Der großformatige Flachbildfernseher zeigt einen Spielfilm in HD-Qualität - frisch aus dem Internet bezogen. Obwohl der Bildschirm nicht mit einem Kabel an den Router angeschlossen ist, lässt sich der Film ohne langes Warten oder störendes Ruckeln ansehen. Noch ist diese Art der drahtlosen Massen-Datenübertragung eine Vision, doch die Wireless Gigabit Alliance arbeitet daran, diese Heimnetzwerk-Zukunft zu realisieren.
Vernetzt: Was bislang ein W-Lan leistet, soll der WiGig-Standard bald schneller und besser können
Wenn alles glatt läuft, wird im Herbst der W-Lan-Standard IEEE 802.11n endlich verabschiedet und damit in drahtlosen Netzwerken der Datenturbo eingeschaltet. Den WiGig-Visionären ist dessen Leistung aber noch lange nicht genug. Zwar erreicht der n-Standard derzeit bereits Übertragungsraten von bis zu 300 MBit/s - das ist gegenüber 54 MBit/s im derzeit verbreiteten g-Standard ein Quantensprung. Doch WiGig soll die Schwelle von einem GBit/s überwinden, in der Spitze eine Datenmenge von bis zu sechs Gigabit pro Sekunde weiterleiten. Der Inhalt einer DVD wäre damit in 15 Sekunden verschickt.
Möglich werden soll die Hochgeschwindigkeitsübertragung via WiGig, indem zum Datentransfer Frequenzen im Bereich von 60 Gigahertz genutzt werden. Dort steht ein Frequenzband zur Verfügung, das deutlich breiter ist, als die derzeit für W-Lan genutzten Übertragungsbereiche im 2,4-GHz- und 5-GHz-Band. Je breiter das Frequenzband ist, desto schneller lassen sich Daten laden und verschicken.
Störende Wände
Bis drahtlose Heimnetzwerke nach WiGig-Standards stabil funktionieren, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Bis Ende des Jahres wollen sich die Mitglieder des WiGig-Bündnisses auf Spezifikationen des neuen Standards verständigen. Geräte, die mit einem neuen Logo gekennzeichnet werden sollen, sind nicht vor 2010 zu erwarten.
Zuvor müssen die Partner einige technische Probleme lösen. Beispielsweise funktionieren Hochfrequenzübertragungen im 60-GHz-Band bislang nur dann sicher, wenn keine Wände zwischen Sender und Empfänger stehen. Sogar Gegenstände können den Datentransfer behindern. Hohe Übertragungsraten sind fast nur bei Sichtverbindungen zu erreichen. Der Computerhersteller IBM, der nicht in der Liste der Wireless-Gigabit-Bündnispartner steht, hatte 2006 ein System entwickelt, das Sender in jedem Raum vorsah.
Ein W-Lan funkt hingegen durch Wände und überbrückt längere Funkstrecken. Um Geräte in ein oder zwei Zimmern zu vernetzen, wird WiGig aber ausreichen. Derweil buhlen noch andere Techniken um die Position als Standard für Hochleistungsdatenübertragungen in der Wohnung: WirelessHD etwa wurde, ebenso wie Wireless HDMI, entwickelt, um Set-Top-Boxen und Blu-Ray-Player mit dem Fernseher zu verbinden.
Ali Sadri, Vorsitzender der Wireless Gigabit Alliance, sieht WiGig aber nicht in direkter Konkurrenz zu Techniken wie WirelessHD. Das größere Ziel sei es, nicht nur Fernseher, sondern auch Mobiltelefone, Videokameras und PC zu verbinden.
tko/AP
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