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14.10.2008
 

Laptop-Show

Apple verbilligt das MacBook - ein bisschen

Von Frank Patalong

Ein paar Neuerungen wurden erwartet, aber das nicht: Apple renoviert alle Modelle seiner Laptop-Palette. Das MacBook Pro bekommt eine kräftigere Grafik, das Einsteigermodell ist für 999 Dollar zu haben. Gerüchte über Gesundheitssorgen sprach Konzernchef Jobs an - zerstreuen konnte er sie nicht.

Normalerweise behält sich Apple die ganz großen Produktveröffentlichungen für die ganz großen Events vor. Dieses Kriterium hat der am Dienstag angesetzte Laptop-Termin nicht erfüllt. Die erwartungsvolle Spannung der Öffentlichkeit hat das kaum gedämpft - von dieser Regel hat es schon genug Ausnahmen gegeben. So stellte Apple auch jenes Produkt in der kleinen firmeneigenen Halle vor, das das Unternehmen später von Grund auf veränderte - den iPod.

Bereits seit Wochen hatte es, wie wir das von der Apple-Community kennen, in der Gerüchteküche kräftig gebrodelt. Diffuse Fotos von der Unterseite angeblicher Neu-Laptops hatten es auf Apple-Websites zu Aufmacher-Ehren gebracht. Gerüchte über Touchscreens, mögliche Apple-Fernseher oder aus Aluminium-Blöcken herausgeschnittene Laptop-Chassis hatten die Phantasie der Fans beflügelt.

Apple-Chef Steve Jobs ließ die anwesenden Journalisten nicht warten: Pünktlich um zehn Uhr am Morgen pazifischer Zeit (19 Uhr in Deutschland) betrat er die Bühne, wie üblich in der Jobs-Uniform aus Jeans und Pullover. Die Dramaturgie sah vor, die Pressevertreter erst einmal auf die Folter zu spannen: Jobs ließ einen Angestellten eine locker-flockige Bilanz der Entwicklung des Unternehmens ziehen, bevor es zur Sache ging.

Seitenhiebe in Richtung Microsoft und insbesondere Vista brachten ihm Lacher ein und demonstrierten ein starkes Selbstbewusstsein - vielleicht, um von vornherein Fragen über Apples zuletzt schwächelnden Aktienkurs abzuwenden. Überdeutlich darum der Verweis auf die Quartalszahlen, die Apple wieder als hoch profitables Unternehmen zeigten.

Alles neu

Doch Apple lebt nicht vom Nimbus der Profitmaschine, sondern vom Ruf, ein Innovator auf dem IT-Markt zu sein. Das Prinzip verdeutlichte Jobs anhand einer Demonstration eines neuen Produktionsverfahrens für Laptops, nach dem schon das ultradünne MacBook Air gefertigt wurde: Der Korpus des Laptops wird aus einem 2,5 Pfund schweren Aluminiumblock regelrecht herausgeschnitzt, bis er als zentrale tragende Einheit nur noch knapp ein Viertelpfund wiegt. In dieses Bauteil werden die anderen Komponenten eingelassen.

Dieses "Unibody"-Bauprinzip liege nun auch den neuen Geräten zugrunde, erklärte Apple-Designer Jonathan Ive. Jobs übernahm die Vorstellung der weiteren Zutaten, die zusammen das erste vorzustellende neue Produkt ergeben: das neue MacBook Pro - traditionell Apples leistungsstärkste Geräteklasse für den professionellen Einsatz. Für mehr Leistung soll diesmal ein neuer Chipsatz von Nvidia sorgen. Die GeForce 9400M soll angeblich fünfmal mehr leisten als Grafik-Chipsätze von Intel.

Selbst das aber scheint den Produkt-Strategen von Apple nicht gereicht zu haben. Mit der GeForce 9600M GT verbaut Apple noch eine zweite Grafikkarte, die sich quasi als Turbo zuschalten lässt. Das allerdings geht dann auf Kosten der Akku-Laufzeit, die sich um 20 Prozent auf angeblich immer noch vier Stunden verkürzt.

Und auch der letzte Kandidat aus der Gerüchteküche kommt zu Ehren: der Touchscreen. Den verbaut Apple diesmal als Trackpad im Notebook, das ist das Feld, über das man per Fingerbewegung die Maus auf dem Bildschirm steuert. Dieser Trackpad kann nun mehr als seine Ahnen, weil seine Technik dem iPhone entlehnt scheint: Der Pad erfasst die Bewegungen von bis zu vier Fingern. Wie auf Apples Handy lassen sich so per Fingerzug Objekte manipulieren. Auf Tasten verzichtet die kleine Steuereinheit dagegen völlig: Das Ding hört auf einen Finger-Tipper.

Wie von den Insidern erwartet ist das Highend-Notebook also aus einem Alu-Stück gefertigt, verfügt über eine neue, kräftigere Grafik und über ein Touchscreen-Element, wenn man so will. Ansonsten ändert sich erst einmal wenig: Bildschirm und Tastatur ähneln stark dem Vorläufermodell.

Das alles ist edel, aber wenig überraschend: Selten zuvor lagen die Gerüchteköche so richtig wie bei diesem Edelprodukt. Doch die Überraschung blieb dennoch nicht aus, denn an die Stelle der Spekulationen über ein oder-oder-oder trat nun ein und-und-und: In den folgenden Minuten bestätigten Ive und Jobs auch noch den ganzen großen Rest der Gerüchte der vergangenen Tage. So renoviert Apple nun auch die MacBook-Air-Serie, gönnt ihr zwei neue Modelle. Mit dem "Next Generation MacBook" stellte Apple zudem eine neue Einsteigerklasse vor, die bereits ab 999 Dollar in den Verkauf geht - für Apple-Verhältnisse ist das wenig. Analysten hatten teilweise erwartet, dass das Einstiegsmodell sogar für 899 Dollar verkauft wird - trotz Wirtschaftskrise hofft Apple offenbar weiter, mit seiner Preisstrategie punkten zu können.

Kein "One more thing"

Auf die ziemlich genau eine Stunde dauernde Produkt-Show folgte im Anschluss eine kurze Pressekonferenz, die zur Klärung eventueller Nachfragen dienen sollte. Die erste Frage ging an Jobs, und natürlich betraf sie das Thema, das die Fans mehr als jedes neue Laptop-Design bewegt: Wie, wollte der Frager wissen, steht es um Jobs Gesundheitszustand?

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte vor Wochen versehentlich einen Nachruf auf den Apple-Chef veröffentlicht, der in der Vergangenheit wegen einer Krebs-Erkrankung behandelt worden war. Seitdem waren die auch Gerüchte um seinen Zustand nicht mehr verstummt - gefährlich für ein börsennotiertes US-Unternehmen, das so sehr auf eine charismatische Leitungsfigur zugeschnitten ist.

Jobs Antwort fiel kühl bis cool aus: Sei Blutdruck liege bei 110/70, sagte er, und blendete ein passendes Bild im Hintergrund ein. Mehr sagte er nicht.

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