Tokio - Badminton sieht im 3D-Fernseher so realistisch aus, dass der Zuschauer schon mal vor Schreck in Deckung geht. Und wenn der Eisbär mit den Tatzen gegen das Glas seines Käfigs kratzt, dann scheint er im Fernseher zu stecken.
Das südkoreanische Unternehmen Hyundai bietet jetzt erstmals und nur in Japan ein begrenztes Programm für 3D-Fernseher an. Es wird von Kabelnetzbetreibern viermal am Tag ausgestrahlt.
Ein paar kleine Haken hat die Sache aber noch: Man braucht nicht nur einen speziellen Fernseher samt spezieller 3D-Brillen, was mit umgerechnet rund 2500 Euro zu Buche schlägt. Auch das passende TV-Programm ist bisher äußerst bescheiden: Geboten werden bislang nur ein paar Videos von wenigen Minuten Länge am Tag. Klar, wer macht schon Programm für eine Zielgruppe, die man vorerst noch namentlich begrüßen könnte?
Hyundai hofft jedoch, mit dem 3D-Fernsehen einen bisher nahezu betonierten Markt öffnen zu können: In Japan wird der Fernsehermarkt bisher von Sony und Sharp beherrscht.
Bisherige Versuche, 3D in Film und Fernsehen einzuführen, scheiterten. Das könnte sich nun allerdings wirklich ändern: 3D-Technik wird derzeit als nächster Evolutionssprung des Kinoerlebnisses gehandelt. Alle großen Hollywood-Studios arbeiten an 3D-Filmen, im vergangenen Jahr wurde "Harry Potter und der Orden des Phönix" als angeblich erfolgreicher Versuchsballon auf die 3D-Reise durch Imax-Kinos geschickt.
In Deutschland hofft die Branche, bis Ende 2009 3D-Kinotechnik flächendeckend in allen größeren Städten anbieten zu können. Für die Kinobranche bedeutet 3D bisher ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem TV und den Filmträgermedien DVD und Blu-ray - ein Feature, das die Konkurrenz des Pantoffelkinos im Wohnzimmer bisher nicht bieten konnte.
Wie die Filmindustrie ist auch die Hardwarebranche an der Forcierung von 3D-Techniken interessiert: Sie liefert Argumente für die Anschaffung von Techniken wie Blu-ray, die über mehr Datenkapazitäten als herkömmliche DVD verfügen. Sämtliche große Elektronikkonzerne entwickeln derzeit 3D-Techniken für Flachbildfernseher. Die Zukunft wird dabei aber wahrscheinlich nicht der Brille gehören, die jetzt nicht nur Hyundai einsetzt, sondern auch bereits seit den Fünfzigern in verschiedenen Ausprägungen in Kinos zum Einsatz kommt.
Bereits 2002 präsentierte das Fraunhofer Institut auf der Hannovermesse eine 3D-Bildschirmtechnik, die ohne Brille auskommt. In ähnlicher Richtung, meist basierend auf einer Mehrschicht-Display-Technik, entwickeln auch einige Konzerne. So kündigte bereits im Sommer 2007 SeeReal Technologies bis spätestens 2010 serienreife 3D-Monitore an, für die man keine Brille mehr brauchen wird. Philipps und andere bieten bereits entsprechende Geräte für den Einsatz in der Werbung - für Heimkinofans bezahlbar sind sie noch nicht. Wohin die Reise geht, scheint dabei klar: Ziel ist natürlich die Holografie, das räumliche Bild im Raum - Star Trek lässt grüßen.
pat/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
| alles zum Thema 3D | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH