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Löchrige Datenarchive Angst vor der digitalen Amnesie

2. Teil: Die Technologie altert zu schnell

Das eigentliche Problem aber dürfte weniger die Haltbarkeit als vielmehr die Lesbarkeit der Medien sein, erklärt Chuck Hollis, Vice President of Technology Alliances der EMC Corporation, SPIEGEL ONLINE. "Vor 20 Jahren haben wir 5 1/4-Zoll-Floppys und Programme benutzt, die es heute nicht mehr gibt. Um jetzt an derart gespeicherte Daten heranzukommen, müsste man erheblichen Aufwand betreiben", sagt der Speicherspezialist.

Damit beschreibt er das Kernproblem: Viel schneller als die Medien altern, werden sie von neuen Technologien überrannt. So hatten Universitäten arg damit zu kämpfen, Computerprogramme von Lochkarten auf Floppy-Discs oder Festplatten zu übertragen. Die klobigen Kartenlesegeräte waren oft überstürzt aus den Rechenzentren geworfen worden, als Festplatten verfügbar wurden. Neue Computeranlagen hatten zudem nicht die passenden Anschlüsse für die Kartenleser.

Rettung in der Wolke?

Ähnliche Probleme dürften in Zukunft häufiger auftreten. Ein Diskettenlaufwerk ist heute in kaum noch einem PC eingebaut, Netbooks und manche Nettops verzichten schon auf DVD- und CD-Laufwerke. Statt rotierender Medien nutzt man beispielsweise USB-Sticks, um Daten per Turnschuhnetzwerk von einem Ort zum anderen zu tragen.

Aber auch USB wird nur ein vergleichsweise kurzlebiger Standard sein, der früher oder später von neuer Technologie abgelöst wird.

Aufgrund solcher Technologiesprünge sollten "die Kuratoren digitaler Informationen ihre Daten regelmäßig von alten Medien auf neue und aus alten Formaten in neue überführen", rät EMC-Manager Hollis. Zumindest, bis es einen einheitlichen Standard zur Datenarchivierung gibt.

Die Sache mit dem Cloud Computing: So unterscheidet sich das Arbeiten in der "Wolke" von der herkömmlichen PC-Arbeit
DER SPIEGEL

Die Sache mit dem Cloud Computing: So unterscheidet sich das Arbeiten in der "Wolke" von der herkömmlichen PC-Arbeit

Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Besondere Anstrengungen in diese Richtung werden jedenfalls nicht unternommen.

Vielleicht wird die Rettung ja im Datennetz selbst liegen. Die Wolke, das sogenannte Cloud Computing (mehr auf SPIEGEL WISSEN...), avanciert zum Trend. Programme und Daten werde man künftig mehr und mehr in der Wolke und nicht auf einer persönlichen, physisch greifbaren Festplatte abspeichern, sagen Befürworter der Idee. Genau das könnte der Trick sein, der die digitale Hinterlassenschaft tatsächlich über Jahrhunderte oder wenigstens Jahrzehnte rettet.

Denn die Wolke erneuert sich ständig selbst. In den riesigen Speicherbanken der Online-Anbieter werden die Festplatten regelmäßig gegen größere Modelle ausgetauscht, um steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Defekte Geräte werden ersetzt, neue Technologien integriert. Auf diese Weise könnte die Datenwolke zu einem digitalen Organismus werden, der sich selbst am Leben erhält, indem er abgestorbene Zellen abstößt und neue entstehen lässt, während er kontinuierlich wächst.

Allerdings, auch dass muss klar sein: Unendlich lange wird selbst diese Methode nicht funktionieren.

Stichwort: Cloud Computing
Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.

Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise der Suchmaschinenbetreiber Google, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netz-Dienste setzen.

Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

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insgesamt 21 Beiträge
xhess 15.02.2009
Was soll das für ein Artikel sein? Angst vor der Zukunft? Alles schlecht weil es nicht aus Büchern, Stein und Marmor ist? Wir haben noch nicht einmal angefangen die digitale Welt richtig zu nutzen. Ein Bruchteil von dem was noch [...]
Was soll das für ein Artikel sein? Angst vor der Zukunft? Alles schlecht weil es nicht aus Büchern, Stein und Marmor ist? Wir haben noch nicht einmal angefangen die digitale Welt richtig zu nutzen. Ein Bruchteil von dem was noch kommt wurde hier entdeckt. In Zukunft wird es, da bin ich mir sicher, Mittel und Wege geben meine alten Festplatten die seit 300 Jahren irgendwo lagern zu lesen, mich zu analysieren und durch eine auf das Laufwerk verklebte Wimper meine DNA zu entdecken. Ich habe mit Floppys begonnen und habe es doch tatsächlich von ganz alleine geschafft auf moderne Sticks, Platten und Bluray umzusteigen. Grössere Unis und Institute gehen ohne mit der Zeit und werden die wirklich wichtigen Dinge aus unserer heutigen Epoche sichern und immer weiter modernisieren. Ich mache mir über so etwas überhaupt keine Gedanken. Das ist der Lauf der Dinge und wird sich von ganz alleine regeln. LG.X
NorQue 15.02.2009
---Zitat--- die Wolke erneuert sich ständig selbst. In den riesigen Speicherbanken der Online-Anbieter werden die Festplatten regelmäßig gegen größere Modelle ausgetauscht, um steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Defekte [...]
---Zitat--- die Wolke erneuert sich ständig selbst. In den riesigen Speicherbanken der Online-Anbieter werden die Festplatten regelmäßig gegen größere Modelle ausgetauscht, um steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Defekte Geräte werden ersetzt, neue Technologien integriert. Auf diese Weise könnte die Datenwolke zu einem digitalen Organismus werden, der sich selbst am Leben erhält, indem er abgestorbene Zellen abstößt und neue entstehen, während er kontinuierlich wächst. ---Zitatende--- Blödsinn. Wenn überhaupt dann ist die Lebendauer digitaler Daten in einer solchen "Wolke" geringer als auf dem PC des Nutzers. Die Daten mögen umkopiert werden, solange der Anbieter sich das Leisten kann. Stellt er allerdings den Support für eines seiner Produkte ein, so werden die Inhalte auch recht bald aus dem Netz verschwinden. Genau so wird es bei einem "Formatwechsel" aussehen. Man wird alte Daten nur in ein neues Format umkopieren können solange es dem hersteller opportun erscheint. Und hat man erstmal die Kontrolle an irgendeinen obskuren Cloud-Computing Anbieter abgegeben so kann man sich Jahre nach einem Formatwechsel nicht mal mehr selbst um die Daten kümmern. Cloud-Computing ist das Gegenteil von Datensicherheit.
Rübezahl 15.02.2009
Schade nur , dass nach mir keiner mehr meine Gedichte und selbst geschriebenen Novellen liest. Aber für die Zeit, wo es mich noch gibt, reicht der Zeitraum der Speicherung. Nach mir kommt die Erderwärmung und damit die [...]
Zitat von sysopMusik ist digital, Kommunikation ist digital, wahrscheinlich wabern bald auch Bücher nur noch als Bits und Bytes durch die Datennetze. Doch werden die kulturellen Schätze so Jahrtausende überdauern - und was werden Archäologen dereinst noch von uns finden? http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,606766,00.html
Schade nur , dass nach mir keiner mehr meine Gedichte und selbst geschriebenen Novellen liest. Aber für die Zeit, wo es mich noch gibt, reicht der Zeitraum der Speicherung. Nach mir kommt die Erderwärmung und damit die Sintflut . :-)
Pablo alto 15.02.2009
Die Herausforderung der Zukunft ist nicht das Archivieren. Es ist das - strukturierte - Vergessen. So wie auch schon im Internet nicht die Kunst darin liegt, irgendwelchen Schrott zu finden, sondern das Brauchbare zu entdecken und [...]
Die Herausforderung der Zukunft ist nicht das Archivieren. Es ist das - strukturierte - Vergessen. So wie auch schon im Internet nicht die Kunst darin liegt, irgendwelchen Schrott zu finden, sondern das Brauchbare zu entdecken und das Unbrauchbare zu übersehen. Wie stark in antiquierten Gedanken und Bildern (und Ängsten) der Autor des Artikels verhaftet ist, zeigt schon die Vorstellung, der Archäologe der Zukunft würde "graben". Also in der Erde wühlen und eine silbrig-glänzende Scheibe mit einem Loch in der Mitte finden und dann rätseln, was für ein Gegenstand das wohl sein könnte. Eine Grabbeigabe? Eine Himmelsscheibe? Ein Sportgerät?
tgam 15.02.2009
Sollten Archäologen einer Zukunft nur noch unverständliches material finden würde das unsere aktuelle kulturelle Situation doch sehr treffend wiedergeben. Denn wieviel wissen umgekehrt wir über die Vergangenheit, beispielsweise [...]
Sollten Archäologen einer Zukunft nur noch unverständliches material finden würde das unsere aktuelle kulturelle Situation doch sehr treffend wiedergeben. Denn wieviel wissen umgekehrt wir über die Vergangenheit, beispielsweise die Antike, was sich nicht mittlerweile längst mehr und mehr als verklärende Interpretation herausstellt, die mehr über die Interpreten als das Interpretierte aussagt? Das Aufbewahren ist entspringt einem irrigen Anspruch, viel wichtiger und sinnvoller wäre ein gezieltes Nicht-Bewahren. Kontrolle über den Verfall wäre meines Erachtens das anzustrebende Ziel einer Strategie.
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