Von Hilmar Schmundt
Jim Rakete steht vor einem Foto und staunt, als sähe er zum ersten Mal ein Lichtbild. Ganz nah beugt sich der weißhaarige Fotograf über das Porträt des Schauspielers Jürgen Vogel, als wollte er es küssen. Dann flüstert er: "Diese Durchzeichnung, diese Schatten, und hier, man kann jedes Härchen sehen, jedes einzelne."
Über hundert Porträts von deutschen Schauspielern, Politikern und Musikern hat Rakete aufgenommen mit seiner alten Linhof-Plattenkamera, "einem Getüm", wie er es nennt. Viele hundert Male schon hat er die Bilder betrachtet - und doch sieht er nun Härchen, die er nie zuvor gesehen hat.
Bisher hat Rakete seine Abzüge in seiner Dunkelkammer in Berlin gefertigt. Im roten Schein einer Lampe wartete er geduldig, bis auf dem weißen Papier im Entwicklerbad die Gesichtszüge der Porträtierten erschienen, erst grau, dann immer dunkler. Er belichtete zu helle Partien nach und wedelte dort, wo es zu dunkel wurde, fingerfertig wie ein Maler.
Eine Maschine, lang wie ein Eisenbahnwaggon
Rakete sucht die Langsamkeit. Die Belichtungszeit seiner Porträts lag meist bei einer Achtelsekunde. "1/8", das ist auch der Titel einer Ausstellung und eines opulenten Bildbandes. Es sollte so etwas werden wie die Abschiedstournee der alten Silberfotografie, verdrängt von Photoshop, HDR und Flickr. Doch Abschied war gestern, denn nun hat Rakete eine neue Art Dunkelkammer: Er steht am Steuerpult einer riesigen Druckmaschine, lang wie ein Eisenbahnwaggon, laut wie eine Diesellok, untergebracht in einer Werkhalle der Druckerei Benatzky in einem Gewerbegebiet im Norden von Hannover. Sie ist eine der modernsten Maschinen ihrer Art, hergestellt vom Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen AG. Kostenpunkt: rund drei Millionen Euro.
Sein Fototherapeut heißt Dieter Kirchner, ein massiger Mittsechziger mit dem Profil eines Karl Marx. Er steht neben Rakete und peilt kritisch über seine Fernbrille, misst die Grauwerte und murmelt in seinen rauchvergilbten Bart: "Das kriegen wir noch knackiger hin." Skia Photography nennt er die neue Methode etwas gespreizt. Frei übersetzt: Licht-Dunkel-Schrift.
Exklusiver Fanclub des Lichtbildungsbürgertums
Viele berühmte Fotografen vertrauten schon lange auf seine Druckkunst, darunter Helmut Newton, Bernd und Hilla Becher, Konrad R. Müller, Manfred Hamm. Nun hat Kirchner eine neue Technik entwickelt, die alles, was er bislang gemacht hat, buchstäblich in den Schatten stellen soll. Er sucht nach den sanftesten Spitzlichtern, den feinsten Grauzeichnungen - und nach dem schwärzesten Schwarz.
Im Laufe dieses Monats sind die ersten neuen Kirchner-Drucke in Ausstellungen zu sehen*. Mitte Juni ist er mit Prints von Dieter Appelt auf der Art Basel vertreten, der weltweit bedeutendsten Kunstmesse.
Um Kirchners schwarze Kunst schart sich ein exklusiver Fanclub des Lichtbildungsbürgertums. "Die Resultate sind sensationell, das ist eine Revolution in Sachen Fotografie", schwärmt Appelt, Bildkünstler und Professor aus Berlin. "Die Skia Photography könnte den Sammlermarkt umkrempeln", prophezeit der Medienhistoriker Hubertus von Amelunxen. "Die Folgen sind noch nicht absehbar."
Licht vermatscht Details
Kirchner will einen neuen Goldstandard für Fotos einführen. Rein qualitativ könnte er den Vintage Print vom Thron stoßen: teure Handabzüge, in limitierter Auflage oft viele tausend Euro wert. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten, denn Sammler lieben oft gerade den kleinen Makel, weil er die Aura des Originals erhöht. "Bei meiner Methode macht doch auch der Fotograf selber die Abzüge, nur eben nicht in der Dunkelkammer, sondern an der Druckmaschine", sagt Kirchner. Eine eigenartige Vorstellung: Vintage prints - untouched by human hands.
Kirchners Grundidee ist trügerisch einfach, und im Grunde genommen auch gar nicht neu: Er erstellt die Druckvorlagen direkt vom Negativ und umgeht damit die Schwachstelle der herkömmlichen Fotografie: den Papierabzug. Die winzigen Silberkörnchen des Fotopapiers nämlich erscheinen nicht annähernd so dunkel wie Druckerschwärze. Zudem reflektiert in der Dunkelkammer das Fotopapier. Das Licht vermatscht die Details.
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Bei allem Respekt für die beiden Protagonisten, bin ich über den Inhalt, bzw. Nichtinhalt dieses Textes ausgesprochen irritiert. Für mich ist nicht mal im Ansatz erkennbar, was einen solchen Artikel rechtfertigt bzw. was selbst [...] mehr...
Lieber pan 400, ich finde Ihre Reaktion sehr gut und teile bei all unserem Streben nach Perfektion vor allem die Aussage bei dem Ganzen nicht zu vergessen worum es eigentlich geht. Um das Bild selbst... mehr...
zunächst: insgesamt ein sehr oberflächlicher bericht. der gewollt lockere schreibstil hilft gar nicht, den bericht interessanter zu gestalten. in gegenteil.- was und wer im kunsthandel bahnbrechende erfolge oder nicht erzielt, [...] mehr...
Ich bin zwar kein Graphiker, aber die vorangegangenen Beiträge sind leider sehr dünkelbelastet. Ihr kämpft leider gegen Windmühlenflügel. Vergleicht mal Printmedien von 1980 mit Printmedien von heute. Man muss schon blind sein, [...] mehr...
Auch das Sehen benötigt einen stetigen Anreiz um besser und mehr zu Sehen und somit auch zu verstehen . Zitat J. Rakete" diese neue Drucktechnik ist wie eine Psychoanalyse". Die Frage ob solch eine Technik für den [...] mehr...
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