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20.05.2009
 

US-Nationalarchiv

Unbekannte klauen Clinton-Festplatte

Festplatten und Laptops gehören auch in Behörden zu den beliebtesten Mitnahmegütern. Mitunter gehen dabei sensible Daten verloren: Dem US-Nationalarchiv kam nun eine Festplatte mit Archivdaten über die Clinton-Regierung abhanden. Das FBI ermittelt.

Es klingt immer dramatisch, wenn die US-Bundespolizei FBI Ermittlungen aufnimmt, um einem Datendiebstahl nachzugehen. Mitunter ist das berechtigt, denn immer wieder verschwinden USB-Sticks oder CD-Roms mit sensiblen Daten aus allen möglichen Behörden rund um den Globus. Schlamperei ist dabei nicht immer hinreichend als Erklärung, oft wird es tatsächlich um Spionage gehen.

Noch öfter aber geht es in Wahrheit um Flohmärkte oder Ebay.

Denn hochpreisige Laptops und handliche Festplatten sind natürlich auch ideale Mitnahmeartikel für Beamte und Angestellte mit klebrigen Fingern, die nach Nebenverdiensten suchen. So sind Fälle wie der vom britischen MI5-Agenten, der seinen Laptop mit Geheiminfos auf einer Bahnhofsbank liegend vergisst, der vom Verteidigungsministeriumsbeamten, der geheime Rüstungsdaten samt Laptop auf einer Parkbank liegen lässt, nicht unbedingt zu erklären. Aber schon der Einbruch im Januar 2008, bei dem sich ein britischer Armee-Offizier die Daten von 600.000 Rekruten aus dem Auto stehlen ließ, war wahrscheinlich Flohmarkt-Kriminalität: Der Wagen stand auf einem bewachten Gelände des Verteidigungsministeriums.

Und so viele Spione, wie Laptops aus Ministerien und Behörden verschwinden, kann es gar nicht geben: Dass sich eine Ministerin der Labour-Regierung im Juni 2008 den Laptop aus dem Büro klauen ließ, war vor allem deshalb peinlich, weil es öffentlich wurde. Denn leider ist auch das Routine: Auch deutschen Ministerien und Behörden kamen allein von 2005 bis 2008 mehr als 500 Laptops und andere Gerätschaften mysteriös abhanden. So manches davon dürfte bald nach seinem Verschwinden als Second-Hand-Schnäppchen den einen oder anderen Bürger glücklich gemacht haben - nicht ahnend, dass er den erstandenen Laptop quasi zweimal bezahlt hat: Einmal mit Steuergeldern, einmal per Überweisung.

Was ist Ziel: Die Daten - oder nur der Träger?

Jetzt verschwand aus dem Nationalarchiv der USA eine große Menge an vertraulichen Daten aus der Regierungszeit des früheren Präsidenten Bill Clinton. Es handele sich unter anderem um Sozialversicherungsnummern, Adressen sowie interne Vorschriften des Geheimdienstes und des Weißen Hauses, sagte Archivsprecherin Susan Cooper am Dienstag in Washington. Auch Protokolle von Veranstaltungen seien darunter. Die Daten seien auf einer Computer-Festplatte gespeichert, die spurlos verschwunden sei.

Wie immer steht nun die Frage im Raum, worauf es der Dieb wirklich abgesehen hatte: Auf die Daten oder nur auf den Datenträger? Denn wie üblich könnte daraus ein Datenskandal werden - oder wie meistens ein Fall von "Weggefunden": Was herumliegt, wird eben gern mal mitgenommen. Das Speichermedium, dessen Diebstahl nun bemerkt wurde, so Archivsprecherin Susan Cooper, sei irgendwann zwischen Oktober und März aus einem Archivgebäude im Washingtoner Vorort College Park verschwunden und enthalte ein Terabyte Daten.

Terabyte-Platten gibt es so lang noch nicht, sie erzielen gute Preise. Aber wertvoll wäre auch der gespeicherte Inhalt. Cooper: "Die Festplatte enthält eine bislang unbekannte Menge an personenbezogenen Daten von Mitarbeitern und Besuchern des Weißen Hauses."

Peinlich für die Archivare, aber möglicherweise gefährlich für die Personen, deren Daten auf der Festplatte abgespeichert waren.

In der Regel bleibt in solchen Fällen nur Schadensbegrenzung, die Diebe werden nur sehr selten gefasst. So blieben auch die Diebstähle einer externen Festplatte aus der US-Atomsicherheitsbehörde im Juni 2006, bei dem die Daten von über 1500 Geheimnisträgern abhanden kamen, sowie in Großbritannien der potentiell lebensgefährliche Diebstahl einer Festplatte mit Namen und Adressen von 5000 Justizbeamten im September 2008 bisher ungeklärt.

Auch im aktuellen Fall werden nun zunächst die betroffenen Personen über den Datenverlust informiert werden. Darunter sei auch eine der drei Töchter des früheren Vizepräsidenten Al Gore, so Nationalarchiv-Sprecherin Cooper, deren Sozialversicherungsnummer auf der Festplatte gespeichert sei. Auch Clinton wurde informiert; es war aber zunächst nicht bekannt, ob auch persönliche Daten des Ex-Präsidenten betroffen waren.

Die Bundespolizei FBI leitete Ermittlungen ein.

pat/AP

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