Foto-Tipps
Wie man den Blitz gekonnt einsetzt
Blitzen wie die Profis: So manches hübsche Bild ist schon durch den falschen Einsatz eines Blitzgerätes ruiniert worden. Es geht um weit mehr als bloß um rote Augen bei den Fotografierten. Der Profi-Fotograf Michael Hennemann erklärt, was man zum Blitzen braucht - und wie man es richtig anstellt.
Das Blitzgerät ist die wohl universellste Lichtquelle in der Fotografie. Unabhängig vom Stromnetz bietet es viel Licht auf kleinstem Raum, kann aber noch viel mehr als einfach nur fehlende Helligkeit auszugleichen, und so mancher spezielle Beleuchtungseffekt wird erst durch ein externes Blitzgerät möglich. Trotz der modernen Kameratechnik ist der Einsatz von Blitzlicht aber noch immer problematisch. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie mit dem Blitzgerät perfekte Fotos gelingen.
Technische Grundlagen des Blitzens
Ein Blitz macht so manches Foto erst möglich, dessen Aufnahme ohne künstliches Licht nur verwackelt oder unterbelichtet geworden wäre. Trotz großer Fortschritte in der Blitz- und Kameratechnik ist der Einsatz eines Blitzgerätes aber noch immer problematisch und führt oft nicht zum gewünschten Ergebnis.
Auch der Einsatz einer Digitalkamera hat nichts an den grundlegenden Problemen der Blitzlichtfotografie geändert. Die häufigsten Fehler beim Einsatz eines Blitzgerätes sind:
- rote Augen
- harte Schatten
- ein starker Helligkeitsabfall, der zu einem überbelichteten Vordergrund bei völlig dunklem Hintergrund führt
Die optimale Belichtung von Blitzaufnahmen ist auch mit der Digitalkamera nicht ganz einfach, was hauptsächlich zwei Gründe hat:
1. Das Blitzlicht leuchtet nur für den Bruchteil einer Sekunde.
2. Der starke Helligkeitsabfall beim Einsatz eines Blitzgerätes ist durch die physikalische Grundlage bedingt, dass die Lichtstärke mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Das heißt: Ist ein Gegenstand doppelt so weit entfernt, kommt nur noch ein Viertel des ursprünglichen Lichts an. Bei Tageslichtaufnahmen fällt dies kaum auf, denn das Tageslicht hat den sehr weiten Weg von der Sonne zurückgelegt und "ein paar" Meter mehr oder weniger spielen praktisch keine Rolle, so dass auch große Objekte relativ gleichmäßig ausgeleuchtet werden. Das Blitzgerät dagegen ist nur wenige Meter vom Motiv entfernt und der rapide Helligkeitsabfall ist deutlich sichtbar. In der Praxis führt das dazu, dass zwar das Hauptmotiv in zwei Meter Entfernung perfekt ausgeleuchtet wird, aber alle Objekte, die sich näher am Blitzgerät befinden, völlig überbelichtet werden und der Hintergrund im Schwarz versinkt.
ZUR PERSON
Michael Hennemann arbeitet seit über sieben Jahren als freier Reisefotograf. Er studierte Geografie und ließ sich außerdem zum Fototechniker ausbilden. Weder das Studium noch seine Praktika in den Redaktionen von GEO und Baedeker konnten ihn von dem abhalten, was er am liebsten tat: Draußen unterwegs sein. Der begeisterte Reisende machte schließlich seine Leidenschaft zum Beruf.
www.michael- hennemann.de
Für den richtigen Einsatz des Blitzgerätes und für optimale Belichtungen bei der Fotografie mit Blitz ist es daher wichtig, sich klarzumachen, wie sich bestimmte Einstellungen auf das Foto auswirken:
- Die Wahl der Blende beeinflusst sowohl das Blitz- als auch das Umgebungslicht in gleichem Maße.
- Die Verschlusszeit dagegen ist immer länger als die extrem kurze Leuchtdauer des Blitzlichts und hat daher nur eine Auswirkung auf den Anteil des Umgebungslichts in der Gesamtbelichtung, der Anteil des Blitzlichts dagegen wird nicht beeinflusst.
- Die einzige Möglichkeit, um den Anteil des Blitzlichts innerhalb der gesamten Lichtmenge des Fotos zu verändern, besteht in einer Reduzierung der Blitzleistung.
Michael Hennemann
Langzeitbelichtung bei vorhandenem Tageslicht mit einer Belichtungszeit von 1 Sekunde bei Blende 11
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Langzeitbelichtungen mit den gleichen Einstellungen, nun aller dings mit einem Aufhellblitz, der mehr Zeichnung und Brillanz in die Blumen bringt
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Wenn Blitzeinstellung und Blende unverändert bleiben, die Belichtungszeit aber verkürzt wird (in diesem Fall auf 1/125 s), sinkt der Anteil des Dauerlichts an der Gesamtbelichtung. Die Blumen im Vordergrund bleiben unverändert, der Hintergrund aber versinkt im Dunkel, weil die Lichtmenge des Blitzes quadratisch mit der Entfernung abnimmt
Obwohl die Verschlüsse von modernen Digitalkameras kurze Belichtungszeiten von 1/4000 oder 1/8000 Sekunden erlauben, liegt die kürzeste Belichtungszeit, die Sie beim Fotografieren mit Blitzlicht einstellen können (die sogenannte Synchronzeit), bei 1/125 oder 1/250 Sekunde.
Die Erklärung dafür liegt in der Funktion des Schlitzverschlusses, der aus zwei Verschlussvorhängen gebildet wird. Beim Beginn der Belichtung öffnet sich der erste Verschlussvorhang und gibt den Weg für das durch das Objektiv einfallende Licht auf den Sensor frei. Entsprechend der eingestellten Belichtungszeit folgt dann ein zweiter Vorhang, der den Strahlengang wieder schließt.
Bei sehr kurzen Belichtungszeiten setzt sich der zweite Vorhang schon in Bewegung, noch bevor der erste Vorhang den Strahlengang völlig freigegeben hat. Beide Vorhänge bewegen sich also parallel und geben zwischen sich einen Schlitz frei, durch den das Licht auf den Sensor fallen kann.
Da das Blitzgerät nur extrem kurz aufleuchtet (etwa für 1/1000 Sekunde), führt dies bei kürzeren Verschlusszeiten dazu, dass das Blitzlicht nur auf den freigegebenen Schlitz wirkt. Für eine korrekte Blitzbelichtung sind daher nur Belichtungszeiten möglich, bei denen der Verschluss vollständig geöffnet ist. Diese kürzestmögliche Zeit wird Synchronzeit genannt und liegt bei den meisten Digitalkameras je nach Modell zwischen den genannten 1/125 und 1/250 Sekunden. Für kürzere Synchronzeiten muss die Geschwindigkeit der Verschlussvorhänge erhöht werden, was nur mit hohem technischem Aufwand möglich ist. Daher bieten nur absolute Profimodelle kürzere Synchronzeiten.
Eine Alternative, um auch mit den übrigen Digitalkameras kürzere Verschlusszeiten einstellen zu können, bietet die sogenannte FP-Kurzzeitsynchronisation, die manche Blitzgeräte bieten. Dabei wird nicht nur ein Blitz, sondern eine Vielzahl leistungsschwächerer Blitze mit hoher Frequenz abgegeben und so eine längere Leuchtdauer simuliert, die auch kürzere Verschlusszeiten als die echte Synchronzeit erlauben. Natürlich kann bei dieser Technik nicht die volle Blitzleistung abgerufen werden und der Einsatz der FP-Kurzzeitsynchronisation bedeutet eine Verminderung der effektiven Leitzahl.
Das Blitzgerät kann entweder zu Beginn der Belichtung gezündet werden (wenn der erste Verschlussvorhang den Strah lengang freigegeben hat) oder zum Ende der Belichtung (bevor der zweite Vorhang den Strahlengang wieder schließt).
Bei einigen Kameras können Sie zwischen Standard-TTL und TTL-Aufhellblitz wählen. Beim Standard-TTL-Betrieb wird bei der Berechnung der Belichtung nur das Hauptmotiv berücksichtigt, bei der Einstellung TTL-Aufhellblitz dagegen wird auch der Hintergrund berücksichtigt. Der Kameracomputer dosiert die Blitzleistung dann automatisch so, dass eine harmonische Ausleuchtung von Vorder- und Hintergrund mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen natürlichem Licht und Blitzlicht erzielt wird.
Egal ob eingebauter Kamerablitz oder externer Systemblitz mit Schwenkreflektor – der Blitz ist immer eine kleine, punktförmige Lichtquelle und das relativ harte Licht erzeugt oft unschöne, harte Schatten. Um das harte Blitzlicht abzusoften, können Sie entweder indirekt Blitzen oder das Blitzgerät mit einem Diffusor ausstatten. Im Fotohandel gibt es eine Vielzahl solcher Vorsätze, z. B. von StoFen (
www.stofen.com), Lastolite (
www.lastolite.com) oder Lumiquest (
www.lumiquest.com), und sogar richtige Softboxen wie bei professionellen Studioblitzanlagen.
Michael Hennemann
Bei einer Langzeitbelichtung mit Synchronisation auf den ersten Vorhang schiebt ein sich bewegendes Motiv die Lichtspur vor sich her, was einen sehr unnatürlichen Eindruck hervorruft
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Bei der Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang dagegen liegt die Lichtspur hinter dem sich bewegenden Objekt.
Moderne Blitzgeräte bieten eine Vielzahl von Funktionen, die Sie zum Teil am Blitz, zum Teil an der Digitalkamera einstellen können. Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Blitzbetriebsarten:
Michael Hennemann
Auf der Rückseite des Systemblitzgeräts informiert ein Display u. a. über die gewählte Betriebsart und Steuerungstasten erlauben verschiedene Einstellmöglichkeiten
- Im Automatikbetrieb ermittelt ein Sensor am Blitzgerät die vom Objekt reflektierte Lichtmenge und schaltet den Blitz ab, wenn die richtige Belichtung erreicht ist. Es werden beim Berechnen der richtigen Belichtung einige Einstellungen der Kamera berücksichtigt.
- Bei der Einstellung Manuell gibt das Blitzgerät immer die volle Leistung (oder einen bestimmten, von Ihnen vorher eingestellten Bruchteil davon) ab. Die manuelle Blitzsteuerung ist sinnvoll in einigen Spezialfällen wie z. B. dem Mehrfachblitzen.
- Beim TTL-Blitzbetrieb (= "Through the lens") misst die Kamera das durch das Objektiv einfallende Licht (sowohl Blitz- als auch Umgebungslicht). Bei analogen Kameras wurde beim TTL-Blitzen das vom Film reflektierte Licht gemessen. Da der Sensor der Digitalkamera (bzw. genauer gesagt der Antialising-Filter davor) andere Reflektionseigenschaften hat, können Digitalkameras beim TTL-Blitzbetrieb nicht mehr das reflektierte Licht messen. Daher feuert das Blitzgerät kurz vor der eigentlichen Aufnahme einen leistungsschwachen Vorblitz ab, der durch das Objektiv gemessen wird. In Bruchteilen von Sekunden trifft der Kameracomputer die nötigen Einstellungen für die eigentliche Belichtung und steuert den Hauptblitz entsprechend.
Für die meisten Fotos liefert der TTL-Blitzbetrieb die besten Ergebnisse, denn sein großer Vorteil liegt darin, dass alle Belichtungseinflüsse wie z. B. Objektiveigenschaften und sogar eventuell verwendete Objektivfilter mit bei der Messung berücksichtigt werden.
Michael Hennemann
Mit einem milchigen Plastikaufsatz wird das Blitzlicht weicher