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22.12.2008
 

Netbook-Markt 2009

Lauter kleine Kannibalen

Von Frank Patalong

Die preiswerten, in ihrer Leistung limitierten Netbooks sind das Boom-Produkt des Jahres und der Trend für 2009. Weil das ursprüngliche Konzept ausgereizt ist, beginnt die Kannibalisierung anderer Marktsegmente. Nur Apple zögert noch - als Firma, die deutlich mehr bieten könnte als die Konkurrenz.

Wie viel Laptop braucht der Mensch wirklich? Nicht viel offenbar, wenn man die Verkaufszahlen für Netbooks, die kleinen Minimal-Laptops ansieht. Kein PC-Produkt hob im Laufe des Jahres 2008 derart ab wie die Mini-Rechner für unterwegs. 14 Monate, nachdem Asus mit dem Eee PC 700 das erste Gerät der neuen Klasse vorstellte, vergeht kaum noch eine Woche, in der nicht ein neues Gerät, zumindest aber ein neues Design vorgestellt wird.

Und die Dinger verkaufen sich, der Markt scheint noch unersättlich. Längst sind die einst raren, als billig aber edel empfundenen Kleinstrechner beim Discounter angekommen und - der Lackmustest für das Erreichen eines Massenmarktes - sogar im Sonderverkauf von Baumärkten.

Allein im dritten Quartal 2008 setzten die Hersteller einer aktuellen Zählung von DisplaySearch zufolge satte 5,61 Millionen Exemplare ab - 160 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2008. Der abrupte Sprung überraschte auch die Experten: Er geht einher mit der Veröffentlichung zahlreicher Netbooks, mithin also einer endlich ausreichenden Versorgung des Marktes mit Waren. Das Marktforschungsunternehmen IDC war im Sommer noch von einem Wachstum um 27 Prozent für das dritte Quartal ausgegangen. In der aufziehenden Wirtschaftskrise war schon das eine optimistische Schätzung, wenn man bedenkt, dass der PC-Gesamtmarkt über das Jahr nur mit Glück die Hälfte dieser Marge erreichen wird.

Ungebrochener Boom

Inzwischen ist klar, dass alles noch viel besser wird für die Netbook-Hersteller, und dazu zählen inzwischen so gut wie alle Firmen, die auch Laptops herstellen sowie einige Newcomer, die sich vorher noch nie auf das Abenteuer PC-Markt eingelassen haben. In Deutschland sind inzwischen über 40, Versand inklusive fast 60 verschiedene Modelle zu haben. Die Zahl könnte sich innerhalb weniger Monate verdoppeln: Immer schneller wird der Takt der Produkt-Neuvorstellungen, CES, Cebit und IFA versprechen kleine Veröffentlichungswellen.

Insgesamt, schätzen die Marktexperten von DisplaySearch, dürften in diesem Jahr 14 Millionen Geräte verkauft werden. Da aber - Rezession hin oder her - der Netbook-Absatz weiterhin immer stärker steigt, könnte das Weihnachtsgeschäft durchaus noch einen Strich durch diese Schätzung machen: Es könnten noch mehr werden.

Selbst sonst gut informierte Marktauguren kommen da mit den Schätzungen nicht mehr hinterher. Dass bis 2012 satte 50 Millionen Netbooks im Umlauf sein sollen, klang noch im Sommer wie eine äußerst gewagte Prognose des renommierten Marktforschungsunternehmens Gartner Group. Inzwischen ist klar, dass deren Experten viel zu vorsichtig waren. Sie gingen zu diesem Zeitpunkt noch von 5,2 Millionen Geräten für 2008 aus - jetzt wurden allein im dritten Vierteljahr mehr verkauft. Inzwischen gilt als konservativ, wer nicht davon ausgeht, dass nicht mindestens zehn Prozent aller PC-Verkäufe 2009 auf Netbooks entfallen werden.

Kunststück, wenn man bedenkt, dass zugleich die großen PC-Hersteller sowohl ihre Umsatzerwartungen, als auch präventiv ihre Produktion in den anderen Marktsegmenten drosseln. Von Acer, Asustek, Dell und Hewlett-Packard wurde bereits bekannt, dass sie ihre Produktion zu Jahresbeginn um bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einschränken werden, berichtete Anfang Dezember die "Digitimes". Nur Netbooks werden immer mehr gefertigt.

Das Netbook: Der Rechner zur Krise?

Für den Überraschungserfolg der Netbooks gibt es drei Erklärungsansätze:

  • These 1: Geiz ist geil, wenn die Wirtschaftskrise droht - das Netbook als Paranoia-PC
  • These 2: Die Leichtigkeit ist meins - das Netbook als idealer Unterwegs-PC, Zweit- oder Drittrechner für pragmatische Aufgaben
  • These 3: Der neue Pragmatismus - Nutzer entdecken, dass sie gar keinen ultraschnellen, mega-leistungsfähigen Superrechner brauchen, um E-Mails zu verschicken oder SPIEGEL ONLINE zu lesen

Wahrscheinlich stimmt das alles - je nach Nutzer in unterschiedlicher Gewichtung. Gegen die ersten beiden Erklärungsansätze spricht allerdings, dass man zu Netbook-Preisen inzwischen längst auch Laptops mit weit überlegenen Leistungsdaten bekommt. Die Leute kaufen trotzdem lieber Netbooks, was wiederum weiter auf die Preise drückt. Siehe da: Der kleine Hoffnungsträger ist gar nicht so ungefährlich für die Branche.

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insgesamt 22 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.12.2008 von berbel01: Antwort

Ist nicht die Norm ;) Entweder platzt das Display, oder der Chromring wird beschädigt.... Beides ist recht teuer und Mitbewerber haben bewiesen, das es besser geht. :) [s]ich verkaufe, wenn ich Zeit und Lust habe Handys[/s] mehr...

23.12.2008 von peterbruells: Fallhöhen

[QUOTE=berbel01;3127771 Das iPhone ist auch ein gutes Beispiel: schönes Spielzeug, keine Frage, aber wehe es fehlt mal runter... Rene[/QUOTE] Komisch.. Mir ist meins im ersten Jahr gleich mehrmals runtergefallen, auch aus [...] mehr...

23.12.2008 von ios: Wie in der Autoindustrie

Wie in der Autoindustrie... Für manche, viele Sachen reicht echt das "kleine" Modell. mehr...

23.12.2008 von Nachtschicht: OSX ohne Mac

Für einen vollständigen Artikel könnte man auch noch Stichworte wie WindOSX und MacEee erwähnen. Hier wäre es interessant, wie legal man nach deutschem Recht ein dafür erworbenes OSX auf so einem Netbook installieren kann. mehr...

22.12.2008 von Pablo alto: Kopie und Paste

Immerhin, bei dem Vergleich den amerikanischen Wal-Mart korrekt in den deutschen Aldi übersetzt. Das ist doch schon was! Alte Journalistenweisheit: Besser gut abgeschrieben als schlecht selbst ausgedacht. mehr...

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