Ärmlich ausgestattet soll das indische Notebook trotz seines Preises nicht sein. Von immerhin zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, einem Ethernet-Netzwerkanschluss, W-Lan-Fähigkeit und erweiterbarem Speicher berichtet " engadget". Der Stromverbrauch wird mit nur zwei Watt angegeben, ein Wert, von dem Anwender handelsüblicher Notebooks nur träumen können. Standardgeräte genehmigen sich eher 15 bis 25 Watt.
Wie es das Gerät schafft, mit so wenig Energie auszukommen, ist noch vollkommen unklar. Außerhalb der mit der Entwicklung beauftragten Firmen hat noch niemand den superbilligen Laptop zu Gesicht bekommen. Vor allem der Bildschirm wirft Rätsel auf. Üblicherweise kostet schon ein Mobil-Monitor mehr, als hier das gesamte Gerät kosten soll. Das Gleiche gilt natürlich schon für den Arbeitsspeicher: 2 GB sind im Verkauf billigstenfalls ab circa 15 Euro zu haben.
In Auftrag gegeben wurde die Entwicklung des Rechners vom indischen Bildungsministerium. Dessen erklärtes Ziel: Jeder indische Haushalt soll sich einen solchen Laptop leisten können. Das ambitionierte Ziel der mehrjährigen Entwicklung war es deshalb, den Preis auf 500 Rupien, umgerechnet acht Euro, festzulegen. Damit würde das Notebook selbst das sogenannte OLPC, das One-Laptop-per-Child-Projekt weit unterbieten, das seine Mini-Rechner für 100 Dollar (80 Euro) auf den Markt bringen möchte.
Eine virtuelle TU
Noch aber sind beide Projekte von ihren Zielen weit entfernt. Die Kosten für einen OLPC-Laptop liegen ungefähr doppelt so hoch wie geplant, betragen fast 200 Dollar. Und auch das indische Gerät ist noch nicht ganz so billig, wie es sein sollte. Erziehungsminister R.P. Agrawal sagte der " Times of India", noch läge der Preis bei 16 Euro, werde aber fallen, sobald die Massenfertigung anlaufe. Dann soll es so billig sein, "dass Eltern ihren Kindern so ein Gerät problemlos kaufen und schenken können".
Und genau das ist das angestrebte Ziel. Wie beim OLPC soll der Laptop vornehmlich dazu dienen, die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern. Die für eine OLPC anfallenden Kosten sind, obwohl vergleichweise gering, vielen Regierungen in Schwellenländern noch zu hoch. Die entsprechenden Inhalte will die indische Regierung preisgünstig bereitstellen lassen. Nicht näher genannten Quellen zufolge hat die Regierung bereits Abkommen mit vier großen Verlagshäusern getroffen.
Deren Lehrbücher sollen demnach digitalisiert und auf das Lehrportal "Sakshat" geladen werden, von wo sie auf die Billig-Laptops heruntergeladen werden können. Immerhin fünf Prozent dieser Bücher sollen zudem kostenlos ladbar sein. Doch in diesen Maßnahmen sieht Minister Agrawal offenbar nur den Anfang. "Das endgültige Ziel ist es, eine virtuelle Technische Universität aufzubauen", sagte er gegenüber Pressevertreten.
Bis es so weit sein wird, müssen die Lernwilligen aber noch etwas Geduld aufbringen. Drei Jahre hat die Entwicklung des Geräts in Indien gedauert, jetzt müssen erst einmal die Prototypen getestet werden, so Agarawal. Das Ziel sei es, das Gerät in sechs Monaten auf den Markt bringen zu können.
550 Millionen potentielle Online-Schüler
Und das ist offenbar nötig. Bildung ist eine der vorrangigen Aufgaben, mit der sich die indische Regierung konfrontiert sieht. Angaben der " Financial Times" zufolge sind 550 Millionen Inder unter 25 Jahren alt, benötigen dringend zeitgemäße Ausbildungsmöglichkeiten. Der Acht-Euro-Laptop könnte als Vehikel dienen, das Land zu vernetzen und gleichzeitig moderne Bildungsmöglichkeiten in den letzten Winkel zu bringen.
Wie das aber im Detail aussehen wird, werden wir erst am Dienstag erfahren. Dann soll der Prototyp im südindischen Tirupati erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Und dann muss er auch beweisen, ob er wirklich als Volkscomputer geeignet ist.
mak
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