Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
07.02.2000
 

TV-Proxies

Echtes TV on demand

Vergessen wir die Werbepause: Wer mitten im Spielfilm mal zum Kühlschrank muss, der hält künftig einfach das Bild an. Lässt den Film weiterlaufen, wenn er zurückkommt. Oder spult noch ein wenig zurück, weil er die letzte Szene vergessen hat. Oder schaltet um zum Anfang dieses anderen Films, der vor einer Stunde begonnen hat. Oder ...

Fernseher von der Festplatte
GMS

Fernseher von der Festplatte

Jahrzehntelang waren Anrufe um 20.00 Uhr verpönt: Wer das während der "Tagesschau" trotzdem wagte, wurde bisweilen fernmündlich grob abgebürstet. Mittlerweile hat die heilige Viertelstunde an Glanz verloren, und sie wird in Zukunft wohl noch matter werden. Bald kann die beliebte Nachrichtensendung auch noch um 20.06 Uhr oder noch später gesehen werden - und zwar von Anfang an.

Möglich machen dies Geräte, auf deren einheitlichen Namen man sich noch einigen muss: "Personal TV Receiver", "TV Server" oder "TV Proxy". Was damit gemeint ist, erklärt Matthias Zahn, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Fast TV Server AG in München: "Am besten kann man unsere Entwicklung als einen Festplatten-basierten digitalen Videorekorder beschreiben, der es ermöglicht, bis zu 50 Stunden TV-Programm aufzuzeichnen." Allerdings ist das Ding zu weitaus mehr in der Lage als ein profaner VHS-Rekorder: etwa das laufende Programm anzusehen und nach Belieben anzuhalten, obwohl es noch weiter aufgezeichnet wird.

"Bei einem Fußballspiel kann der Zuschauer auf diese Weise ein Tor wiederholen, ohne dass in der Live-Sendung etwas verpasst wird", sagt Zahn. Wenn zwei Sendungen gleichzeitig beginnen, die aufgezeichnet werden sollen, entschärft der "TV Server" familiäre Konflikte schon im Vorfeld: Er zeichnet beide Sendungen gleichzeitig auf. Und wenn man vergessen hat, seine Lieblings-Serie zu programmieren, kann dies von jedem Online-fähigen PC aus unter www.tvtvtv.de nachgeholt werden. Gespeichert werden die Daten im MPEG-2-Format.

Rund 5000 Mark soll der Edel-Design-Apparat kosten, wenn er auf den Markt kommt. Wann das genau sein wird, ist noch nicht bekannt, allerdings werden einige Exemplare auf der Cebit zu sehen sein. Dass sich "Personal TV Receiver" am Markt durchsetzen werden, ist nicht unwahrscheinlich. Die Hersteller machen es sich zu Nutze, dass täglich viele tausend Stunden Programm gesendet werden, und das völlig kostenlos.

"Für unseren Personal Video Recorder bezahlt man anders als beim Pay-TV nur einmal", sagt Julika Kleibohn, Pressesprecherin der Axcent Media AG in Paderborn, die ein solches Gerät für "unter 1500 Mark" auf den Markt bringen will. Das niederländische Elektronik-Unternehmen Philips seinerseits hat die Entwicklung der US-amerikanischen Start-up-Firma TiVo durch eine Kooperation gesichert. "Der Clou an TiVo ist, dass er sich die Sehgewohnheiten des Zuschauers merkt", sagt Klaus Petri, Pressesprecher von Philips in Hamburg. Unter verschiedenen Sparten mit den Oberbegriffen "Sport", "Action" und "Natur" kennzeichnet der TiVo-Nutzer seine Interessen auf einem Bildschirm-Menü.

Nachts lädt sich TiVo via Telefonleitung von einer Internet-Seite die Programm-Informationen herunter und zappt sich quasi selbstständig durch die Kanäle, um die entsprechenden Filme einzusammeln. Nachdem sich der Zuschauer die Sendungen angeschaut hat, kann er wie ein römischer Kaiser seinen Daumen über die Aufzeichnung heben oder senken. TiVo merkt sich das Urteil für die Zukunft und berücksichtigt es auf den weiteren Streifzügen durch das Programm - ganz nach dem auf der Homepage des Unternehmens nachzulesenden Motto: "Das Leben ist zu kurz für schlechtes Fernsehen."

Venio Piero Quinque

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern