangenen Jahr noch von Handelsmarken beherrscht, finden sich dort nun auch Geräte vieler großer Hersteller, darunter Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens oder Acer (siehe Bildergalerie).

Und dabei geht es nicht etwa um den Abverkauf von überalteten Restbeständen. Zwar testen die Konfigurationen dieser Preiswert-Modelle die Grenzen des technisch aktuell Machbaren nicht gerade aus, aber alte Ladenhüter sind sie auch nicht. Sie sind solide und leidlich schnelle Arbeits-Laptops mit Schwächen allenfalls im Grafikbereich: kein Stoff für die Lan-Party, aber allemal fit für die tägliche Arbeit, das Internet und für den Einsatz als mobile Medienplayer.

Die stärksten Modelle verfügen mittlerweile über Intels Dual-Core-Prozessoren (2 x 1,86 GHz) und kombinieren das mit 2 GB Ram, 160 GB Festplatte und 256 MB Grafik intern - zum Schnäppchenpreis von 399 Euro.

Damit ist das Argument, Netbooks machten Laptops erst erschwinglich, ad absurdum geführt.

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH













Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern