Von Felix Knoke
Wer HD hat, der will es auch groß: Technischer Fortschritt sei Dank heißt das aber nicht, dass ab sofort ein Monstrum von Fernseher das Wohnzimmer dominiert. Pfiffige Heim-Cineasten werfen den bulligen Fernseher raus, hängen die Ölschinken von der Wand und einen der neuen HD-Videoprojektoren unter die Decke. Vielleicht ja einen von denen, die auf der Ifa 2008 vorgestellt werden?
Film ab: Digitale Projektoren machen das Wohnzimmer zum Heimkino
Die neuen Beamer machen das möglich: Sie sind hell, bieten tolle Kontraste und hohe Auflösungen. Mit Hilfe von Farbdrehscheiben und Spiegelchips bieten sie eine gute Bildqualität, spezielle Videochips hübschen das Bild für die Raufasertapete auf. Des einen Freud, des anderen Leid: Mit so einer Beameranlage ist man für die Branche der Kinobetreiber fürderhin als Kunde verloren.
Das Gegenmodell: Starke Schwächlinge
Aber es geht auch anders. Die wohl interessantesten Projektoren der Ifa 2008 sind lichtschwach, haben miese Kontraste und über Auflösungen redet bei ihnen lieber niemand. Dafür passen sie in die Hosentasche, gar in ein Handy, die LED-Lichtquellen halten Zehntausende Stunden, die Akkuladungen so lange wie ein Spielfilm.
Neben dem Wohnzimmerkino sind die Pico-Taschenprojektoren also der Beamertrend dieser Ifa. Perfekt für den Fahrstuhlpitch, ein schreckliches Nerv-Werkzeug in Kinderhand. Dank LED-Kraft sparen sich die Hersteller aufwendige Lüfteranlagen im Gerät und der Kunde langes Aufheizen und Abkühlen der Lampe.
Noch stehen die Pico-Projektoren jedoch am Anfang. Sie sind viel zu lichtschwach, um viel mehr als ein Spielzeug zu sein. Die Bild-Auflösungen sind zu gering. Noch ist nicht klar, wie sehr die LEDs mit der Zeit an Strahlkraft verlieren. Vor allem aber: Die Geräte kommen Ende des Jahres auf den Markt, wohl nicht gerade als Schnäppchen. Zwar halten sich die Pico-Hersteller noch mit Preisvorstellungen zurück. Projektorproduzent Optoma veranschlagt aber zunächst "zwischen 300 bis 400 Euro" für seine Taschenlampen. Ganz schön happig. Als Preisbrecher betätigt sich einmal mehr der Versender Pearl, der einen Mini-Projektor für 169 Euro ankündigt.
Verbesserungen im Detail
Abseits von DLP und HD, LED und Pico tut sich dann aber auch nur wenig auf dem Beamermarkt. Projektor-Experte Andy Heß stellt eine Konsolidierung fest: DLP-Chips und HD-Auflösung sind längst Standard, die meisten Hersteller arbeiten an Weitwinkel-Linsen, mit denen das Bild auch aus kleinen Distanzen scharf dargestellt werden kann.
Toshiba versucht sich an zwei Lampen für höhere Leuchtkraft im Meetingraum, und der ein oder andere Hersteller experimentiert mit neuen Warmluft-Kanälen, die nicht mehr dem Zuschauer ins Gesicht blasen. Auch an den adaptiven Blenden wird weiter gefeilt - ihre Wirksamkeit ist bei Experten umstritten. Und selbst an den LCD-Panels, quasi der alten Projektormasche, wird noch mit Filtern gefeilt. Details, Details, Details.
Ein fast stiefmütterliches Dasein fristet dabei der DLP-Konkurrent LCoS. Der kann gerüchteweise zwar enorm scharfe Bilder liefern, schafft es aber aus irgendwelchen anderen Gründen nicht so richtig auf den Markt. Als Zukunftstrend sieht Andy Heß LEDs kommen - auch wenn die ihm sein Geschäft mit dem Austausch von Beamer-Lampen vermasseln ...
DLP ist also der neue Standard, LCD stirbt aber nicht aus. HD-Geräte werden günstiger, man schraubt an Details. Was dabei an interessanten Neuigkeiten herauskommt, stellt SPIEGEL ONLINE im Überblick vor.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
| alles zum Thema Ifa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH