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23.10.2008
 

E-Books

"Nicht jeder Kunde verhält sich logisch"

Axel Nehen ist Pragmatiker: Zum einen will der Chef des Verlages Addison-Wesley sein Programm als E-Books veröffentlichen, zum anderen hält er den Hype für überzogen. SPIEGEL ONLINE erklärte er, was noch fehlt zum Boom des elektronischen Buches.

SPIEGEL ONLINE: Laut einer aktuellen Studie wird das Gros der gekauften Bücher nie gelesen, sondern landet als Schmuck im Regal. Bei E-Books fehlt dieser Anreiz: Fürchten Sie da nicht, künftig weniger zu verkaufen?

Axel Nehen ist Verleger von Pearson Education Deutschland (Addison-Wesley, Markt+Technik, Pearson Studium u.a.)
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Axel Nehen ist Verleger von Pearson Education Deutschland (Addison-Wesley, Markt+Technik, Pearson Studium u.a.)

Axel Nehen: Auf dem Buchmarkt, so wie wir ihn bisher kennen, ist der Verkauf von etwas, das haptisch nicht greifbar ist, sicher schwierig. Wir reagieren darauf mit der Idee, das E-Book greifbar zu machen. Wir sind bisher der einzige Verlag, der Bücher im dualen Format, wie wir das nennen, auf den Markt bringt. Einmal als herkömmliches Buch, und dann im E-Book-Format. Aber eben nicht nur als Download, was wir ja schon seit Jahren anbieten, sondern auch als E-Book für Leute, die gerne in der Buchhandlung kaufen. Wir brennen das Buch auf CD und gönnen ihm eine ansprechende Verpackung, die man auch ins Regal stellen kann.

SPIEGEL ONLINE: Aber der Online-Verkauf liegt beim Fach-E-Book doch viel näher. Das macht die Bücher sogar Update-fähig ...

Nehen: Logischer ist das auf jeden Fall, aber man darf nicht erwarten, dass sich jeder Kunde immer logisch verhält. Viele Buchkäufer haben ein Problem damit, Geld für etwas auszugeben, das man nicht anfassen kann. Es gibt ihnen ein wohligeres Gefühl, etwas zu kaufen, dass man an einem vertrauten Ort erstanden hat und das man dann auch nach Hause tragen kann.

SPIEGEL ONLINE: Über dieses Verkaufsmodell könnten ja die Lexikonverleger eine Menge erzählen. Die haben Mitte der Neunziger den Schritt vom Buch zur CD gemacht und sterben jetzt am Download. Fürchten Sie nicht, dass Ihnen der Buchverkauf wegbricht durch solche elektronischen Formate?

Nehen: Wir bieten seit Jahren Downloads an, die auch ihre Kunden finden. Nicht aber in einer Größenordnung, die Rückschlüsse darauf zulassen würde, wie diese Variante den Buchverkauf beeinflusst. Wir rechnen aber auch nicht damit, dass dies in den nächsten Jahren Größenordnungen annehmen wird, die stark spürbar sein werden. Das E-Book ist zurzeit natürlich ein Thema, das sehr heiß gehandelt wird. Aber im Ernst rechnet niemand damit, dass sich der Markt maßgeblich vom Buch zum E-Book verlagern wird.

SPIEGEL ONLINE: Auch nicht im Fachbuch-Bereich?

Nehen: Da ist das E-Book sehr sinnvoll. Es gibt inzwischen auch Update-Services für solche elektronischen Bücher. Wie das weiter geht, wissen wir nicht, aber wir setzen darauf, Kunden das Buch in unterschiedlichen ansprechenden Formen anzubieten, so dass sie weiter zu uns kommen.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt sind die neu vorgestellten E-Book-Reader ja noch pragmatische kleine Schwarzweiß-Displays, die sich für aufwendigere Darstellungen noch nicht eignen. Für welches Format, für welche Lesemedien haben Sie sich entschieden?

Nehen: Wir haben uns für etwas entschieden, was unabhängig vom Lesegerät und jedem in unserer Zielgruppe vertraut ist: das PDF. Wir bilden das Buch eins zu eins ab und reichern es um Funktionen wie zum Beispiel Index-Links an.

SPIEGEL ONLINE: Keine Entscheidung zugunsten eines der schicken, neuen Gadgets?

Nehen: Ein proprietäres Format wie beim Kindle widerspricht der Alltagserfahrung, dass man jedes Buch von jedem Anbieter lesen kann. Es wäre schade, wenn man diese Möglichkeit verlöre. Wir legen uns deshalb nicht fest auf irgendeine Vermutung, wie die Kunden sich verhalten, was sie als Lesegerät nutzen werden. Wir wissen es nicht. Es wird sich herausstellen, was die Kunden interessiert und was nicht. Möglich, dass das Format E-Book für Netzwerktechniker interessanter ist als für Fotografen.

SPIEGEL ONLINE: Oder für Diebe?

Nehen: Diebe haben wir überall auf der Welt, es hat sie immer gegeben. Die Bedrohung durch Diebstahl gilt für das E-Book wie für alle anderen Produkte. Wir tun im Rahmen des technisch möglichen alles, um Diebstahl zu verhindern. Wir werden aber kaum verhindern können, dass das eine oder andere E-Book kopiert wird. So wenig, wie wir verhindern können, dass draußen in den Copyshops mal ein Buch fotokopiert wird. Ich vertraue auf die Ehrlichkeit unserer Kunden. Das E-Book ist für uns eine Gelegenheit nachzuweisen, dass der Wert eines Buches aus seinen Inhalten besteht und nicht aus dem, was es kostet, Papier zu bedrucken.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele wollen Sie denn anbieten?

Nehen: Das Programm von Addison-Wesley ist als E-Book in der physischen Variante geplant, die den Charme hat, auch den Handel einzubeziehen. Was die Bücher der weiteren Verlage angeht, belassen wir es zunächst bei Experimenten.

SPIEGEL ONLINE: Und wird das E-Book für mich als Kunden auch ein Schnäppchen?

Nehen: Nein, ich glaube, es wäre ein Fehler, wenn man über den Preis versuchte, das eine oder andere Format durchzusetzen. Bei uns haben alle Produktvarianten den gleichen Preis, weil wir nicht wollen, dass ein Kunde, durch den Preis verführt, die falsche Entscheidung für sich trifft. Und dann am Ende mit einem Produkt dasteht, das ihm nicht gefällt und dann den Verlag für diese Fehlentscheidung hasst. Wir wollen nicht das E-Book fördern, sondern den Kunden, die das wollen, die Gelegenheit geben, eines zu kaufen. Wenn sich die Mehrheit weiter für das gedruckte Buch entscheidet, dann ist das uns recht. Wir sind nicht auf einem Kreuzzug, das elektronische Buch durchzusetzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber es ist ja wohl kaum ein Zufall, dass Sie gerade jetzt, wo Amazons Kindle und Sonys Lesegerät so in der Diskussion stehen, mit Ihrem E-Book-Programm kommen.

Nehen: Es mag durchaus sein, dass wir dadurch ein wenig mehr Aufmerksamkeit für unser Programm ernten. Aber das Thema E-Book ist für uns ja nicht neu, auch das Format, in dem wir unsere E-Books nun anbieten, haben wir ja seit acht, neun Jahren. Wir haben, wie gesagt, auch schon seit Jahren E-Books als Downloads angeboten. Wir sind eigentlich eher ein wenig amüsiert, dass das alles nun ohne echten erkennbaren Grund plötzlich so aufregend wird und alle so tun, als gäbe es das Konzept E-Book erst seit heute.

SPIEGEL ONLINE: Aber es gibt doch einen Grund: Früher gab es nur teure, unhandliche Geräte, jetzt kommen schicke, günstigere Apparate.

Nehen: Ja, jetzt kommen Geräte, die man gern haben möchte, mit denen man gesehen werden will. Aber das allein ist wahrscheinlich zu wenig, um den sich ja sehr, sehr langsam vollziehenden Wechsel zum E-Book herbeizuführen. Da bedarf es vielleicht einer anderen Form des Anreizes. Wenn ich da mal phantasieren darf: Wenn etwa Eltern die Möglichkeit sähen, ihren Kindern das Schleppen schwerer Schultaschen zu ersparen. Wenn Schulbücher bis hin zum Grundschulbuch als E-Book verfügbar wären. Das wäre doch eine vernünftige Vision: Ein kleines Lesegerät in der Tasche statt eines schweren Tornisters auf dem Rücken. So etwas könnte dafür sorgen, dass der Wechsel sich dann doch sehr schnell vollzieht.

SPIEGEL ONLINE: Manche Ihrer Kollegen im belletristischen Bereich befürchten gerade den Untergang des christlichen Abendlandes. Was würden Sie denen raten in Sachen E-Book?

Nehen: Ich würde ihnen sagen, dass sie zusehen sollten, an diesem Untergang möglichst nicht zu partizipieren. Ich glaube, das Abendland hat schon mehr ausgehalten als einen sich andeutenden Medienwechsel. Man muss das alles mit Gelassenheit sehen.

Die Fragen stellte Frank Patalong

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24.10.2008 von M@ESW: :

Nun hat ein PC Spiel locker 4 Gigabyte und ein Text-Ebook hat 0,5 Megabyte (mit vielen Bildern wird mehr, klar) mehr...

24.10.2008 von DJ Doena: Manche?

Und weil _manche_ Menschen es nicht wollen, wird es sich nicht durchsetzen? Gehört zu diesen "manchen" der geheime Welt-Imperator? mehr...

24.10.2008 von ramarama: Warum das ebook sich nicht durchsetzt !

Weil manche Menschen abends (und im Urlaub) keine technischen Geräte WOLLEN ! Wenn ich abends gemütlich vor dem offenen Kamin sitze und ein Buch lese, dann will ich keine Menüs bedienen und Knöpfe drücken ! NEIN, NEIN, NEIN ! [...] mehr...

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