SPIEGEL ONLINE: Herr Ballmer, haben sie schon mal ein Netbook benutzt?
Ballmer: Klar.
SPIEGEL ONLINE: Was hat ihnen dabei gefallen?
Ballmer: Dass es leicht ist. Ich muss aber sagen, für die tägliche Arbeit würde ich so was nicht benutzen wollen. Ich mag größere Bildschirme und größere Tastaturen. Und weil mein Budget nicht besonders knapp ist, kann ich es mir leisten, einen Computer zu kaufen, der zwar leicht ist, aber trotzdem einen schönen Bildschirm hat. Für mich wäre so ein Netbook also nicht das Richtige, aber für viele Menschen sind solche Geräte bestimmt attraktiv.
SPIEGEL ONLINE: Der Erfolg der Netbooks hat dazu geführt, dass Windows XP viel länger als geplant weiterlebt. Welche Auswirkungen hat das auf die Entwicklung von Windows 7 gehabt?
Ballmer: Eigentlich keine.
SPIEGEL ONLINE: Keine Anpassungen an die kleinen Rechner, so dass Windows 7 da besser läuft als Vista?
Ballmer: Wir haben schon deutlich gezeigt, dass Windows 7 auf Netbooks läuft.
SPIEGEL ONLINE: Und das wird dann auch mit aktuellen Modellen funktionieren?
Ballmer: Sie werden sehen, dass das geht, wenn die Leute die Windows-7-Beta herunterladen und auf ihren Netbooks installieren. Wir haben das gestern selbst gemacht und Windows 7 auf ein Standard-Netbook mit einem Gigabyte Speicher aufgespielt, was problemlos geklappt hat. Letztlich müssen die Leute selbst entscheiden, was sie mögen. Wir werden definitiv nicht versuchen, Windows 7 auf jeder alten Kiste lauffähig zu machen. Aber Netbooks sind heute nicht mehr das, was sie bei ihrer Einführung waren. Sie haben mehr Speicher, sie haben Festplatten statt Flash-Speicher, ganz anders als noch vor einem Jahr.
SPIEGEL ONLINE: Die Entwicklung von Windows 7 scheint viel näher am Zeitplan, als es bei Vista der Fall war ...
Ballmer: Es ist eins unserer Ziele, den Plan einzuhalten. Bei Vista haben wir viel versucht, wollten viele Innovationen entwickeln. Wenn wir dabei den Zeitplan einhalten konnten, war das gut. Aber wir haben lange versucht, zu viele neue Funktionen gleichzeitig zu entwickeln. Dann haben wir den Reset-Knopf gedrückt und gesagt: "Der Zeitplan ist auch eine Funktion". Aber bis wir so weit waren, hatten wir schon mehrere Jahre hinter uns, in denen wir immer neue Funktionen entwickelt und den Zeitplan immer wieder verschoben hatten. Auf diese Weise haben wir uns selbst die Zeit verschafft, Dinge zu entwickeln, die ihrer Zeit zu weit voraus waren.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich für Windows 7 also selbst diszipliniert? Würden Sie auch eigentlich geplante Funktionen über Bord werfen, um den Zeitplan einhalten zu können?
Ballmer: Sicher. Aber das ist nicht meine Entscheidung. Das Entwicklungsteam macht regelmäßig solche Einschnitte. Aber die Beta- enthält eigentlich schon alles, was die Endversion auch haben soll.
SPIEGEL ONLINE: Was glauben Sie, wie schnell Windows 7 von den Anwendern angenommen wird? Vista hatte da ja einige Probleme, vor allem bei Unternehmenskunden.
Ballmer: Die Wahrheit ist, dass es da wohl mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede geben wird. Neue Computer für Endanwender werden von dem Tag an mit Windows 7 ausgeliefert werden, an dem das neue System verfügbar ist, genau wie es bei Vista war. Firmen werden Windows 7 erst testen und erproben wollen, wenn sie noch mit Windows XP arbeiten. Wenn sie schon Vista einsetzen, werden sie weniger Arbeit haben, aber sie werden immer noch testen und erproben wollen. Der Unternehmensmarkt ist einfach langsam. Glaube ich nun, dass Firmen schneller auf Windows 7 umsteigen werden als auf Vista? Gut möglich. Sie sind ja schon schneller auf Vista umgestiegen als zuvor auf Windows XP.
SPIEGEL ONLINE: Aber mit Vista gab es doch einige Probleme.
Ballmer: Das Problem ist, dass erwartet wird, alle würden sofort umsteigen. Aber so was passiert nicht. Natürlich gab es Probleme mit Vista, aber der Prozentsatz von Firmen, die innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Vista-Einführung auf Vista umgestiegen sind, ist höher als der entsprechende Prozentsatz bei Windows XP. Als XP herauskam, gab es dieselben Vorbehalte bezüglich der Kompatibilität zu Firmenanwendungen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH