Von Frank Patalong
E-Books könnten all das aber äußerst schnell ändern. Bereits zum Verkaufsbeginn am 11. März, hieß es von Seiten Sonys und seiner Partner, sollen "einige tausend Bücher" digital erhältlich sein, darunter zahlreiche Bestseller. "Der Fokus liegt aber auf Qualität, nicht auf Masse", behauptet Sony, das dem Reader Leseproben und zwei Romane beipacken wird.
Wenn das nach kleinen Anfängen klingt, dann täuscht der Eindruck durchaus. Libri hat bereits 93.228 Titel als E-Books zum Download im Angebot. Die Betonung liegt auf Download: Muss der Buchhandel nun befürchten, dass ihm eine Konkurrenz entsteht, die ihn wirklich erschüttern könnte?
Das E-Book: Gefahr für den Handel?
Bis Mitte 2009, konnten Buchhändler etwa dem Branchendienst "Buchreport" entnehmen, könnte allein Amazon rund eine Million Kindles an den Mann gebracht haben - allein in den USA. Der Branchendienst befragte acht Experten zu ihren Erwartungen in Bezug auf E-Books und kondensierte die Meinungen zu einem Bild, das auf die Branche teils hoffnungsvoll, teils beängstigend wirken muss. Bis zu 25 Prozent der Verkäufe, orakeln die Experten, könnten sich etwa im Sachbuchbereich binnen nur fünf Jahren auf den E-Book-Markt verlagern. Der, das zeige das Beispiel USA, habe die Umsätze der Verlage aber kräftig belebt.
Und die des Handels - genauer, eines Händlers. Amazon-Chef Jeff Bezos freute sich vor Tagen in einem Interview mit der "Washington Post": "Wenn die Leute einen Kindle kaufen, setzen sie den Kauf physischer Bücher in selbem Umfang fort wie zuvor. Zusätzlich kaufen sie im Schnitt noch einmal 1,6 bis 1,7 Kindle-Bücher pro physisch gekauftem Buch."
Dieser Umsatz muss aber nicht beim klassischen Handel landen, Libris Klientel. Denn elektronische Bücher brauchen den physischen Buchhandel nicht mehr. Der Download ist ihre natürliche, weil naheliegende Vertriebsform. Das wird auch bei Thalia und Co nicht anders sein. Buch-Datentankstellen oder physische Träger wie zum Beispiel Bücher auf SD-Karten plant der Händler selbst derzeit nicht - das wäre auch eher Sache der Verlage. Dass dies nie der Fall sein werde, will Firmensprecher Markus Schuberth aber auch nicht sagen: "Das ist ein dynamischer Markt, da ist sehr viel vorstellbar."
Wichtig ist den Partnern nun erst einmal, einen Standard zu setzen: Gerätehersteller Sony, Händler Thalia und Grossist und Handelsdienstleister Libri wollen Tatsachen schaffen, bevor Amazon doch noch mit dem Kindle kommt. Denn der setzt auf ein proprietäres, Amazon-eigenes Datenformat: Mobipocket. Wer es aber schafft, ein Format als Standard durchzusetzen, diktiert eine Menge Bedingungen - gegenüber Verlagen, Händlern wie konkurrierenden Hardware-Herstellern.
Das will auch der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels verhindern - und stattdessen eine eigene Marke setzen. MVB setzt auf ein abgespecktes PDF-Format namens Mobiles PDF, das mit allen Lesegeräten kompatibel sein soll. MVB-Chef Ronald Schild: "Alle Verlage erhalten so die Möglichkeit, ihr Verlagsprogramm als E-Book über libreka! zum Verkauf anzubieten."
Jetzt muss nur noch der Kunde mitspielen, ohne die Verlage dabei zu sehr zu beklauen. Denn natürlich bremste die Branche in den letzten Jahren auch deshalb kräftig, weil sie dem Schicksal von Musik- und Filmindustrie entgehen wollte: Digital vertriebene Waren werden natürlich auch kopiert und illegal verteilt. Das ist bittersüß: Es ist nicht zuletzt die Aussicht auf kostenfreie, manchmal sogar legale, weil urheberrechtsfreie oder frei angebotene Inhalte, die einen potentiellen Kunden erst zu einem tatsächlichen machen mag. Ganz ohne "kostenlos" wird das elektronische Lesen nicht funktionieren.
Denn auch das ist ja neu für einen Buchkäufer: Nun soll er, bevor er durch weitere Kaufhandlungen erst Inhalte ersteht, zuerst einmal in Vorlage gehen und satte 299 Euro auf den Tisch legen, damit er seine elektronischen Bücher überhaupt lesen kann. Denn so viel soll der 260 Gramm leichte Sony-Reader kosten. Technik-Verkäufern mag das nicht viel vorkommen, Leseratten aber kaufen sich für so einen Batzen Geld locker 20 bis 30 Bücher.
Die Eingangshürde ist also hoch, wenn man vom Bücherwurm zum E-Book-Leser werden will. Sony hofft hier auf "Vielleser und Reisende", denen der Gedanke, schon auf den internen Speicher bis zu 160 Bücher laden zu können, durchaus behagen mag. Ganz gierige Leser, die ihre 13.000 Titel umfassende Bibliothek überall mitnehmen wollen, kaufen sich dafür eine 16-GB-SD-Karte.
Die gibt es aktuell ab 21 Euro. Bei Amazon.
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