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Jetzt geht's los Sony eröffnet den deutschen E-Book-Markt

2. Teil: Alle gegen Amazon. Es geht darum, Standards zu setzen, bevor der Kindle kommt

E-Books könnten all das aber äußerst schnell ändern. Bereits zum Verkaufsbeginn am 11. März, hieß es von Seiten Sonys und seiner Partner, sollen "einige tausend Bücher" digital erhältlich sein, darunter zahlreiche Bestseller. "Der Fokus liegt aber auf Qualität, nicht auf Masse", behauptet Sony, das dem Reader Leseproben und zwei Romane beipacken wird.

Wenn das nach kleinen Anfängen klingt, dann täuscht der Eindruck durchaus. Libri hat bereits 93.228 Titel als E-Books zum Download im Angebot. Die Betonung liegt auf Download: Muss der Buchhandel nun befürchten, dass ihm eine Konkurrenz entsteht, die ihn wirklich erschüttern könnte?

Das E-Book: Gefahr für den Handel?

Bis Mitte 2009, konnten Buchhändler etwa dem Branchendienst "Buchreport" entnehmen, könnte allein Amazon rund eine Million Kindles an den Mann gebracht haben - allein in den USA. Der Branchendienst befragte acht Experten zu ihren Erwartungen in Bezug auf E-Books und kondensierte die Meinungen zu einem Bild, das auf die Branche teils hoffnungsvoll, teils beängstigend wirken muss. Bis zu 25 Prozent der Verkäufe, orakeln die Experten, könnten sich etwa im Sachbuchbereich binnen nur fünf Jahren auf den E-Book-Markt verlagern. Der, das zeige das Beispiel USA, habe die Umsätze der Verlage aber kräftig belebt.

Und die des Handels - genauer, eines Händlers. Amazon-Chef Jeff Bezos freute sich vor Tagen in einem Interview mit der "Washington Post": "Wenn die Leute einen Kindle kaufen, setzen sie den Kauf physischer Bücher in selbem Umfang fort wie zuvor. Zusätzlich kaufen sie im Schnitt noch einmal 1,6 bis 1,7 Kindle-Bücher pro physisch gekauftem Buch."

Dieser Umsatz muss aber nicht beim klassischen Handel landen, Libris Klientel. Denn elektronische Bücher brauchen den physischen Buchhandel nicht mehr. Der Download ist ihre natürliche, weil naheliegende Vertriebsform. Das wird auch bei Thalia und Co nicht anders sein. Buch-Datentankstellen oder physische Träger wie zum Beispiel Bücher auf SD-Karten plant der Händler selbst derzeit nicht - das wäre auch eher Sache der Verlage. Dass dies nie der Fall sein werde, will Firmensprecher Markus Schuberth aber auch nicht sagen: "Das ist ein dynamischer Markt, da ist sehr viel vorstellbar."

Wichtig ist den Partnern nun erst einmal, einen Standard zu setzen: Gerätehersteller Sony, Händler Thalia und Grossist und Handelsdienstleister Libri wollen Tatsachen schaffen, bevor Amazon doch noch mit dem Kindle kommt. Denn der setzt auf ein proprietäres, Amazon-eigenes Datenformat: Mobipocket. Wer es aber schafft, ein Format als Standard durchzusetzen, diktiert eine Menge Bedingungen - gegenüber Verlagen, Händlern wie konkurrierenden Hardware-Herstellern.

Das will auch der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels verhindern - und stattdessen eine eigene Marke setzen. MVB setzt auf ein abgespecktes PDF-Format namens Mobiles PDF, das mit allen Lesegeräten kompatibel sein soll. MVB-Chef Ronald Schild: "Alle Verlage erhalten so die Möglichkeit, ihr Verlagsprogramm als E-Book über libreka! zum Verkauf anzubieten."

Jetzt muss nur noch der Kunde mitspielen, ohne die Verlage dabei zu sehr zu beklauen. Denn natürlich bremste die Branche in den letzten Jahren auch deshalb kräftig, weil sie dem Schicksal von Musik- und Filmindustrie entgehen wollte: Digital vertriebene Waren werden natürlich auch kopiert und illegal verteilt. Das ist bittersüß: Es ist nicht zuletzt die Aussicht auf kostenfreie, manchmal sogar legale, weil urheberrechtsfreie oder frei angebotene Inhalte, die einen potentiellen Kunden erst zu einem tatsächlichen machen mag. Ganz ohne "kostenlos" wird das elektronische Lesen nicht funktionieren.

Denn auch das ist ja neu für einen Buchkäufer: Nun soll er, bevor er durch weitere Kaufhandlungen erst Inhalte ersteht, zuerst einmal in Vorlage gehen und satte 299 Euro auf den Tisch legen, damit er seine elektronischen Bücher überhaupt lesen kann. Denn so viel soll der 260 Gramm leichte Sony-Reader kosten. Technik-Verkäufern mag das nicht viel vorkommen, Leseratten aber kaufen sich für so einen Batzen Geld locker 20 bis 30 Bücher.

Die Eingangshürde ist also hoch, wenn man vom Bücherwurm zum E-Book-Leser werden will. Sony hofft hier auf "Vielleser und Reisende", denen der Gedanke, schon auf den internen Speicher bis zu 160 Bücher laden zu können, durchaus behagen mag. Ganz gierige Leser, die ihre 13.000 Titel umfassende Bibliothek überall mitnehmen wollen, kaufen sich dafür eine 16-GB-SD-Karte.

Die gibt es aktuell ab 21 Euro. Bei Amazon.

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insgesamt 46 Beiträge
pax 03.02.2009
Vielleicht sei da ein Hinweis gestattet. Nicht nur bei www.libri.de gibt es schon seit einiger Zeit e-Book-Reader in Deutschland. Sony und Amazon sind da weder die ersten noch die besten. (ein paar alternativen gibt es z.B. [...]
Zitat von sysopNoch immer zögert Amazon, den E-Book-Reader Kindle nach Europa zu bringen und muss sich nun rechts überholen lassen: Zur Leipziger Buchmesse wirft Sony seinen PRS-505 auf den deutschen Markt. Als Vertriebspartner setzten die Japaner auf zwei von Amazons schärfsten Konkurrenten. http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,604930,00.html
Vielleicht sei da ein Hinweis gestattet. Nicht nur bei www.libri.de gibt es schon seit einiger Zeit e-Book-Reader in Deutschland. Sony und Amazon sind da weder die ersten noch die besten. (ein paar alternativen gibt es z.B. bei www.justread.de) Das bisherige Angebot mit über 90.000 e-Büchern bei Libri ist auch ein wenig schön gerechnet. 95% davon sind englische Orginale. Von den übrigen 5% ist wiederum das meiste auch auf kostenlosen Plattformen wie www.gutenberg.org zu haben. Das klägliche Bisschen, das es auf deutsch gibt und nicht zu den überall im Netz legal kostenlosen Klassikern gehört, kann man wirklich nur als Rest bezeichnen. Ich denke da kommt libri.de momentan mit viel Optimismus gerade mal über die 100 Bücher Marke. Höchst wahrscheinlich wird das nach der Sony-Einführung besser.
tetaro 03.02.2009
So sehr ich elektronische Lesegeräte begrüße, so befürchte ich auch, dass ein ähnliches Chaos losgeht wie mit MP3-ect. Musik. - Unterschiedliche Formate - Differierender Kopierschutz - Was auf einem Gerät abspielbar ist, ist [...]
So sehr ich elektronische Lesegeräte begrüße, so befürchte ich auch, dass ein ähnliches Chaos losgeht wie mit MP3-ect. Musik. - Unterschiedliche Formate - Differierender Kopierschutz - Was auf einem Gerät abspielbar ist, ist vielleicht mit dem anderen nicht kompatibel - Auswahl anfangs begrenzt - kein Preisvorteil der elektronischen Medien - anfängliche Geräte sind teuer Es besteht weiter die Gefahr, dass nicht massengängige Bücher, obwohl sie sich im Grunde elektronisch einfacher publizieren lassen, durch zusätzliche Lizenzpolitik in Abseits gedrängt werden. Hier sind gleich am Anfang deutliche Zeichen der Hersteller nötig, dass sie dem Publizieren so wenig wie möglich Hindernisse entgegensetzen. Zusätzlich macht der Artikel deutlich, wie sehr wir in Europa bereits im technischen Abseits stehen. Anstatt selbst zu entwickeln, warten wir brav, bis man gedenkt, uns mit der - offensichtlich auch noch angestaubten - Technologie zu versorgen. Das ist wirklich ein ganz trauriges Bild, aber leider zwangsläufig in Regionen, das ihre Entwicklungs- und Industriekompetenzen systematisch ins Ausland verschachert haben.
Goregrinder 03.02.2009
Was mich wundert ist die Tatsache, das wir Europäer ein altes Gerät untergeschoben bekommen, welches auch noch überteuert ist. Bei Amazon.com findet man den PRS-505 für 269$, das sind grob 210€. Bin mal gespannt, wie hier auf [...]
Was mich wundert ist die Tatsache, das wir Europäer ein altes Gerät untergeschoben bekommen, welches auch noch überteuert ist. Bei Amazon.com findet man den PRS-505 für 269$, das sind grob 210€. Bin mal gespannt, wie hier auf dieser Plattform über E-Reader diskutiert wird, das ist meist ein Fest an Falschinformationen und emotional geprägten Grabenkämpfen (Print vs. E-Ink, Haptik vs. Platz)!
braunwiediefarbe 03.02.2009
Ob ich nun einen Kindle oder Sony oder sonst was nutze dürfte doch egal sein, dass Problem ist, wie mein Vorredner schon deutlich gemacht hat, der Mangel an deutschsprachigen Inhalten. Den Spiegel, meine Tageszeitung und ein [...]
Ob ich nun einen Kindle oder Sony oder sonst was nutze dürfte doch egal sein, dass Problem ist, wie mein Vorredner schon deutlich gemacht hat, der Mangel an deutschsprachigen Inhalten. Den Spiegel, meine Tageszeitung und ein paar gute aktuelle Bücher drahtlos auf das Lesegerät zu bringen, dass sollte das Ziel sein. Wieso gibt es das nicht? Weil die Verlage blockieren denke ich mal. Ich für meinen Teil würde mir kein eBook kaufen sondern mein iPhone zum Lesen benutzen. Der Bildschirm ist gerade ausreichend zum Lesen und ich müsste nicht mehrere Geräte herumschleppen.
Brixter 03.02.2009
"Dessen Tochterfirma Libri.de, an der die SPIEGELnet AG mit zehn Prozent beteiligt ist, wirbt bereits mit dem neuen Lesegerät." Das scheint mir ne recht einleuchtende Begründung für die einseitige Darstellung zu sein.
"Dessen Tochterfirma Libri.de, an der die SPIEGELnet AG mit zehn Prozent beteiligt ist, wirbt bereits mit dem neuen Lesegerät." Das scheint mir ne recht einleuchtende Begründung für die einseitige Darstellung zu sein.
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