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17.12.1999
 

Millennium-Bug

Bleibt das Internet stabil?

Von Paola Di Maio

In wenigen Tagen muss auch das globale Datennetz den Jahr-2000-Test bestehen. Aber selbst beim Netzwerkriesen Cisco Systems will man für einen reibungslosen Ablauf nicht die Hand ins Feuer legen. SPIEGEL ONLINE sprach mit Michael Pilbeam, dem technischen Direktor von Cisco Großbritannien.

Auch im globalen Datennetz droht der Millennium-Bug
AP

Auch im globalen Datennetz droht der Millennium-Bug

SPIEGEL ONLINE:

Herr Pilbeam, ein großer Teil des Datenverkehrs im Internet läuft über die Systeme Ihres Unternehmens. Wie ist der Stand Ihrer Jahr-2000-Vorbereitungen?

Michael Pilbeam: Wir haben unsere Vorbereitungen schon vor langer Zeit begonnen. Zuerst haben wir unsere gesamte Software erneuert und sichergestellt, dass alle unsere Kunden Jahr-2000-sichere Versionen hatten. Bei hunderttausenden von Kunden war das viel Arbeit. Bei den Tests haben wir bei etwa fünf Prozent unserer Kunden Fehler gefunden. Die meisten halten ihre Software schon allein aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit auf dem neuesten Stand. Probleme gab es bei denen, die noch ältere Systeme benutzten.

SPIEGEL ONLINE: In einigen Tagen wird auch das Internet mit abertausenden von Computern den Datumswechsel durchlaufen. Welche Schwierigkeiten erwarten Sie durch das Jahr-2000-Problem?

Pilbeam: Es gibt keine Möglichkeit, die Auswirkungen vorherzusagen. Wir müssen von drei möglichen Szenarien ausgehen: Entweder gibt es gar keine Probleme, oder eine Menge von kleinen Zwischenfällen, oder wenige massive Ausfälle.

Unsere Pläne sind zusammen mit mehreren renommierten Beraterfirmen wie KPMG und PricewaterhouseCoopers entwickelt worden und durchliefen im Hightech-Konsortium zusammen mit Sun, Motorola und anderen eine große Anzahl von Tests. Wir haben unsere eigenen Systeme sehr sorgfältig geprüft. Es liegt in der Verantwortung unserer Kunden, dasselbe bei ihren Systemen zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Welche Systeme sind am meisten gefährdet?

Pilbeam: Das größte Risiko liegt nicht bei den Datennetzen selber, sondern bei den angeschlossenen Geräten. Netzwerke haben keine Möglichkeit, die Fehler zu korrigieren, die durch ans Netzwerk angeschlossene Geräte verursacht werden. Aber ein Jahr-2000-sicheres Netzwerk würde ein inkorrektes Datenformat erkennen und die Verarbeitung verweigern.

Unsere Kundschaft umfasst einen weiten Bereich von Unternehmen, Banken und Herstellern. Der Versorgungssektor - etwa mit Strom oder Gas - würde die gravierendsten Ausfälle verursachen, aber dieser Bereich ist nicht besonders softwareintensiv. Die datenintensiven Kommunikationsmärkte - Banken eingeschlossen - haben im Allgemeinen neuere Systeme und sind nicht so sehr zeitgebunden, so dass es einfach sein sollte, die Fehler zu entdecken. Das Hauptproblem besteht dort, wo Jahr-2000-sichere Software in Systeme mit veralteter Software integriert ist.

Wir wissen, dass alle großen Banken getestet worden sind. Die Luftfahrtgesellschaften müssen die Auflagen der jeweiligen Aufsichtsbehörden erfüllen. Wenn also Fehler passieren werden, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie eher in der Gepäckabfertigung als etwa in der Flugüberwachung auftreten. So weit wir sehen können, sollte kein großes Risiko für Leib und Leben bestehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Ihre Einsatzpläne aus?

Pilbeam: Wir haben an die am wenigsten auf das Jahr-2000-Problem vorbereiteten Kunden mit relativ alten Systemen kostenlose Software verteilt. Wir bieten bereits 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche eine Kundenberatung an. Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass wir Anrufe notfalls auch über eine externe Telefonzentrale entgegennehmen können, auf die wir auf unserer Website hinweisen.

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