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05.07.2009
 

Digitale Dauerspeicher

Langzeit-Archivierung mit der Festplatte

Von Boi Feddern

Wie und wo sollte man wertvolle Daten langfristig lagern? Die klare Antwort: Große Datenmengen lassen sich am besten auf Festplatten archivieren. Die arbeiten schneller als DVDs, sind praktischer zu handhaben als Bandspeicher und kosten nur wenig Geld, urteilt das Fachmagazin c't.

Einmal gebrannte Daten auf DVD sind unveränderbar abgespeichert. Herunterfallen darf die Disc auch mal, selbst ein paar Kratzer verhindern in den meisten Fällen nicht, dass sich die Daten noch auslesen lassen. Bei Festplatten kann schon der erste Sturz auf den Boden zum Hardwaredefekt und damit zum totalen Datenverlust führen.

Festplatten: Richtig verwendet auch auf Dauer ein sicheres Datenarchiv
DDP

Festplatten: Richtig verwendet auch auf Dauer ein sicheres Datenarchiv

Um große Datenmengen zu archivieren, kommt man dennoch kaum an Platten vorbei. Einen disziplinierten Umgang mit den empfindlichen Laufwerken vorausgesetzt, halten die Daten länger als auf der DVD - theoretisch sogar viele Jahrzehnte.

Erschütternd

Festplatten sind empfindlich gegen Erschütterungen. Eine vernünftige Aufbewahrung ist für die Langzeitarchivierung daher das A und O. Ein internes Laufwerk nackt und unverpackt auf eine unbenutzte Ecke des Schreibtischs zu legen ist keine gute Idee.

3,5"-Laufwerke vertragen im ausgeschalteten Zustand laut Spezifikation Stöße von "nur" 300 g bei einer Impulsdauer von weniger als zwei Millisekunden. Das ist in der Praxis schnell erreicht. Schon das Umkippen einer senkrecht auf der Tischplatte stehenden Festplatte kann irreparable Schäden hervorrufen. Problematisch sind vor allem kleine Partikel, die sich durch den Aufprall lösen und dann im Gehäuse herumfliegen. Geraten sie dann im laufenden Betrieb zwischen Köpfe und Medium, sind weitere Fehler die Folge. Im ungünstigen Fall kollidiert eines der Mini-Partikel im laufenden Betrieb mit dem Schreib-/Lesekopf und es kommt zum berüchtigten Headcrash. Dann hilft nur noch der Datenretter - für mehrere hundert bis tausend Euro.

Kleine Mobil-Festplatten im 1,8"- und 2,5"-Format stecken Stöße bis zu 1000 g bei einer Impulsdauer von weniger als zwei Millisekunden weg. Gleichwohl kann sich auch bei diesen kleinen Festplatten durch Stöße die Mechanik leicht dejustieren, sodass eine Platte die Servospuren nicht mehr findet.

Eine Antistatikhülle bringt zwar Schutz vor elektrostatischen Entladungen, aber eben nicht vor Erschütterungen und Stößen. Besser ist es, das Laufwerk nach der Datensicherung wieder in die meist mitgelieferten transparenten und antistatischen Kunststoffboxen zu verpacken. Fragen Sie doch am besten noch vor dem Kauf oder der Lieferung Ihren Händler, ob er die Platte entsprechend verpackt. Seagate hat diese Boxen vor Jahren unter dem Namen SeaShell eingeführt. Inzwischen liefern auch andere Festplattenhersteller normalerweise ihre Platten in einer solchen Verpackung.

Turmbau

Gut verpackt, bewahrt man die Platte am besten im Schrank auf. Dort sollten Sie gegebenenfalls auch gleich Platz für mehrere Laufwerke reservieren. Denn selbst wenn die Platten wie beschrieben ordentlich verpackt sind, ist es wenig ratsam, den Turmbau zu Babel nachzuspielen und mehrere Festplatten übereinanderzustapeln. Kippt der Turm um, können Sie sich von den Daten auf der obersten Platte möglicherweise gleich ganz verabschieden.

Auch die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchte am Lagerort sollte man nicht außer Acht lassen. Als Mitteleuropäer haben wir es relativ einfach, einen passenden Lagerort zu finden: Festplatten mögen es trocken und warm, aber nicht heiß. Konkret nennen die Hersteller als Empfehlung für die Lagerung einer Festplatte eine Umgebungstemperatur zwischen 20 und 30 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchte von weniger als 50 Prozent. Eine höhere Luftfeuchte könnte zur Korrosion an Kontakten und somit langfristig zum Defekt des Laufwerkes führen.

Wählerisch

Schon beim Kauf gilt es eine sorgfältige Auswahl zu treffen. Wer eine gebrauchte Festplatte bei eBay ersteigert, um wichtige Daten darauf zu archivieren, kann sich die Arbeit eigentlich auch gleich sparen. Denn man weiß nie, wie der Vorgänger die Platte behandelt hat, ob sie etwa Stößen, hohen Temperaturen oder sonst ungünstigen Bedingungen ausgesetzt war.

Eine neue Platte ist deshalb die einzig richtige Wahl - am besten mit Serial-ATA-Schnittstelle. Glaubt man den Festplattenherstellern, wird uns dieses Interface noch "jahrzehntelang" begleiten. Ob es tatsächlich so kommt, muss man abwarten. Zumindest besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, Platten dieses Typs noch über lange Jahre irgendwie an den Rechner anstöpseln zu können. Finger weg von IDE-Festplatten. Sie lassen sich schon heute kaum noch ans Mainboard anschließen.

Auch die Investition in teurere "RAID Edition"-Laufwerke, die speziell für den Dauerbetrieb ausgelegt sind, lohnt nicht. Genau darauf kommt es bei der Daten-Archivierung nämlich nicht an. Um mechanischen Verschleiß zu vermeiden, sollte eine Festplatte auf keinen Fall dauerhaft laufen.

Auch wenn man nur mal eben schnell seine Daten sichern möchte, empfiehlt es sich, die Platte immer fest mit im PC-Gehäuse zu verschrauben. Die Einbaulage der Platte ist dabei egal: Senkrechtbetrieb auf Stirn- oder Anschlussseite ist genauso erlaubt, wie der Betrieb in Seitenlage oder wie üblich "auf dem Bauch".

Für den schnellen Einbau in den Rechner sind schraubenlose Serial-ATA-Wechselrahmen empfehlenswert. Sie kommen ohne Träger aus, das heißt, man schiebt die Platte einfach in den Schacht, wo sie in einem Hot-Plug-fähigen Steckverbinder einrastet. So braucht man das PC-Gehäuse nicht zu öffnen.

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