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28.10.2008
 

Version 7

Microsoft verspricht schöne, schnelle Windows-Welt

Besser, einfacher, entschlackt: Microsoft hat erstmals Windows 7 vorgestellt, die lang erwartete Weiterentwicklung des umstrittenen Vista. Der Konzern nimmt sich viel vor - zusammen mit einem großen Internet-Office-Paket will er endlich raus aus der Defensive gegen Google und Apple.

Hamburg/Los Angeles - Erstmals hat der weltgrößte Software-Hersteller Microsoft einen Blick auf sein neues PC-Betriebssystem freigegeben. Windows 7, der Nachfolger des Betriebsystems Vista, soll vor allem schneller und übersichtlicher werden, versprach der US-Konzern bei der Vorstellung einer noch vorläufigen Version auf einer Entwicklerkonferenz am Dienstag in Los Angeles. Der Marktstart wird spätestens für Anfang 2010 erwartet.

Im Kampf gegen die Internet-Bürosoftware von Google kündigte Microsoft außerdem umfassende eine Online-Versionen seines Bürosoftware-Pakets Office an. Diese soll sowohl mit dem eigenen Browser Internet Explorer als auch mit den Konkurrenzprodukten Firefox und Safari funktionieren. Einstiegsvarianten will man kostenlos anbieten.

Mit den Neuheiten bei Windows und Office geht Microsoft in die Offensive - was lange erwartet wurde angesichts des Konkurrenzdrucks. Bei der Bürosoftware hat Google mit seinen kostenlosen Internet-Anwendungen den Kampf erklärt, beim Betriebssystem sichert sich vor allem Apple zusehends Marktanteile.

Das neue Windows 7 soll auch auf alten Geräten schneller laufen. Es werde flotter sein als Vista und weniger Ressourcen des Computers fressen, versprach Entwicklungschef Steven Sinofsky. Bisher geht der Boom der sogenannten Netbooks weitgehend an Vista vorbei, weil es für die abgespeckten Mini-Laptops zu schwerfällig ist.

Benutzerführung soll einfacher werden

Das neue Betriebssystem soll den PC noch enger mit dem Internet und mit Handys verbinden. "Zusammen sind sie viel mehr wert als allein", sagte Microsofts Software-Chefarchitekt Ray Ozzie. "Wir holen das Beste aus dem Web zu Windows und bringen das Beste aus Windows ins Netz." Dem Branchendienst CNet zufolge wird am Anfang kein Willkommensbildschirm wie bei Vista angezeigt, sondern eine Anmeldeseite des Onlinedienstes "Windows Live". Die Bluetooth-Anbindung soll durch ein neues Hilfsprogramm stark vereinfacht werden.

Außerdem verspricht der Konzern, Windows 7 werde im Vergleich zu Vista leichter bedienbar. Die Nutzer sollen mehr selbst entscheiden und individuell gestalten können - und weniger Rückfragen des Systems erhalten, die von vielen bei Vista als störend empfunden werden.

Die Taskleiste am Bildschirmrand ist CNet zufolge neu gestaltet, um sich zwischen vielen geöffneten Fenstern besser zurechtzufinden. Gadgets sollen überall auf dem Bildschirm positionierbar sein und nicht nur in der Seitenleiste. Die Benutzerführung vieler Programme wurde überarbeitet; so sollen Suchergebnisse und zuletzt geöffnete Dateien übersichtlicher dargestellt werden.

Der Konzern scheint außerdem auf einen Boom von Touchscreen-Computern zu setzen. Windows 7 soll sich besser auf Mausgesten-Erkennung verstehen, wie sie weithin vor allem vom Browser Firefox bekannt ist. Mit einer solchen Gestenunterstützung könnten auch Programme, die nicht speziell für Touchscreens entwickelt wurden, per Fingerdruck oder -wisch bedient werden.

Nutzer sollen mehr selbst entscheiden können

Experten sprachen nach den ersten Eindrücken bei der Präsentation von einer deutlichen Überarbeitung von Windows, die viele Anwendungen leichter und weniger fehleranfällig mache. Allerdings sei das Betriebssystem nicht umfassend neu, sondern wie erwartet eine Weiterentwicklung von Vista.

"Der generelle Eindruck ist, dass Vista eine beschädigte Marke ist - also erfordert es von Microsoft, etwas Neues zu verkaufen, selbst wenn es in puncto Technologie kein Quantensprung ist", sagte Toan Tran, ein Analyst von des Investmentunternehmens Morningstar. Die Microsoft-Aktie reagierte am Dienstag in etwa wie der gesamte US-Handel mit Gewinnen.

Die Windows-Familie für PCs, Server und Handys ist für Microsoft eine der wichtigsten Ertragssäulen. Das vor knapp zwei Jahren gestartete Vista - 180 Millionen Mal wurde es bisher verkauft - erfüllte bislang die Erwartungen nicht und musste viel Kritik einstecken. Zahlreiche Kunden blieben bei einer früheren Windows-Version und warten nun auf Windows 7.

Jeder Microsoft-Ingenieur soll bei der Arbeit an Windows 7 eine Spruchsammlung mit Zen-artigen Slogans bekommen haben, etwa: "Reduziert die Konzepte, erhöht die Zufriedenheit".

Microsoft folgt vor allem mit seinem Internet-Office-Paket (siehe Fotostrecke unten) einem aktuellen Trend in der Computerbranche. Anstelle des einzelnen PCs und darauf installierter Software stehen immer mehr das Internet und verschiedene Online-Services im Mittelpunkt. Die Nutzer müssen die Büro-Software künftig nicht mehr auf ihrem Computer installiert haben. Sie können Dokumente einfach via Internet-Browser erstellen und bearbeiten. Bisher standen diese Microsoft-Programme online nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Anfang 2009 soll eine komplette Betaversion des neuen Betriebssystems Windows 7 erscheinen. Mit solchen Vorab-Versionen holen sich Softwarehersteller das Feedback von möglichst vielen Testern, ehe das endgültige Programm auf den Markt kommt. In der Branche wird je nach Verlauf der Tests auch ein Start schon Ende 2009 nicht ausgeschlossen, spätestens aber 2010 soll es soweit sein.

Microsoft will nicht den gleichen Fehler wie bei Vista wiederholen. Damals wurden Deadlines vorgegeben, die am Ende nicht einzuhalten waren.

Erst am Montag hatte Microsoft im Zuge seiner Web-Offensive ein neues Angebot names Windows Azure für das Internet vorgestellt. Unternehmen sollen dadurch künftig Microsoft-Produkte über das Web nutzen und große Rechneranlagen an den US-Konzern auslagern können.

Bei Microsofts Entwicklerkonferenz PDC (Professional Developers Conference) informieren sich rund 6500 Programmierer und Kunden noch bis Donnerstag über die neuesten Entwicklungen des US-Konzerns.

flo/dpa/AP/Reuters

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