Es gibt noch keine Bilder, kaum neue Informationen über das hinaus, was am Montag bekannt geworden war: Angeblich plant die indische Regierung eine Art digitale Alphabetisierungskampagne mit Hilfe eines ultrabilligen Laptops, der für 10 bis 20 Dollar verkauft werden soll. Immerhin scheint nun aber klar, dass die indische Regierung sich mit dem Vorhaben weder einen Scherz erlaubte, noch die Nachricht selbst eine Ente oder Fehlübersetzung war. Ob der 10-20-Dollar-Laptop wirklich möglich ist, bleibt abzuwarten - ernst meinen es seine Väter offenbar.
Das Gerücht eines Laptops zum Fastfood-Menü-Preis war im Sommer 2008 schon einmal in Umlauf gekommen und damals als Fehler dementiert worden: Man habe in einer Pressemitteilung eine Null vergessen.
Am Wochenende jedoch tauchte das Gerücht wieder auf, offensichtlich lanciert aus Kreisen der indischen Regierung. Am Montag folgte dann eine erste Bestätigung: Ja, das Gerät solle noch im Sommer verkauft werden, für eben den zitierten Dumping-Preis - und trotzdem noch etwas leisten. Beispielhaft wurden 2 GB Arbeitsspeicher genannt und drahtlose Internetfähigkeit.
In der Fachwelt sorgte das für Unglaube. Sowohl Displays als auch schon der Arbeitsspeicher wären für den versprochenen Kaufpreis nicht zu bekommen. Es gehe wohl eher um eine Art aufgebohrten Taschenrechner, mutmaßte ein indischer Blogger.
Am Dienstagabend dann führte der indische Infrastrukturminister Arjun Singh in Rahmen einer Veranstaltung der Sri Venkateshwara University im Tempelbezirk Tirupati bei Hyderabad ein Gerät vor, das dem versprochenen Laptop nahekommen soll - und offenbar eine Art klein dimensioniertes Netbook ist. Im Rahmen einer Demonstration wurde eine Netzwerkverbindung mit einem Angehörigen des Kultusministeriums aufgebaut, um die Internet-Fähigkeit des Kastens zu beweisen.
Das Gerät, hieß es, bedürfe noch einigen Fine-Tunings - es handelt sich also bisher bestenfalls um einen Prototypen. Wie genau der aufgebaut ist, über was er verfügt und wie sich der Preis erklärt, mochte Singh auch bei dieser Gelegenheit nicht erklären.
Kaufpreis ist nicht Produktionspreis: Nur ein Missverständnis?
Wohl aber, wo er herkomme: Das Gerät soll eine staatlich finanzierte Gemeinschaftsentwicklung verschiedener Institute sein. Beteiligt seien unter anderem das Indian Institute of Science in Bangalore und das Indian Institute of Technology in Madras.
Der auf den Namen "Sakshat" getaufte Laptop wäre der billigste Rechner der Welt. Bereits seit mehreren Jahren bemüht sich unter der Ägide des Media-Lab-Gründers Nicholas Negroponte die One-Laptop-Per-Child-Initiative, einen Laptop für die Dritte Welt für einen Preis um 100 Dollar zu produzieren - bisher vergeblich. Hohe Display-Preise und die Kosten für das Erreichen des zunächst anvisierten Leistungsspektrums hoben die Produktionspreise auf ein Niveau um 200 Dollar.
Derzeit arbeitet die Initiative an der Entwicklung eines abgespeckten Nachfolgemodells, das dann nur noch 75 Dollar kosten soll.
Im Falle Sakshat könnte Subvention das Zauberwort und die Erklärung sein. Sakshat ist Teil einer E-Learning-Initiative, mit der die Studenten an 18.000 weiterführenden Schulen und 400 Universitäten in Indien ausgerüstet und vernetzt werden sollen. Die Regierung stellt für die Sakshat-Projekte eine bisher nicht bezifferte Summe zur Verfügung, will sich unter anderem an den Kosten für die nötige Netz-Infrastruktur mit 25 Prozent Zuschüssen beteiligen.
Und vielleicht an den Kosten des Laptops? Bisher wurde nur auf den beabsichtigten Verkaufspreis des Sakshat verwiesen, nicht auf die Produktionskosten. Eventuell liegt hier das Missverständnis: Eine Subvention des Billig-Laptops könnte durchaus Teil des Budgets der geplanten E-Learning-Initiative sein.
Dass so wenig über den Sakshat verraten wird, es zur Ausstattung so wenig Andeutungen gibt, wird von Beobachtern in Indien spitzzüngig auch anders gedeutet: Bald, hieß es Blogs, stünden wichtige Wahlen an.
OLPC-Begründer Nicholas Negroponte glaubt noch nicht an das Phantom Sakshat. Dem "Boston Globe" sagte er: "Ich fürchte, das ist nicht ernst. Wir hätten liebend gern einen 20-Dollar-Laptop, aber schon der Bildschirm dafür kostet mehr."
pat
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