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Microsoft-Chef Steve Ballmer "Erst mal die Nummer zwei werden"

2. Teil: Kommt das Zune Phone oder kommt es nicht?

SPIEGEL ONLINE: Wird es jemals ein Telefon mit der Zune-Software von Microsoft geben - also ein Zune Phone?

Ballmer: Dazu haben wir derzeit keine Pläne. Wir pflegen unsere Strategie, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten, die den Kunden eine breite Auswahl unterschiedlicher Geräte bereitstellen können. Es wäre auch schwierig für uns, selbst ein Handy zu bauen und gleichzeitig mit unseren Partnern zusammenzuarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal gesagt, Sie würden sich für ungewöhnliches Wissen interessieren. Können Sie uns dafür Beispiele nennen?

Ballmer: Da gibt es zwei Dinge, mit denen ich mich gerade beschäftige. Das eine hat mit meinen vielen Auslandsreisen zu tun. Ich spreche nicht viele Sprachen, nur ein wenig französisch und etwas deutsch, weil mein Vater in der Schweiz aufwuchs. Jetzt versuche ich herauszufinden, wie in verschiedenen Sprachen der Begriff "Sohn von" zu einem Namensteil geworden ist. Auf Englisch wären das zum Beispiel Johnson, Williamson, Harrison.

SPIEGEL ONLINE: Das ist also ein Art Hobby. Und was ist das zweite?

Ballmer: Ich lese gerade viel über Zeiten, in denen die Wirtschaft, ähnlich wie heute, schwächelte. Dabei habe ich herausgefunden, dass es ähnliche Entwicklungen 1835, 1873 und 1929 gab. Kreditkrisen aufgrund von Grundeigentums-Spekulationen gab es sogar schon im Alten Rom und im antiken Griechenland. Einige meiner Leute haben mich mit Informationen über die wichtigen Wirtschaftsflauten der Geschichte bombardiert.

SPIEGEL ONLINE: Beeinflusst das die Art, wie sie ihre Geschäfte führen?

Ballmer: Ein wenig. Ich erwarte, dass die Wirtschaft neu durchstartet und von einem niedrigeren Niveau aus wieder wächst. Ich glaube nicht, dass wir hier nur einen Zyklus durchwandern und dann alles wie zuvor ist.

SPIEGEL ONLINE: Dass sich alles auf ein realistischeres Level als zuvor zurückbewegt?

Ballmer: Und dann kann unsere Gesellschaft wieder gemeinsam wachsen. 1873 gab es eine ähnliche Kreditkrise. Das Zentrum war damals Österreich, von wo aus sich die Krise global ausweitete. Auch Chicago war betroffen. Die Immobilienpreise fielen so drastisch, dass sie erst 1925 wieder das Niveau von 1873 erreichten. Ich hoffe das wird dieses Mal nicht wieder so lange dauern (lacht). Aber die Reaktion auf die Krise war damals sehr unreif. Die USA erließen drastische Beschränkungen für den Handel mit dem Ausland, was genau die falsche Maßnahme war, um die Wirtschaft wieder zu beleben. Heute würde man diese Fehler nicht wiederholen – hoffe ich.

SPIEGEL ONLINE: Letztes Jahr haben Sie das Internet-Anzeigengeschäft als das nächste Super-Dicke-Ding bezeichnet. Yahoo sollte ihnen dabei helfen, in diesem Markt erfolgreich zu sein. Jetzt, da der Yahoo-Deal geplatzt ist, wie machen sie weiter?

Ballmer: Internet ist ein großes Wort. Beim Yahoo-Deal ging es vor allem um Suche und darum, Schwung in die Internet-Suche zu bringen. Das ist nicht das einzige im Internet, aber es ist ein sehr wichtiger Teil davon – und der bei weitem profitabelste. Wir wären auch jetzt noch für eine Partnerschaft mit Yahoo im Bereich Suchmaschinen offen. Die haben zwar kein entsprechendes Signal gegeben, aber wir haben klargestellt, dass wir interessiert wären. Diese Möglichkeit besteht weiterhin. Aber wir sind auch bestens darauf vorbereitet, diesen Weg ohne Yahoo zu gehen. Zum Beispiel mit den Kooperationen, die ich gestern angekündigt habe.

SPIEGEL ONLINE: Aber können Sie ohne einen Partner wirklich erfolgreich im Internet werden?

Ballmer: Es hätte sicher Vorteile, einen solchen Partner im Bereich Suche zu haben. Sie sagen immer wieder Internet, wichtig ist nur die Suche. Bezogen auf das Internet sind wir Marktführer. Wir haben die populärste Web-Seite im Internet, aber darum geht es nicht. Im Suchmaschinenmarkt haben wir klare Pläne. Aber die lassen sich nicht über Nacht verwirklichen.

SPIEGEL ONLINE: Glauben sie, dass sie in diesem Bereich eines Tages die Nummer eins sein werden?

Ballmer: Sicher, irgendwann mal. (wird lauter) Jetzt wollen wir erstmal die Nummer zwei werden, (noch lauter) dann eine starke Nummer zwei und (noch lauter) schließlich eine sehr starke Nummer zwei und dann Nummer eins.

(Wieder in Zimmerlautstärke) Aber eins nach dem anderen.

Das Interview führte Matthias Kremp

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