Von Matthias Kremp
Das eigentliche Problem aber dürfte weniger die Haltbarkeit als vielmehr die Lesbarkeit der Medien sein, erklärt Chuck Hollis, Vice President of Technology Alliances der EMC Corporation, SPIEGEL ONLINE. "Vor 20 Jahren haben wir 5 1/4-Zoll-Floppys und Programme benutzt, die es heute nicht mehr gibt. Um jetzt an derart gespeicherte Daten heranzukommen, müsste man erheblichen Aufwand betreiben", sagt der Speicherspezialist.
Damit beschreibt er das Kernproblem: Viel schneller als die Medien altern, werden sie von neuen Technologien überrannt. So hatten Universitäten arg damit zu kämpfen, Computerprogramme von Lochkarten auf Floppy-Discs oder Festplatten zu übertragen. Die klobigen Kartenlesegeräte waren oft überstürzt aus den Rechenzentren geworfen worden, als Festplatten verfügbar wurden. Neue Computeranlagen hatten zudem nicht die passenden Anschlüsse für die Kartenleser.
Rettung in der Wolke?
Ähnliche Probleme dürften in Zukunft häufiger auftreten. Ein Diskettenlaufwerk ist heute in kaum noch einem PC eingebaut, Netbooks und manche Nettops verzichten schon auf DVD- und CD-Laufwerke. Statt rotierender Medien nutzt man beispielsweise USB-Sticks, um Daten per Turnschuhnetzwerk von einem Ort zum anderen zu tragen.
Aber auch USB wird nur ein vergleichsweise kurzlebiger Standard sein, der früher oder später von neuer Technologie abgelöst wird.
Aufgrund solcher Technologiesprünge sollten "die Kuratoren digitaler Informationen ihre Daten regelmäßig von alten Medien auf neue und aus alten Formaten in neue überführen", rät EMC-Manager Hollis. Zumindest, bis es einen einheitlichen Standard zur Datenarchivierung gibt.
Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Besondere Anstrengungen in diese Richtung werden jedenfalls nicht unternommen.
Vielleicht wird die Rettung ja im Datennetz selbst liegen. Die Wolke, das sogenannte Cloud Computing (mehr auf SPIEGEL WISSEN...), avanciert zum Trend. Programme und Daten werde man künftig mehr und mehr in der Wolke und nicht auf einer persönlichen, physisch greifbaren Festplatte abspeichern, sagen Befürworter der Idee. Genau das könnte der Trick sein, der die digitale Hinterlassenschaft tatsächlich über Jahrhunderte oder wenigstens Jahrzehnte rettet.
Denn die Wolke erneuert sich ständig selbst. In den riesigen Speicherbanken der Online-Anbieter werden die Festplatten regelmäßig gegen größere Modelle ausgetauscht, um steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Defekte Geräte werden ersetzt, neue Technologien integriert. Auf diese Weise könnte die Datenwolke zu einem digitalen Organismus werden, der sich selbst am Leben erhält, indem er abgestorbene Zellen abstößt und neue entstehen lässt, während er kontinuierlich wächst.
Allerdings, auch dass muss klar sein: Unendlich lange wird selbst diese Methode nicht funktionieren.
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