Von Frank Patalong
Das ist genau das Gegenkonzept zu Apples Strategien. Die Steve-Jobs-Company setzt bei ihren Rechnern auf Wertigkeit, Design, Leistung und Prestigewert. Ihr Mantra lautet eher: Verkaufe weniger, aber teuer. Apple setzt auf hohe Margen.
Kein Wunder, dass Steve Jobs den Gedanken an ein Apple-Netbook bereits mehrere Male von sich gewiesen hat. Fraglich ist, ob er das noch lange kann. Bisher konkurriert etwa das MacBook Air mit PC-Produkten, die auch nicht viel günstiger sind, aber weniger chic. Was, wenn Otto Normalverbraucher bald ein 1,3 kg leichtes, ultraflaches 12-Zoll-Netbook in Alu-Optik für 450 Euro neben das MacBook Air für 1800 Euro legen kann?
Paul Otellini sieht das nicht so. Der Intel-Chef glaubt, dass sich höherwertige Laptops eben immer durch ein Mehr an Leistung legitimieren müssten. Wenn es Netbooks gelinge, den höherpreisigen Markt zu kannibalisieren, sei man selbst schuld.
Darüber könnte man streiten. Die Frage, wie viel Laptop der Mensch wirklich braucht, haben angeblich 5,6 Millionen Käufer im dritten Quartal 2008 mit der Geldbörse beantwortet. Je mehr Abweichungen vom eng definierten, relativ leistungsschwachen Netbook-Standard es geben wird, desto mehr könnten das werden. Denn noch kann man kräftig aufbohren: Mit Celerons und Dual-Core-Atoms, mit größeren Speichermedien und mehr Arbeitsspeicher in Verbund mit Linux, mit Mobilfunk-Funktionalitäten und verbesserten Grafik-Features für den Einsatz als Mobil-Filmabspieler.
Noch beißen sich Netbook und höherer Preis
Und kein Unternehmen wäre so gut aufgestellt, sämtliche bisherigen Netbook-Standards über den Haufen zu werfen, wie Apple. Was Jobs und Co. hindern mag, ist wohl die Aussicht, ein Mini-Air zu stark verminderter Marge anbieten zu müssen. Netbook-Pionier Asus, der mit angeblich 60 Prozent Anteil noch immer den Netbook-Markt in Europa dominiert, erlebt gerade mit dem Edel-EeePC S101, dass es gar nicht so einfach ist, das Marktsegment gen 600 Euro zu erweitern. Die aktuelle Schmerzgrenze für ein Netbook scheint bei den Verbrauchern stabil bei 400 Euro zu liegen - billiger läuft besser.
Gerüchte über ein Apple-Netbook im Januar sind deshalb wenig wahrscheinlich. Noch ist aber auch Zeit: Bei MP3-Playern hat Apple schon einmal gezeigt, dass man ruhig Jahre abwarten kann, bevor man einen Markt aufrollt. Dort halten die eigentlich spät eingeführten iPods einen Marktanteil von 70 Prozent, Konkurrenten halten fast nur noch über niedrigere Preise dagegen. Apple geht Märkte gern an, wenn sie dafür bereit sind, dort auch eine passende Marge zu erzielen.
Noch aber findet die Konkurrenz der Netbook-Hersteller nur über den Preisrabatt statt, kaum über Features. Netbook-Besitzer finden ihr Produkt cool, weil es für wenig Geld per definitionem wenige Dinge, die aber gut kann. Das ist die Definition eines Anti-Apple.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
| alles zum Thema Netbooks | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH