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Entwicklungsprojekt Satelliten-Web für die Dritte Welt

Es ist ein ambitionierter Plan: Das Unternehmen O3b will Datendienste per Satellit bis in die letzte Hütte bringen - zu bezahlbaren Preisen. Potente Geldgeber wie Google und die HSBC-Bank finanzieren das gewagte Projekt.

Google dreht voll auf. Nachdem sich der Konzern schon für umweltfreundlichen Strom einsetzt, will er jetzt auch noch das Internet in die Dritte Welt bringen. Das Unternehmen stieg als Geldgeber in ein großangelegtes Projekt ein, dessen Ziel es ist, Entwicklungsländer mit schnellen und bezahlbaren Daten- und Kommunikationsdiensten zu versorgen. Dessen Name ist Programm: O3b Networks heißt die für das Projekt gegründete Firma. O3b steht hier für "other 3 billion", also die anderen drei Milliarden.

Billige Internet-Verbindungen für Schwellenländer: Das Unternehmen O3b Networks will es mit Satelliten schaffen

Billige Internet-Verbindungen für Schwellenländer: Das Unternehmen O3b Networks will es mit Satelliten schaffen

Gemeint sind jene rund drei Milliarden Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die bis heute vom Internet und modernen Kommunikationsdiensten ausgeschlossen sind. Weite Teile Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und des Nahen Ostens verfügen über keine oder nur rudimentäre Internet-Infrastruktur. Der Grund für den Mangel ist Geldknappheit: Glasfaser- oder Kupferkabel in entlegene Regionen zu verlegen, ist teuer und aufwendig, die resultierenden Online-Gebühren wären viel zu hoch für die Bevölkerung - doch das soll sich bald ändern.

Initiator von O3b ist Greg Wyler. Der US-Bürger hat sich schon vor Jahren einen Namen gemacht, als er in Ruanda eines der modernsten Mobilfunknetze der Welt aufbauen ließ. Doch das war dem engagierten Jungmillionär bei weitem nicht genug. Jetzt will er gleich ganze Kontinente mit billigen Netzwerkverbindungen versorgen.

Ab 2010 soll es losgehen

Statt per Kabel will Wyler die Schwellenländer künftig per Satellit ans Internet anschließen. Derzeit plant er 16 mit Hightech vollgestopfte Kommunikationssatelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen. Jeder davon soll eine Gesamtübertragungskapazität von 160 Gigabyte pro Sekunde bereitstellen, die in Paketen zu ein bis zehn Gigabyte pro Sekunde abgerufen werden kann. Am Boden sollen die Datenströme über Relaisstationen in lokale Kabelnetze eingespeist oder via 3G- und Wimax-Technik drahtlos verbreitet werden. Die ersten dieser Satelliten könnten Ende 2010 betriebsbereit im Orbit hängen, verspricht der Satellitenhersteller Thales Alenia Space.

Normalerweise wäre eine solche Technik für Schwellenländer vollkommen unerschwinglich. Zu teuer sind Satellitenverbindungen üblicherweise. Doch Wyler löste das Problem, indem er die Leistung der Satelliten drastisch erhöhte, also pro Trabant mehr Daten transportieren lässt. Um das zu erreichen, müssen die Satelliten auf niedrigeren Flugbahnen als sonst üblich um die Erde kreisen.

Niedrige Flugbahn, hoher Durchsatz

Normalerweise werden Kommunikationssatelliten in eine sogenannte geostationäre Umlaufbahn gelenkt. Deren Vorteil ist, dass der Erdumlauf eines Satelliten in dieser Bahn exakt so lange dauert wie eine Erdumdrehung. Der Satellit scheint dadurch quasi unbewegt über einem Fixpunkt an der Erdoberfläche aufgehängt zu sein. Der Nachteil: Die geostationäre Umlaufbahn befindet sich in einer Höhe von 35.880 Kilometern über der Erde. Aufgrund der großen Entfernung sind Signalverzögerungen unvermeidlich, die maximale Datenrate begrenzt.

Die O3b-Satelliten hingegen sollen sich in wesentlich niedrigeren Bahnen um den Planeten winden und dadurch schnellere Datenübertragungen bewerkstelligen. Der Trick dabei: Die Empfangs- und Sendestationen am Boden stehen nur für jeweils zehn Minuten mit jeweils einem Satelliten in Kontakt. Während dieser Zeit sorgt eine drehbare Antenne für eine gleichbleibend gute Verbindung. Verschwindet der Satellit am Horizont, schaltet die Basisstation auf den nachfolgenden Satelliten um.

Eine halbe Milliarde Euro

Insgesamt rund 45 Millionen Euro investierten Google, die Bank HSBC und Greg Wyler bisher in das Projekt. Doch damit dürfte die Finanzierung noch lange nicht gedeckt sein. Die "Financial Times" rechnet in ihrer Dienstagsausgabe vor, dass mehr als 71 Millionen Euro Entwicklungskosten anfallen dürften. Hinzu kommen etwa 25 Millionen Euro pro Satellit. Insgesamt müssen die Partner also fast eine halbe Milliarde Euro aufbringen, um ihr System einsatzbereit zu machen.

Viel Geld - umgerechnet auf die Zahl der Menschen, die durch das System künftig Zugriff auf das Internet bekommen sollen, aber fast schon wieder ein Spottpreis. Pro Nase sind das knapp 17 Cent. So viel dürfte es wohl wert sein, das World Wide Web endlich wirklich zu einem weltweiten Netz zu machen.

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