Von Matthias Kremp
Windows 7 wird etliche Details bieten, die man sich eigentlich schon für Windows Vista gewünscht hat.
Die wohl wichtigste Änderung gegenüber Vista ist, dass Windows 7 nicht höhere, sondern niedrigere Ansprüche an die Hardware stellen soll. Für Vista hat Microsoft die Latte so hoch gelegt, dass viele ältere Computer daran scheitern, was allein nicht weiter schlimm wäre. Ein erheblicher Verlust ist aber, dass Vista ausgerechnet auf den derzeit ungemein populären Netbooks und Nettop-PCs nicht lauffähig ist, weil es nach einer größeren Festplatte, einem größeren Bildschirm und einer kräftigeren Grafikkarte verlangt, als sie die meisten Netbooks mitbringen. Aus diesem Grund musste der Konzern sich dazu durchringen, anders als geplant Windows XP weiterhin anzubieten, zumindest als Betriebssystem für Netbooks.
Windows 7 soll sich dagegen weit anspruchsloser geben, auch mit billiger Hardware rund laufen. Wie um das zu beweisen, demonstrierte Microsoft-Manager Steven Sinofsky auf der Entwicklerkonferenz PDC 2008 in Los Angeles eine Vorabversion von Windows 7 auf einem Netbook.
Ausgestattet mit einem 1 Gigahertz-Prozessor und einem Gigabyte Arbeitsspeicher war das nicht gerade ein Highend-Rechner. Vorsicht ist angesichts solcher Demonstrationen allerdings geboten. Schließlich enthält die aktuelle Windows 7-Version noch nicht alle Funktionen, die Microsoft für das endgültige Produkt versprochen hat. Auf jeden Fall aber zeigt die Netbook-Demo, dass man sich bei Microsoft ernsthaft bemüht, das künftige Windows schneller und kleiner zu machen als seinen Vorgänger.
Multitouch für Fingerbedienung
Dass Windows 7 auf Touchscreen-Bildschirmen wie ein iPhone bedienbar ist, ist an sich hübsch. Der reale Nutzen aber ist noch fraglich. Versuchen Sie doch mal, ein paar Minuten lang alle Aktionen, die Sie mit der PC-Maus durchführen, parallel dazu auf ihren Bildschirm per Fingerzeig nachzuvollziehen. Sie werden merken: Nach ein paar Minuten wird das ziemlich anstrengend. Für mobile Computer dagegen könnte eine Touch-Oberfläche ganz neue Möglichkeiten eröffnen.
So wären ultraflache, tastaturlose Tablet-PCs denkbar, auf denen man Buchstaben über eine virtuelle Tastatur eingibt. Vor allem aber böte sich die Gelegenheit, die kleinen und leichten Netbooks leichter bedienbar zu machen. Jerry Chen, Chef des Netbook-Erfinders Asus, hat so etwas bereits in Aussicht gestellt. In einem Interview kündigte er an, Asus werde in der zweiten Jahreshälfte 2009 einen Eee PC mit Touchscreen und Windows 7 auf den Markt bringen. Microsofts Managern dürfte diese Ankündigung freilich auf den Magen schlagen. Schließlich soll das neue Windows nach ihrer Planung erst 2010 in den Handel kommen.
Schönere Grafik, die weniger Ansprüche stellt
Wie das Windows-7-Blog iststartedsomething berichtet, wird das künftige Windows neue Grafikfunktionen nutzen, die unter der Bezeichnung Direct3D 10.1 entwickelt wurden. Dieses Update bietet neben teilweise hübscherer Optik vor allem einen Vorteil: Die Grafikkarte braucht um bis zu 50 Prozent weniger Arbeitsspeicher.
Das kommt vor allem billigen Notebooks zugute, die dadurch ein paar Dollar preiswerter produziert werden können. Entsprechende Grafikkarten sind derzeit allerdings noch nicht Standard. Wer jetzt aufrüstet und eines Tages auf Windows 7 umsteigen möchte, sollte beim Kauf einer neuen Grafikkarte allerdings schon jetzt auf Kompatibilität zu DirectX 10.1 achten.
Power per Prozessor: Bis zu 256 CPUs
Man kann aber auch ganz anders. Wenn es so richtig zur Sache gehen soll, wird Windows 7 auch Rechner bis zum Anschlag ausreizen können, deren Fähigkeiten und Ausstattung weit über jedes gewohnte Maß hinausgehen. Dazu gehört es beispielsweise, dass es PCs mit bis zu 256 Prozessoren wird antreiben können. Windows Vista hingegen kann in der 32-Bit-Version maximal 4 Prozessoren und in der 64-Bit-Fassung höchstens 64 Prozessoren ansteuern.
Eine Diskussion über solche Zahlen mag derzeit noch müßig erscheinen, könnte aber in wenigen Jahren wichtig werden. Bei Servern sind Multiprozessorsysteme schon lange üblich, bei Desktop-PCs könnten sie es bald werden. Je besser Software darauf ausgerichtet ist, die Leistung solcher Systeme auszunutzen, umso mehr könnte man von Mehrprozessor-PCs profitieren. Mit der Einführung von Dualcore- und Quadcore-CPUs, die mehrere Prozessorkerne in sich vereinigen, legen Firmen wie Intel und AMD derzeit die Grundlage für den Nutzen solcher Software.
Damit können Sie rechnen: Die Grafikkarte hilft mit
Aber die Hauptprozessoren werden zukünftig nicht die einzigen sein, die die Leistung eines PCs bestimmen. Stattdessen werden Grafikkarten den CPU-Chips künftig unter die Arme greifen, wenn es darum geht, besonders rechenintensive Aufgaben zu erledigen, also beispielsweise hochauflösende Videos zu berechnen.
Auf diese Weise könnte die bislang brachliegende Leistung der Bildbeschleuniger auch für andere Aufgaben als 3D-Spiele genutzt werden. Apple hat bereits angekündigt, entsprechende Funktionen in die nächste Version von Mac OS X einzubauen. Es wäre verwunderlich, wenn Microsoft da nicht nachziehen würde.
Der PC merkt alles: Sensoren inside
Windows 7 soll sich - anders als bisherige Windows-Varianten - seiner Umgebung quasi bewusst werden, enthält eine spezielle Software-Schnittstelle für allerlei unterschiedliche Sensoren. In einem Chart klärt das Unternehmen darüber auf, dass hierzu beispielsweise GPS-Empfänger, Beschleunigungs- und Temperatursensoren, Lichtdetektoren und Mikrofone gehören können. Denkbar ist es auch, dass sich das Gerät via Internet mit Informationen über die Verkehrslage und das Wetter versorgt.
Derart informiert soll das Betriebssystem so simple Aufgaben erfüllen wie eine automatische Regelung der Bildschirmhelligkeit. Es könnte aber auch Erinnerungen an anstehende Termine automatisch vorverlegen, wenn ihm Meldungen über Staus auf dem Weg zu vereinbarten Treffpunkt gemeldet werden. Die Möglichkeiten zur Nutzung solcher Sensoren sind sicherlich vielgestaltig.
Was tatsächlich daraus wird, kann Microsoft selbst aber kaum beeinflussen. Hier sind zum einen die Hardware-Hersteller gefragt, die ihre Geräte entsprechend ausstatten müssen. Vor allem aber sind Software-Entwickler gefordert. Sie müssen jetzt damit beginnen, Anwendungen zu entwickeln, die von den neuen Möglichkeiten der Windows-Sensoren Gebrauch machen.
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