Mittwoch, 10. Februar 2010

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28.04.2009
 

Gesichtserkennnung

Forscher entschlüsseln Star-Trek-Gesichter

Wer hat auf der Enterprise wirklich was zu sagen und warum guckt Spock immer nach rechts? Tief schürfende Fragen, die US-Forscher beantworten: Mit Gesichtserkennungssoftware analysierten sie alte Star-Trek-Folgen - und wollen revolutionieren, wie wir Filme sehen.

Steuermann Sulu schaut meist nach oben, Schiffarzt McCoy nachdenklich nach unten, Navigator Chekov ist fast nie zu sehen. Der Kapitän dagegen ist nicht nur auf der Brücke der erste Mann in der 60-Jahre-Fernsehserie Star Trek: Mehr als 20 Minuten ist er in mancher 45-Minuten-Folge der Serie zu sehen, dominiert Bildschirm und Geschehen. Daran ändert sich bis zum Ende der dritten Staffel kaum etwas, auch wenn der agile Schiffsführer gelegentlich etwas weniger präsent ist, in mancher Folge nicht mal mehr zehn Minuten Spielzeit bekommen.

Solche Erkenntnisse verdanken wir dem US-Unternehmen Pittsburgh Pattern Recognition (pittpatt), das mit Hilfe einer Spezialsoftware analysieren kann, wie oft die einzelnen Darsteller während eines Films im Bild zu sehen sind. Die Kombination aus Gesichtserkennung und Gesichtsverfolgung ermöglichte es den Forschern, alle 67 Folgen der ersten drei Star-Trek-Staffeln daraufhin zu analysieren, wer wann und wie lange wohin guckt.

Das hört sich zunächst einmal nicht bedeutend an, ist es aber. Denn anders als uns Menschen fällt es Computern nicht leicht, humanoide Wesen anhand ihrer Gesichter zu unterscheiden, schon gar nicht, wenn sie aus unterschiedlichen Blickwinkel und unterschiedlich ausgeleuchtet in die Kamera schauen.

Deshalb wundert es auch nicht, dass beispielsweise Firmenmitgründer Henry Schneiderman bereits zehn Jahre als Forscher der Carnegie Mellon University an der Gesichtserkennungstechnik werkelte, bevor er mit einigen Kollegen pittpatt gründete, um sein angesammeltes Fachwissen zu versilbern. Jetzt verkauft er Software, die besser und zuverlässiger als jede Konkurrenz menschliche Gesichter auch auf schlechten Bilder erkennen und einzelne Personen in Videos auch dann identifizieren können soll, wenn sie nicht direkt in die Kamera schauen.

Wer wann mit wem spricht

Die Star-Trek- Aktion ist demnach nichts anderes als ein PR-Coup. Allerdings einer, der genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Schließlich läuft in Kürze der neue Star-Trek-Film in den Kinos an, soll darüber aufklären, wie der junge James T. Kirk und der Vulkanier Spock zur Sternenflotte kamen, zu jenem untrennbaren Team wurden, dass William Shatner und Leonard Nimoy ab 1966 im Fernsehen verkörperten - und deren Auftritte von pittpatt jetzt analysiert wurden.

Das ist hübsch, um zu zeigen, was man kann, aber nicht das eigentliche Ziel der Entwicklung. Vielmehr soll die Technologie dazu dienen, Filme auf eine neue Art und Weise erlebbar zu machen. Statt einen Film, wie bei aktuellen DVDs und Blu-rays, einfach kapitelweise aufzuteilen, könnte man ihn mit Hilfe der pittpatt-Software nach seinen Protagonisten durchforsten.

Da die Software zudem genau aufschlüsselt, wer seinen Kopf wann in welche Richtung neigt, ließe sich sogar analysieren, welche Charaktere am meisten miteinander zu tun haben. Und sollte man verpasst haben, worum es im jeweiligen Film eigentlich geht oder wie es nach einer verschwurbelten Story zur Auflösung des Dramas kommt, kann man einfach den Weg des Protagonisten durch den Film zurückverfolgen. Ein Recherchetool für Film-Fans.

Bei Star Trek freilich dürfte das kaum nötig sein. So kompliziert waren die Plots der legendären TV-Serie nicht. Dafür zeigt das Projekt der US-Forscher eindringlich, wie weit die Entwicklung schon vorangeschritten ist. Während die Gesichtserkennungsfunktion in Apples Fotosoftware iPhoto gelegentlich noch Kekse als Gesichter erkennt, scheint pittpatts Programm einen Schritt weiter zu sein - mindestens.

mak

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