Von Richard Meusers
Gesichtserkennung, Fingerabdruck- und Iris-Scan: Die Identifizierung von Personen mittels biometrischer Verfahren ist längst Standard. Firmengebäude und Hotelzimmer werden so gesichert, selbst bei billigen Notebooks sind Fingerabdruckscanner nichts Ungewöhnliches mehr. Doch jetzt soll eine neue Technik für noch mehr Privatsphäre sorgen, der Zugriff auf Computerdaten durch Augenbewegungen gesteuert werden - sekundenschnell und ohne Zutun des Anwenders.
In Großraumbüros genügt oft schon ein Blick über die Schulter des Kollegen, um Einblick in möglicherweise geheime Daten zu bekommen, ohne dass der Betroffene davon überhaupt etwas mitbekommt. Genau gegen solche Spähattacken hat der amerikanische Kryptologe und IT-Sicherheitsexperte Bill Anderson ein neuartiges Konzept entwickelt. Es basiert auf Eye Tracking, also der Aufzeichnung und Analyse von Augenbewegungen. Bisher wird diese Technik vor allem in der Markforschung genutzt, in seltenen Fällen kommt sie als Steuerungssystem für körperlich Behinderte zum Einsatz.
Keiner zwinkert wie der andere
Vor zwei Jahren stolperte Anderson über einen wissenschaftlichen Aufsatz, in dem individuelle Besonderheiten der Augenbewegungen von Menschen erklärt wurden. Anderson sah diese individuellen Merkmale sofort als potentielle Möglichkeit, Nutzer zu identifizieren und auf diese Weise Bildschirminhalte vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. Um eine entsprechende Technik zu entwickeln, gründete er die Firma Oculis Labs und meldete binnen anderthalb Jahren drei Patente für ein System zur Zugriffskontrolle per Augenzwinkern an.
Andersons Programm namens Chameleon stellt sich innerhalb von 15 Sekunden auf einen neuen Benutzer ein. Dazu erfasst eine Spezialkamera die Art und Weise, wie der Nutzer Bildschirminhalte betrachtet und zwischen den Einzelheiten hin und her springt. Versucht ein anderer Anwender auf dem Bildschirm zu lesen, wird das Bewegungsmuster seiner Augen als fremd erkannt, der Bildschirm entweder per Weichzeichner unleserlich gemacht oder mit sinnlosem Blindtext gefüllt.
Kundschaft gesucht
Außerdem erkennt die Technik, in welche Richtung der Anwender schaut und macht den Bildschirminhalt ebenfalls unleserlich, sollte der sich entfernen oder zu Seite schauen. Entdeckt das System noch andere Gesichter im Raum, warnt es vor den nicht autorisierten Zaungästen. Diese Möglichkeit zeigt denn auch den größten Vorteil von Andersons Technik gegenüber Iris-Scans oder Fingerabdruckkontrollen: Die Zugriffskontrolle erfolgt kontinuierlich und schnell und arbeitet ohne Eingriffe des Anwenders.
Die Highend-Version der Augenüberwachung, die Unternehmen und Behörden angeboten wird, kostet stolze 10.000 Dollar. Viel billiger kommen Privatnutzer davon. Sie können eine Sparausgabe der Software (PrivatEye) gegen Zahlung von 17,53 Euro aus dem Netz laden, brauchen zusätzlich allerdings noch eine Webcam.
Aber richtig Geld verdienen will Andersons mit anderen Kunden. Derzeit verhandelt er mit Computerherstellern darüber, seine Schutzsoftware auf Rechnern ab Werk zu installieren. Sollte das nicht klappen, hat Anderson allerdings schon einen andern zahlungskräftigen Kunden parat: das Pentagon.
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